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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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Lupe
Europas Öl-Schlagader
Ob die Türkei zu Europa gehört, ist wohl eine Frage der Definition. Der Einfluss auf die Öltransfers ist jedoch unbestreitbar und ist beim Pokern um den EU-Beitritt ein Ass im Ärmel der Türkei.
Für viele Europäer ist die Türkei vor allem eines - ein umstrittener EU-Beitrittskandidat. Doch ausgerechnet beim hochsensiblen Thema Energie liegt die Türkei genau in der Mitte zwischen den energiehungrigen Abnehmerländern im Westen und den wichtigen Förderländern im Nahen und Mittleren Osten.

Deshalb schlägt das Herz Europas auch am Bosporus - an ihm und vor allem auf ihm. Geografisch mag die Meerenge Europa und Asien trennen, wirtschaftlich ist sie ein unverzichtbares Brückenglied zwischen den Kontinenten.

Doch wer den Bosporus passieren will, braucht vor allem eines: Geduld. Der Stau vor der Einfahrt in das Transit-Nadelöhr ist lang. Rush-Hour auf dem Wasser. Rund 150 Schiffe passieren täglich den Bosporus. Jedes fünfte ist ein Tanker. Der Bosporus ist nicht nur eine der am dichtesten befahrenen Seestraßen - er ist auch eine der gefährlichsten.

Lotse gefällig?
Lupe
Viel los am Bosporus: Ein Lotse ist den meisten Schiffen zu teuer.
Hightech-Überwachung durch eine ganze Kette von Radaranlagen entlang der Meerenge ist alles, was die Türkei zum Schutz der Schiffe und der Stadt tun kann. Verbieten kann sie Handelsschiffen die Durchfahrt durch die internationale Handelsstraße nicht. Ein Vertrag aus dem Jahr 1936 legt das fest. Und selbst ein Lotse ist nicht mehr, als ein freundliches Angebot.

Nicht jede Reederei will und kann sich die bis zu 3000 Euro für einen Lotsen leisten, der das Schiff sicher durch die 32 Kilometer lange Passage navigiert. Die ist voller unübersichtlicher Kurven, Engpässe und Strömungen und führt Mitten durch das Herz Istanbuls.

"Kandilli ist die engste Stelle des Bosporus", erklärt Lotse Ali Cömert. "Nur 698 Meter breit aber zugleich der tiefste Punkt mit 110 Metern. An der südlichen Einfahrt in den Bosporus gibt es die größte Bevölkerungs- und Verkehrsdichte. Rund 15 Millionen Menschen leben hier in Istanbul." Mit der Erschließung neuer Ölfelder im Osten werden künftig wohl noch mehr Schiffe durch das Nadelöhr drängen. Das Risiko einer Katastrophe steigt. Der Bosporus braucht dringend Entlastung.

Bypass für den Bosporus
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Öl- und Gas-Pipelines sollen die Meerenge Bosporus entlasten.
Gemeinsam mit den großen Ölmultis setzt die Türkei deshalb auf den Bau von Pipelines, um das schwarze Gold auf dem Landweg zu befördern. 50 Millionen Tonnen Rohöl aus dem Kaspischen Meer finden so bereits ihren Weg aus Baku quer durch Aserbaidschan und Georgien in den türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan. Dorthin fließt auch Öl aus dem Nordirak. Ab 2015 soll zudem die Trans-Anatolien-Pipeline russisches Öl vom Schwarzen Meer zum Mittelmeer bringen.

Um von genau diesen russischen Energielieferungen unabhängiger zu werden, umwirbt auch die EU die Türkei. Das Land an der Hintertür Europas wird plötzlich zur zentralen Energiedrehscheibe.

Die Europäer haben dabei vor allem Gas aus den Anrainerstaaten des Kaspischen Meeres im Auge. Anfang des Jahres sagte Aserbaidschan bereits Lieferungen zu, Kasachstan und Turkmenistans sollen folgen. Noch aber fehlt die dazugehörige Pipeline vom größten Gas-Terminal der Welt in Baku in den energiehungrigen Westen.

Die Hoffnung der Europäer ruht auf "Nabucco", einem ambitionierten Leitungs-Projekt, das quer durch die Türkei, über den Balkan bis nach Österreich führen soll. Eingespeist werden könnte auch Gas aus dem Iran. Bis 2015 soll zudem eine Pipeline aus dem Irak hinzukommen und auch ägyptisches Gas könnte so den Weg in den Westen finden.

Trümpfe im Energiepoker
Lupe
Die Türke ist Transitland für die Ölversorgung Europas aus dem Nahen und Mittleren Osten. In Ceyhan wird das schwarze Gold dann auf Tanker verladen.
Mittelfristig macht sich die Türkei mit diesem Netzwerk als Partner für europäische Energiesicherheit unverzichtbar. "Von 3300 Kilometern Pipeline werden gut 2000 Kilometer der Nabucco-Pipeline über türkischen Boden verlaufen", erklärt der türkische Energieminister Taner Yildiz. "Durch die Unterzeichnung des Nabucco-Protokolls spielt die Türkei bei der Energieversorgung Europas eine entscheidende Rolle. Wir sind überzeugt davon, dass die EU diese Leistung nicht außer Acht lassen wird."

Der EU-Kandidat am Bosporus könnte im eurasischen Energiepoker also zur Schlüsselnation fürs Abendland werden.

Sendedaten
makro
"Der Mittelpunkt Europas"

Freitag, 15. April 2011, 21.30 Uhr
Thema der Sendung
Der Mittelpunkt Europas
Von wegen London, Berlin, Paris! Der Mittelpunkt Europas heißt Gelnhausen-Meerholz. Ausgerechnet auf einem Acker am Rande dieser hessischen Kleinstadt haben Wissenschaftler die geographische Mitte der EU ausfindig gemacht. Doch wo schlägt das wirtschaftliche Herz des Kontinents?
Wirtschaftsdokumentation
Istanbul - Zwischen Orient und Euro-Cent
Schick, modern, globalisierungsgestählt - die Türkei der letzten Jahre ist eine Erfolgsgeschichte, mit der so niemand gerechnet hat. Ein Erfolg, der sie selbstbewusst in den Club der Europäer drängen lässt.
Schwerpunkt
Öl & Gas
Kaum ein Thema ist von derart tiefgreifender Bedeutung wie die Versorgung mit Energie. Öl ist das Blut der Weltwirtschaft. Die entscheidende Frage dabei: Wer hat die meisten Reserven. Die großen westlichen Ölkonzerne verfügen übrigens nur über rund zehn Prozent.