Freitag 21.00 Uhr
Kalender
Dezember 2017
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
27
28
29
30
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
Vorschau
Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
Navigationselement
Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
Navigationselement
© dpa Lupe
Beitrag ansehen
Das Stahlherz Europas
Die Stahlindustrie aus dem Ruhrgebiet ist abgewandert nach China. Die ganze Stahlindustrie? Nein! Tatsächlich hat sich der alte Stahlstandort Duisburg als Zentrum für Spezial- und Edelstahl einen neuen Namen gemacht. Ein Besuch bei ThyssenKrupp.
Die meisten Wohnungen in den alten Stahlarbeitervierteln Duisburgs stehen leer. Einige Straßenzüge wurden sogar bereits abgerissen. Duisburg ist noch immer Europas Stahlherz, in keiner anderen Stadt wird mehr Stahl produziert als hier, doch die Hütten brauchen längst nicht mehr so viele Arbeiter wie noch vor Jahrzehnten. Zehntausende Arbeitsplätze sind mit dem technologischen Fortschritt für immer verloren gegangen.

Duisburg leidet darunter und versucht wie viele andere Städte des Ruhrgebiets, den Strukturwandel zu überwinden. Dem ehemals maroden Innenhafen hat der britische Stararchitekt Norman Foster ein modernes Gesicht gegeben. Viele neue Unternehmen haben sich bereits im Innenhafen angesiedelt. Und mit dem größten Binnenhafen der Welt hat sich Duisburg zu einem wichtigen Logistikzentrum entwickelt.

Spezialstahl für die Autoindustrie
Lupe
Ein klarer Standortvorteil: Den größten Binnenhafen der Welt mit direkter Anbindung an den Betrieb. Das gibt es nur in Duisburg.
Und doch ist es noch immer vor allem die Stahlindustrie, welche die Stadt prägt. Drei Unternehmen produzieren in Duisburg. Deutschlands Stahlprimus ThyssenKrupp ist eines davon und betreibt hier das größte Hüttenwerk Europas. Direkt am Rhein, auf einer Fläche, die viermal so groß ist wie Monaco. Im eigenen Hafenbecken kommen die Rohstoffe an, aus denen der Stahl gefertigt wird: Eisenerz und Kohle. Die Kohle, die früher aus den Zechen des Ruhrgebiets stammte, wird heute aus Australien geliefert. Das kommt Erz aus Brasilien.

Die Rohstoffe per Schiff vom anderen Ende der Welt bis nach Duisburg zu bringen, lohnt sich für Thyssen, weil das Unternehmen wie andere europäische Stahlkonzerne eine Nische besetzt hat, die von der mächtigen Konkurrenz aus China noch nicht bedient werden kann. ThyssenKrupp stellt maßgeschneiderte Stahlprodukte her, vor allem für Europas Autoindustrie.

Doch bis ein Produkt aus Stahl fertig ist, verrichten viele der insgesamt 12.000 Beschäftigten bei ThyssenKrupp in Duisburg nach wie vor einen Knochenjob. Schmelzer, die Proben aus dem Roheisen entnehmen, nähern sich der 1500 Grad heißen glühenden Flüssigkeit bis auf wenige Zentimeter. Wenn anschließend aus Roheisen und Schrott der Stahl gekocht wird, darf keiner mehr dicht ran.

Hightech aus dem Brennofen
Lupe
Nur durch innovative Produkte kann sich Europa vom Marktführer China absetzen.
Das Ziel der Maschinenbauer im Entwicklungszentrum ist es, die Stahlkomponenten für Autos immer leichter zu machen. Dadurch lässt sich viel Co2 sparen. Der Ingenieur Oliver Hoffmann leitet das Entwicklungszentrum und ist von Stahl begeistert, vor allem von leichtem: "Die Gewichtsreduktion wird immer wichtiger und ist ein Hauptentwicklungsziel der Automobilhersteller", sagt er. "Es ist wichtig, dass wir als Stahlhersteller unsere Beiträge dazu leisten."

Im Moment ist jede Bramme Stahl, die der Ofen freigibt, auf dem Markt heiß begehrt. Das war vor zwei Jahren, während der weltweiten Wirtschaftskrise, noch ganz anders. Die Stahlnachfrage war dramatisch eingebrochen, die Abhängigkeit von der Automobilindustrie ein enormes Problem.

Das Stahlherz lebt
Lupe
Steigender Absatz: Die Stahlbranche erholt sich von der Wirtschaftskrise.
Das Ziel der Maschinenbauer im Entwicklungszentrum ist es, die Stahlkomponenten für Autos immer leichter zu machen. Dadurch lässt sich viel Co2 sparen. Der Ingenieur Oliver Hoffmann leitet das Entwicklungszentrum und ist von Stahl begeistert, vor allem von leichtem: "Die Gewichtsreduktion wird immer wichtiger und ist ein Hauptentwicklungsziel der Automobilhersteller", sagt er. "Es ist wichtig, dass wir als Stahlhersteller unsere Beiträge dazu leisten."

Im Moment ist jede Bramme Stahl, die der Ofen freigibt, auf dem Markt heiß begehrt. Das war vor zwei Jahren, während der weltweiten Wirtschaftskrise, noch ganz anders. Die Stahlnachfrage war dramatisch eingebrochen, die Abhängigkeit von der Automobilindustrie ein enormes Problem.

Sendedaten
makro
"Der Mittelpunkt Europas"

Freitag, 15. April 2011, 21.30 Uhr
Mediathek
Sehen Sie hier diesen Beitrag in unserer Mediathek.
Thema der Sendung
Der Mittelpunkt Europas
Von wegen London, Berlin, Paris! Der Mittelpunkt Europas heißt Gelnhausen-Meerholz. Ausgerechnet auf einem Acker am Rande dieser hessischen Kleinstadt haben Wissenschaftler die geographische Mitte der EU ausfindig gemacht. Doch wo schlägt das wirtschaftliche Herz des Kontinents?
Schwerpunkt
Rohstoffe
Minenkonzerne vs. Stahlkocher
Trotz der konjunkturell guten Lage und der weltweiten Rekordnachfrage nach Stahlprodukten ist das Dasein führender europäischer Stahlkonzerne wie ArcelorMittal oder ThyssenKrupp kein reines Zuckerschlecken. Zum einen rückt ihnen die asiatische Konkurrenz mit niedrigen Produktionskosten auf den Leib. Insbesondere natürlich aus China, wo heute mehr Stahl produziert wird als in irgendeinem anderen Land, aber auch der große südkoreanische Stahlkonzern Posco ringt um zusätzliche Marktanteile.

Zum anderen nagen die hohen Preise für Eisenerz, das ja der Grundstoff zur Stahlherstellung ist, an den Margen der Stahlkocher. Die eigentlichen Profiteure des weltweiten Stahlbooms sind also nicht die Produzenten, sondern die Rohstoffunternehmen: Marktführer Vale aus Brasilien, der weltgrößte Minenkonzern BHP Billiton aus Melbourne und die australisch-britische Rio Tinto.

Deren Verhandlungsposition gegenüber den Stahlkonzernen hat sich in den vergangen Jahren so weit verbessert, dass der Eisenerzpreis jetzt nicht mehr für ein ganzes Jahr im Voraus festgelegt wird, sondern sich viel kurzfristiger am aktuellen Spotpreis für 62prozentiges Eisenerz orientiert. Der kennt nur eine Richtung: nach oben. Folglich hat sich auch an der Börsen der Kurs von ThyssenKrupp in den letzten 5 Jahren kaum verbessert, der von Vale hat sich hingegen fast verdreifacht.
Chart