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Vorschau
Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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© dpa Lupe
Über der Akropolis, dem Wahrzeichen Athens, brauen sich dunke Wolken zusammen.
Riskanter Haarschnitt
Der Haircut ist für Griechenland der einzige Weg, tatsächlich Schuldenballast über Bord zu werfen. Doch er birgt erhebliches Risiko. Inwiefern die Warnungen vor dem Schuldenschnitt berechtigt sind oder doch nur das übliche Gejaule der Lobbyisten, wird man wohl erst herausfinden, wenn man es ausprobiert.
Der einzige Weg für Griechenland, die erdrückende Schuldenlast loszuwerden und neu durchstarten zu können, ist ein Schuldenschnitt. Bei diesem sogenannten Haircut einigt sich Griechenland mit seinen Gläubigern in welchem Umfang die Schulden erlassen werden. Im Gespräch sind rund 40-60%. (Interessanterweise bewerten die Märkte 10jährige griechische Anleihen nur noch mit gut 50% ihres Nennwertes, haben dieses Szenario also bereits eingepreist.) Dann betrüge die griechische Schuldenlast noch rund 180 Mrd. Euro oder etwa 80-90% der Wirtschaftsleistung. Damit könnte Griechenland neu durchstarten.

Das Problem dabei: Die Kreditgeber, also die Besitzer griechischer Staatslanleihen, müssten entsprechende Verluste hinnehmen. Bei einem Haircut von 50% wären 50% der investierten Gelder futsch. Diese Investoren sind auf den ersten Blick vor allem europäische Banken und Versicherungen. Man könnte also meinen, ein Verlust träfe die Richtigen.

Der Sündenfall der EZB
Tatsächlich ist es aber etwas komplizierter. Denn Banken und Versicherungen haben in Griechenland (und Portugal und Irland und Spanien) nicht nur ihr eigenes Geld investiert, sondern vor allem die Gelder ihrer Kunden. Der Verlust träfe also letztlich auch Rentenversicherungen, Lebensversicherungen, Fondssparpläne, Riesterverträge etc., also ganz normale Leute.

Zudem kauft die Europäische Zentralbank (EZB) seit einem Jahr Staatsanleihen der Problemländer auf, insgesamt beläuft sich die Summe auf 76 Mrd. Euro. Mit anderen Worten: Banken, Versicherungen und andere Investoren hatten ein Jahr Zeit, ihre faulen Kredite zu einem guten Preis bei der EZB abzuladen. Diese Politik gilt als Sündenfall, verschiebt sie doch das Risiko von privaten Investoren zur EZB und kontaminiert deren Bilanz. Dies war auch einer der Gründe, weshalb Bundesbankpräsident Axel Weber das Handtuch geworfen hat.

Käme es nun zu einem Haircut träfe es alle Beteiligten: Banken, Versicherungen, Hedgefonds, die EZB und Erna Koslowski aus Bottrop. Folglich ist der Schuldenschnitt höchst unbeliebt.

Droht ein Lehman II?
Die Auswirkungen auf deutsche Banken wären trotzdem eher begrenzt, auch wenn Lobbyisten bereits prophylaktisch dagegen sturmlaufen. Hiesige Institute würden die Verluste schon verkraften, mal abgesehen von der Pleitebank Hypo Real Estate, die mit 7,4 Mrd. Euro in Griechenland engagiert ist.

Ob aber ohnehin gestresste spanische Banken die Abschreibungen auch so einfach wegstecken könnten, ist eine andere Frage. Und das macht das Thema so kompliziert. Jürgen Stark, Chefvolkswirt der EZB und der Panikmache unverdächtig, warnt, im schlimmsten Falle könne die Umschuldung eines Euromitglieds die Konsequenzen der Lehman-Pleite in den Schatten stellen.

Am Ende werden die Bürger leidlich solventer Eurostaaten wie Deutschland, Frankreich, Holland, Österreich und Finnland für die Schulden des Club Med geradestehen müssen. Die Frage ist nur, ob in ihrer Eigenschaft als Investor oder ihrer Eigenschaft als Steuerzahler.


Sendedaten
makro
"Europa im Stresstest"

Freitag, 27. Mai 2011, 21.30 Uhr
Thema der Sendung
© DaimlerEuropa im Stresstest
Dachten wir wirklich, die Probleme in Griechenland seien irgendwie ausgestanden? Das Land sei mit Hilfe der milliardenschweren Hilfspakete auf dem Weg der Besserung?
Schwerpunkt
Finanzkrise
Das Platzen der amerikanischen Immobilienblase brachte ein gewaltiges Kredit-Kartenhaus zum Einsturz. Die folgende Pleite der Investmentbank Lehman Brothers führte das Weltfinanzsystem an den Rand des Kollaps. Bis heute zahlen wir an den Folgen.