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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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Lupe
Sehen Sie den Börsenbericht aus Frankfurt und das Interview mit Bernhard Klinzing in unserer Mediathek.
Wie bekommen wir die Kuh vom Eis?
Von allen Refinanzierungsoptionen ist für Bernhard Klinzing vom Frankfurter Börsenbrief eine Verlängerung der Laufzeiten griechischer Anleihen die vernünftigste. Das Risiko trügen diejenigen, die es sich eingekauft haben - nicht die Steuerzahler.
Es geht um 300 Mrd. Euro Schulden.

Wie wahrscheinlich ist ein Zahlungsausfall? Argentinien 2001 ist nur ein Beispiel von vielen. In der Wirtschaftsgeschichte ist ein solcher Staatsbankrott kein seltenes Ereignis, wenngleich in der jüngeren Geschichte immer weniger zu finden.

Variante 1: Austritt aus der Eurozone
Ein Rausschmiss aus der Euro-Zone sei zunächst einmal kein Thema, sagt Klinzing, weil das wegen des Artikels 50 der Lissabonner Verträge nicht geht. Die Frage ist, ob das ein Hindernis darstellt. Derzeit wird ja auch über einen offenen Vertragsbruch durch Beihilfen diskutiert. Würde Griechenland aus dem Euro ausscheiden, würde die Drahme, oder was auch immer dann die Währung sein könnte, sofort rapide abwerten.

Bedenkenswert dabei: Über diesen Weg haben sich die Tigerstaaten nach der Asienkrise 1997 wieder saniert. Verbunden waren die Maßnahmen mit einem Runterfahren der Neuverschuldung, aber auch der staatlichen Gesamtverschuldung. Der Blick auf Staaten wie Korea oder Thailand zeigt den Erfolg solcher Maßnehmen. Aber: Die Schulden Griechenlands sind in Euro denominiert. Bei einem Verlassen der Eurozone wären diese Last noch schwerer zu tragen.

Auf der anderen Seite erlebte Griechenland vor der Einführung des Euros Mitte der 90er Jahre noch eine viel prekärere Verschuldungskrise, so Klinzing. Damals schaffte man es mit der Zeit aus eigener Kraft, die Finanzlage zu verbessern. Damals konnte allerdings noch mit einer Abwertung der Währung gearbeitet werden.

Variante 2: Brüssel regiert in Athen
Unter den Staatschefs intensiv diskutiert wird auch die „Hypo-Real-Estate-Lösung“, d.h. eine „Europäisierung“ Griechenlands. Die Staaten der EU würden alle Verbindlichkeiten übernehmen, das Land auch in den nächsten drei Jahren finanzieren und es so von den Kapitalmärkten abschotten. Mit einem rigiden Sparprogramm könnte sich Griechenland dann neu aufstellen und gesund wieder entlassen werden.

Das ist natürlich eine schöne Theorie. Schon das Beispiel staatlich geführter Unternehmen jedoch zeigt, dass in solchen Fällen die Effizienz eher ab- als zunimmt. Es sei schwer vorstellbar, dass Griechenland einen solch gewaltigen Eingriff in die eigene Souveränität mitmachen würde, der der Preis für die Rettung wäre.

Variante 3: Der "Haircut"
Dann gibt es noch die Idee des „haircut“. Das heißt: Entweder werden die Konditionen der Bonds verändert (Laufzeit, Zinssatz) oder die Schulden brauchen nur zu einem Bruchteil zurückbezahlt werden. Wie sähe das beispielsweise bei einer Halbierung aus? Wenn wir die bisherigen Kursabschläge einrechnen, bedeutet das einen Wertverlust für die Bondinvestoren von 50 Mrd. Euro. Der Steuerzahler müsste 100 Mrd. Euro tragen. Eine solche Lösung vereint ein ganzes Bündel von Nachteilen miteinander, sagt Klinzing.

  • A) Es gibt einen falschen Anreiz. Bestraft wären die Länder mit eiserner Haushaltsdisziplin. Der Eindruck entsteht, dass wer am meisten betrügt, wer die Steuerdisziplin am wenigsten fördert und am wenigsten gegen die Korruption vorgeht, die größte Belohnung erhält.
  • B) Noch weniger Anleger wären bereit, Anleihen zu zeichnen. Damit würde das Kapital fehlen, um Staaten bei der Stange zu halten. Der Steuerzahler allein kann das nicht aufbringen. Als Folge würden die Zinsen noch stärker in die Höhe schnellen und diejenigen belasten, die ehrlich wirtschaften. Klinzing beziffert die Belastung auf mindestens 1,15 Bio Euro. Das kann weder Deutschland noch die ganze EU tragen.

Schwächerer Euro hilft den Griechen
Ein wichtiger Effekt über kurz oder lang ist die Abwertung des Euro im internationalen Vergleich. Dieser Prozess ist längst im Gange. In der Vergangenheit war dies bei fast allen Entschuldungen zusammen mit der Inflation der wichtigste Effekt. Um die werden wir nicht herumkommen, erwartet Klinzing, weil eine stark steigende Geldmenge einer konstanten Gütermenge gegenüber steht. Der Nachteil: Dies ist kein Prozess, der sich irgendwie steuern lässt. Nichtsdestoweniger geht der Frankfurter Börsenbrief mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit vom Eintritt dieses Szenarios aus.

Klinzings Favorite: Verlängerung der Laufzeiten
Bernhard Klinzing hält eine Verlängerung der Laufzeiten griechischer Bonds für die beste Lösung. Warum?

  • Es gäbe keinen Verzicht auf die nominale Auszahlung.
  • Die griechische Regierung wäre weiterhin zur Disziplin aufgerufen, weil sie die Zinsen ja weiterhin bedienen und über kurz oder lang auch tilgen muss.
  • Gleichzeitig muss Griechenland nicht die jetzigen hohen Refinanzierungssätze tragen, sondern die Zinslast ist so hoch wie vor der Krise. Wenn in drei bis vier Jahren der Aufschwung ein fortgeschritteneres Stadium erreicht hat oder die Inflation die Staatseinnahmen erhöht, fiele die Bedienung der Schulden sicherlich leichter. Was wäre die Alternative? Wenn die Staaten jetzt zu aktuellen Zinsen mit Hilfen einsprängen, müsste Griechenland bereits im übernächsten Jahr 38% der Steuereinnahmen oder 22% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für Zinszahlungen aufwenden, rechnet Klinzing vor. Aus dieser Belastung scheint eine Gesundung aus eigener Kraft unmöglich und würde die Situation sogar verschärfen.
  • Eine solche Maßnahme würde den Steuerzahler kein Geld kosten, der ohnehin für alle Krisen bisher die Melkkuh abgegeben hat.
  • Die Kurse der Bonds würden sofort steigen. Der Spekulation wird der Wind aus den Segeln genommen.
  • Da die Bonds auch über die Märkte zu verkaufen sind, könnten dann auch diejenigen verkaufen, die mit dem Kapital arbeiten müssen und es zur Fälligkeit zurückerwartet hatten. Sie hätten bessere Konditionen als bei der jetzigen Bewertung oder bei einem Ausfall oder einem Moratorium oder einem Haircut.
  • Es wäre im Vergleich zur Manipulation der Kupons der geringere Eingriff in die Märkte.
  • Das Risiko tragen diejenigen, die es sich eingekauft haben.

Es sei natürlich keine optimale Lösung. Aber die gibt es nicht, stellt Klinzing fest. Es sei vielmehr die Lösung mit den wenigsten Nachteilen. Die Frage ist, woher Griechenland zusätzliches Geld bekommen soll für seine Aufgaben. Aber diese Frage stellt sich bei jedem Lösungsversuch.

Sendedaten
3satbörse
"Kunststoffe - Fluch und Segen"

Freitag, 30. April 2010
21.30 Uhr

Wiederholung
Samstag, 1. Mai, 6.30 Uhr
Schwerpunkt
Finanzkrise
Studiogast
LupeBernhard Klinzing,
Frankfurter Börsenbrief
Mediathek
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Der "schwache" Euro
Es ist zur Zeit viel von der schwäche des Euro die Rede. Das ist auch nicht ganz verkehrt, bedarf aber der nüchternen Einordnung. Zur Einführung des Euro am 1. Januar 1999 stand er bei 1,17 USD. In den folgenden Jahren ist er zunächst bis auf rund 0,85 USD gefallen. Der Grund: Die angelsächsisch dominierten Finanzmärkte hatten kein Vertrauen in die europäische Währungsunion. Doch ab 2002 kannte der Euro nur noch eine Richtung: nach oben. Den bisherigen Höchststand erreichte die Gemeinschaftswährung im Frühjahr 2008 bei knapp 1,60 USD. Seither hat er wieder nachgegeben. Bei einem aktuellen Stand von 1,33 USD notiert er rund 15% unter seinem Hoch und knapp 60% über seinem Tief.
Chart
Thema der Sendung
Kunststoffe - Fluch und Segen