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Vorschau
Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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© dpa Lupe

Das Detroit des Ostens
In der Slowakei schlägt das Autoherz Europas. Nirgendwo sonst in Europa werden mehr Autos produziert. Die Politik wirbt mit Vollbeschäftigung in Bratislava, doch die Abhängigkeit von internationalen Unternehmen ist groß.
Der Deutsche Unternehmer Heinrich von Hollen betreibt in Bratislava Qualitätsmanagement für Kfz-Hersteller. Von Hollen sagt, es gebe gute Gründe in Bratislavas Automobilindustrie mitzumischen.

Standortvorteil, günstige Löhne, flaches Steuersystem, Fördergelder. Das hat vor allem die Autoindustrie, Hersteller wie Zulieferer, in die Slowakei, genauer gesagt nach Bratislava, gelockt. Nirgendwo sonst auf der Welt werden - gemessen an der Einwohnerzahl - mehr Autos hergestellt. Bratislava hat das den Beinamen "Detroit des Ostens" eingebracht.

Schlaraffenland der Autobauer
Volkswagen ist bereits seit 1991 vor Ort. Kia, Hyundai, Peugeot, Citroën, sie alle produzieren rund um Bratislava. Von ausländischen Investoren wird die Stadt auch wegen der kostengünstigen Arbeitskräfte geschätzt. Der durchschnittliche Monatslohn eines Arbeiters liegt bei etwa 700 Euro.

Lupe
Nicht nur Volkswagen produziert hier kostengünstig.
Bei Volkswagen laufen der VW Touareg, der Porsche Cayenne und der Audi Q7 vom Band. Für VW ist die Slowakei keineswegs ein Billigstandort, wie der Pressesprecher von VW Bratislava, Vladimir Machalik, bestätigt.

"Natürlich sind auch die Bedingungen für die Autoindustrie in der Slowakei sehr gut. Die Lage ist gut, es gibt hier qualifiziertes Personal. Aber auch die Gesetze sind positiv für uns. Gerade entsteht ein neues Arbeitsgesetz, das uns noch mehr Flexibilität bei der Beschäftigung ermöglicht", erklärt Machalik. In Zukunft wird das wohl bedeuten, dass sich die slowakische Politik weiterhin ganz auf die Wünsche der Wirtschaft einstellen wird.

Vollbeschäftigung rund um Bratislava
Jaromyr Nestina aus der Türenmontage, arbeitet seit neun Jahren bei VW und ist stolz hochwertige Autos mitzubauen. "Wir in Bratislava profitieren natürlich sehr von der Autoindustrie, vor allem von den sicheren Arbeitsplätzen. Die Leute haben Arbeit und wir lernen neue Technologien kennen, dürfen ganze Autos bauen, das ist sehr gut", sagt er.

Lupe
Angestellter Jaromyr Nestina freut sich über die Anwesendheit der Autobauer.
Doch es sind keine slowakischen Automarken, sondern die von Deutschen, Franzosen und Japanern. Fast 100.000 Slowaken arbeiten in der Autoindustrie. Für den Wirtschaftsraum rund um Bratislava wurde zweitweise sogar Vollbeschäftigung diagnostiziert.

Die Menschen aus Bratislava schätzen die Anwesendheit der großen Unternehmen. Barbora Ticha erklärt uns, dass viele ihrer Bekannten froh seien, dass es in Bratislava so viele Arbeitsangebote gibt. Die Arbeitslosigkeit wurde durch die Automobilindustrie nahezu beseitigt. Ein Freund von Barbora Ticha arbeitet bei VW und obwohl es drei Schichten gibt, ist er mit seiner Stelle zufrieden, denn die Bezahlung ist gut.

Gefährliche Monokultur
Juraj Hubert sieht den Aufschwung der Slowakei eher kritisch. "In Bratislava haben die Leute sicherlich das Gefühl, ihre Arbeitsplätze seien sicher. Aber weiter weg von der Stadt gibt es das Gefühl nicht mehr", erklärt er. "Richtung Osten wird es sehr problematisch. Der Durchschnittslohn im Rest der Slowakei liegt bei vielleicht 300 Euro, das ist unheimlich wenig."

Lupe
Auf Dauer gefährlich: Die Slowakei baut allein auf die Automobilindustrie
Dass man anfällig wird, wenn eine ganze Region nur auf Autobau setzt, quasi Monokultur betreibt, hat den Slowaken gerade die Wirtschaftskrise bewiesen. Bratislavas Wachstumsmotor Autoindustrie kann in Krisenzeiten schnell zur Falle werden, kritisieren Wirtschaftsexperten.

"Ja, das ist ein Fehler, am Anfang ging es uns gut damit, aber wir hätten schon längst auch auf andere Wirtschaftszweige setzen sollen. Sich darauf zu verlassen, dass uns die Automobilindustrie auch die nächsten zehn Jahre über Wasser hält, ist nicht gut. Die Politik verschließt davor immer noch die Augen", warnt Peter Stanek, Wirtschaftsexperte an der Slowakischen Akademie der Wissenschaft.

Bildung, Bildung, Bildung
Lupe
Diversifizierung durch Bildung: Die Slowakei muss investieren.
Die Politik sollte nicht nur auf Unternehmen setzen, sie muss auch in ihre Menschen investieren, die Bildung nicht vergessen. Gut geschulte Arbeitskräfte seien mittlerweile Mangelware in der Slowakei warnt Unternehmer von Hollen.

Es gibt viele Vor- und Nachteile einer einseitigen Wirtschaftsstruktur. Prognosen sagen der slowakischen Wirtschaft zwar auch im laufenden Krisenjahr Wachstum voraus. Die größte Herausforderung dürfte jedoch sein, sich in Zukunft von der Autoindustrie unabhängig zu machen.

Sendedaten
makro
"Der Mittelpunkt Europas"

Freitag, 15. April 2011, 21.30 Uhr
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Thema der Sendung
Der Mittelpunkt Europas
Von wegen London, Berlin, Paris! Der Mittelpunkt Europas heißt Gelnhausen-Meerholz. Ausgerechnet auf einem Acker am Rande dieser hessischen Kleinstadt haben Wissenschaftler die geographische Mitte der EU ausfindig gemacht. Doch wo schlägt das wirtschaftliche Herz des Kontinents?
Schwerpunkt
Auto