Freitag 21.00 Uhr
Kalender
Oktober 2017
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
25
26
27
28
29
30
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
11
1213
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
01
02
03
04
05
Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
Navigationselement
Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
Navigationselement
Lupe
Blut-Rubine
Rubine gelten als die Könige der Edelsteine. Wer sich aber einen Ring oder eine Kette mit einem Rubin kauft, hat damit sehr wahrscheinlich einen Blut-Rubin am Hals. Denn 90 Prozent dieser Steine stammen aus dem von einer Militärjunta kujonierten Myanmar, dem früheren Burma. Nach Öl und Gas sind Edelsteine das drittwichtigste Exportgut des Landes.
Die Shwedagon-Pagode in Rangoon ist der heiligste Ort Myanmars, die Seele des Landes. 60 Tonnen pures Gold verzieren die Tempel-Dächer - Zeichen für Myanmars natürlichen Reichtum: Erdgas, Teakholz, Kupfer – und: Edelsteine.

Ein paar hundert Kilometer von Rangoon entfernt, an der Grenze zu China, liegen sie in der Erde: Rubine! Mogok ist eine der ältesten Rubinminen der Erde, vielleicht die weltbeste Rubinader überhaupt. Die Gegend ist berühmt für ihre einmalig schönen Steine. Seit hunderten von Jahren werden die Steine hier schon aus der Erde gebuddelt.

Díe Shwe Pi Ay Mine ist eine von sechs großen staatlichen Minen hier. Der Eingang ist schwer bewacht. Unter Tage ist es eng und heiß. Mit den bloßen Händen wühlen die Arbeiter im Dreck. Die Malocherei ist lebensgefährlich. Zwangsarbeitsdienste, Kinderarbeit, Umweltzerstörung und höchst unsichere Arbeitsbedingungen gaben den Steinen aus Myanmar ihren Spitznamen: Blutrubine. Per Waschwippe werden die Edelsteine von Sand und Kies getrennt, dann von Hand verlesen und sortiert. Es ist die einmalige, taubenblutrote Farbe, für die Mogoks Rubine weltberühmt sind.

In fester Hand
Während in der Mine Kostbarkeiten sortiert werden, warten draußen die Zaungäste darauf, im Minenabfall nach den Resten suchen zu dürfen. Im roten Schlamm waschen sie ein letztes Mal Sand und Kies. Ganze Familien buddeln in der Brühe nach kleinen Steinen, die in der Waschanlage übersehen wurden. Das ist illegal – doch es wird stillschweigend geduldet, so lange alle vor den Soldaten kuschen.

In Myanmar gibt es zwei Arten von Minen: Sie gehören zum Teil der Militärregierung und werden durch staatliche Unternehmen abgebaut. Die anderen werden von der Regierung in Joint Venture an Privatleute vergeben. Wer eine Privatmine betreiben will, braucht eine Lizenz von der Regierung. Die aber gibt es nur für einen engen Zeitraum. Bei guten Funden steigt die Lizenzgebühr in der nächsten Pachtperiode. Die Pächter wechseln - die Minen bleiben fest in Hand des Militärs.

Juwelen der Junta
So oder so: Nur die wenigsten Burmesen bekommen vom Reichtum ihres Landes etwas ab. Das Durchschnittseinkommen liegt bei knapp über 300 Dollar im Jahr. Myanmars Lebensstandard liegt weit unter dem seiner Nachbarn. Es gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Nur dem Militär geht es bestens.

Der Erlös aus den Minen fließt direkt in die Kassen der Junta. Myanmars Machthaber plündern das Volk aus. Der Rubinhandel dient ihnen dazu, Schwarzgeld zu waschen und Devisen für Waffenkäufe zu erlangen. Ranghohe Offiziere arrangieren immer wieder auch Privatverkäufe. Mehrere hundert Millionen Dollar fließen jedes Jahr allein aus dem Rubinhandel.

Chinesen, Inder und Thais sind Großabnehmer des Regimes. Vor allem die Chinesen stützen die Junta, um sich ihren wachsenden Einfluss im Nachbarland zu sichern. Das Vermögen der Militärs wird auf mehrere Milliarden Euro geschätzt.

Handel durch die Hintertür
Überdies werden die meisten Rubine in Bangkok weiter verarbeitet. Die thailändische Hauptstadt ist Drehscheibe des internationalen Rubinhandels. Zwar gibt es einen Handelsstopp gegen die „Blutrubine“ aus Myanmar, doch das gilt nicht für Steine aus Thailand –so wird das Embargo umgangen. Die Steine aus Mogok finden so ihren Weg auch in westliche Schmuckschatullen. Von dem Erlös aus Rubinen und anderen Rohstoffen leisteten sich die Militärs vor 5 Jahren Naypyidaw: eine neue Hauptstadt, im Hinterland, auf dem Reißbrett entworfen und praktisch menschenleer.

Die Junta sitzt trotz der Unruhen vor zwei Jahren wieder fest im Sattel. Zugeständnisse ans Volk gibt es nicht. Unter Staatschef Than Shwe wurde die Heeresstärke verdoppelt. Das Militär beherrscht das Land seit Jahrzehnten mit eiserner Faust. Es herrscht Pressezensur. Burmas prominenteste Regimekritikerin Aug San Suu Khi steht seit Jahren unter Hausarrest.

Ein Grund für die Repressionen: Immer wieder erheben sich Minderheiten wie die christlichen Karen oder die Shan gegen die Zentralmacht. Myanmar ist ein Vielvölkerstaat, und nur das Militär hält ihn zusammen. In diesem Jahr hat die Junta dem Land Wahlen verordnet. Doch so lange westliche Handels-Devisen und chinesische Militärhilfe die Junta stützen, wird sich an den Machtverhältnissen in Myanmar wohl wenig ändern.

Sendedaten
3satbörse
"Südostasien"

Freitag, 5. Februar 2010
21.30 Uhr

Wiederholung
Samstag, 6. Februar, 6.30 Uhr

Wiederholung im ZDF
in der Nacht zum Samstag
Thema der Sendung
Südostasien
Schwerpunkt
© Diliff, GNU FDL, CC-BY-3.0Emerging Markets Asien