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Vorschau
Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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Maritime Wirtschaft: Offshore Wind
Die deutsche Windindustrie steht vor dem Aufbruch auf hohe See. 30 bis 40 Kilometer vor der Küste sollen riesigen Windparks entstehen. Bis 2020 verspricht die Windlobby, hierzulande 25 Prozent des Strombedarfs von Offshore-Windkraftanlagen produziert zu lassen. Zur Zeit hat die Windkraft einen Anteil von 7 Prozent.
Drehen am ganz großen Rad
Horns Riff vor der dänischen Nordseeküste ist der größte Offshore-Windpark der Welt. Bereits seit sechs Jahren liefern hier Windturbinen in Küstennähe Strom. 100 solcher Windparks gibt es vor Skandinavien im Meer. Eigentümer von Horns Riff ist der schwedische Energiekonzern Vattenfall.

„Wir sehen in der Windkraft einen bedeutenden Baustein des zukünftigen Energiemix“, erläutert Hans von Uthmann, Vorstand von Vattenfall. „Windkraft wird eine Rolle dabei spielen. Wir haben auch sehr starke wirtschaftliche Motive – Investitionen, die eine Rendite bringen. Aufgrund der Befürwortung der Windkraft durch Kunden und durch die Gesellschaft allgemein.“

Aufbruch auf hoher See
In Deutschland stehen Windräder bisher nur auf dem Land. Das aber ändert sich bald. 30 Windparks sollen in der Nord- und Ostsee entstehen. Mehr als die Hälfte sind bereits genehmigt. Die Investitionen summieren sich auf 25 Milliarden Euro. 2010 geht mit Alpha Ventus der erste kommerzielle Offshore-Windpark in der deutschen Nordsee ans Netz. Windräder so hoch wie der Kölner Dom mit einer Getriebegondel so groß wie ein Einfamilienhaus.

Im Vergleich zu Skandinavien ist Deutschland jedoch spät dran. „Bei unseren Nachbarn stehen die Windparks sehr dicht vor der Küste“, sagt Albrecht Tiedemann von der Deutschen Energie-Agentur. „Das ist bei uns aus Umwelt- und Naturschutzgründen nicht möglich. D.h. wir müssen 30 Kilometer hinausgehen ins Meer. Und dafür braucht man große, leistungsfähige Anlagen. Die waren vor einigen Jahren in Serienreife noch nicht verfügbar.“

Unwucht aus Indien
Die börsennotierte Repower baut in Husum die größten Offshore-Windräder. Ihr Aktienkurs war während der letzten Jahre ein Spiegelbild des Windkraftbooms. Zuletzt aber führten Gerüchte über Finanzsorgen beim Großaktionär Suzlon, der Nummer 4 auf dem Markt der Windradbauer, zu heftigen Turbulenzen. Das indische Unternehmen besitzt bereits heute 66% der Anteile, verfügt jedoch nach einem Abkommen mit dem spanischen Baukonzern Martifer zusätzlich über die Stimmrechte dieses 23%-Paketes. Zusammen macht das 89% der Stimmrechte. Um sich diese Mehrheit dauerhaft zu sichern, möchte Suzlon eine Kaufoption auf das Martifer-Paket wahrnehmen.

Die Finanzierung ist jedoch fraglich. Suzlons Versuch, per Kapitalerhöhung die nötigen Finanzmittel aufzutreiben, ist kürzlich gescheitert. Das ließ dann auch den Kurs von Repower einbrechen. Perspektivisch möchte sich Suzlon den deutschen Windradbauer komplett einverleiben, denn nur so kommt man an dessen Technologie. Die brauchen die Inder dringend, denn die Suzlon-Turbinen gelten als qualitativ minderwertig. Mit Repower verschwände ein Aushängeschild deutscher Ingenieurskunst vom Kurszettel.

Technologieführer in Wachstumsbranche
Deutschlands Windkraftfirmen sind weltweit Technologieführer - eine Wachstumsbranche im Aufwind. „Dieses Jahr stellen wir im Durchschnitt jeden Tag einen Mitarbeiter ein“, sagt Per Hornung Pedersen, Vorstandschef von Repower Systems. „Zwei Drittel von denen werden in Deutschland eingestellt.“ Die Windkraft als Jobmotor. Die Zahl der Arbeitsplätze stieg rasant an. In Deutschland leben direkt von der Windenergie. schon fast 100.000 Menschen.

Umweltschützer begrüßen die klimafreundliche Windenergie, warnen allerdings auch vor negativen Folgen für Zugvögel und Meerestiere. Auf Helgoland wurden Robben in einem mehrjährigen Forschungsprojekt beobachtet, wo und wann sie ihre Nahrung suchen. „Kritisch könnte es werden, wenn sehr viele Windparks gebaut werden und die Tiere dann von ihren Nahrungsgebieten verdrängt werden“, warnt dann auch Dieter Adelung vom Institut Geomar in Kiel.

Teure Wartung
Beim skandinawischen Windpark Horns Riff, 15 Kilometer vor der dänischen Küste, stören sich Umweltschützer vor allem am verbauten Horizont. In Deutschland bei der Mindestentfernung von 30 Kilometern kein Problem. Dafür dürften sich Wartungsarbeiten schwieriger gestalten. Um Ausfallzeiten in Grenzen zu halten, sind in Horns Riff ständig 12 Monteure im Einsatz. Die rauhe See und das Meerwasser beanspruchen Material und Technik enorm. Bei zu hohem Wellengang müssen sich die Wartungsarbeiter vom Hubschrauber abseilen.

Windenergie soll in Zukunft fossile Brennstoffe in der Stromerzeugung immer mehr ersetzen. Ob aber die subventionierten Windparks angesichts des hohen Ausfallrisikos und der immensen Baukosten jemals wirtschaftlich arbeiten, das muss sich erst noch herausstellen.

Sendedaten
3satbörse 14. November 2008 um 21.30 Uhr
Thema der Sendung
Geschäfte auf hoher See
Aktie
Repower Systems AG
ISIN: DE0006177033
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