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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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Lupe
Von der Fischverkäuferin zur Fischereiministerin: Susi Pudjiastuti.
Bomben-Susi
Indonesiens Fischereiministerin greift durch
Indonesien hat die zweitlängste Küste der Erde und gewaltige Fischgründe. Doch das Geschäft mit Hummer und Krabben machen bislang andere. Die neue Fischereiministerin Susi Pudjiastuti will das ändern - mit Dynamit.
Sie ist Schulabbrecherin, Kettenraucherin, tätowiert und vielleicht die populärste Frau des Landes. Vor gut einem Jahr berief Joko Widodo, der neugewählte Präsident Indonesiens, Susi Pudjiastuti zur Fischereiministerin. Die erste Frau in dieser Position seit dem Ende der niederländischen Kolonialzeit vor 70 Jahren.

Und das quirlige Energiebündel legte los: Im Zentrum ihrer Politik steht der Kampf gegen die Plünderung der fischreichen Gewässer des Landes durch ausländische Fangflotten. Die Regierung beziffert den Schaden durch den tagtäglichen Fischraub auf 24 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Vor allem China, Malaysia, Thailand und Vietnam werden hinter den Beutezügen vermutet. Die einheimischen Fischer dagegen verarmen.

© ap Lupe
Susi Pudjiastuti greift hart durch. Den Kapitän dieses thailändischen Schiffes, das 2014 unbefugt in indonesischen Gewässern fischte, hat sie inhaftieren lassen.
Indonesien muss wieder eine maritime Wirtschaftsmacht werden, ist das Credo der 50-jährigen Ministerin. Und hierfür fährt Susi Pudjiastuti einen eisernen Kurs: Ausländische illegale Trawler werden von den indonesischen Behörden aufgebracht und medienwirksam gesprengt. Ohne Besatzung, versteht sich. Die Maßnahme sei vor allem günstig, sie koste den Staat nur ein bisschen Dynamit, sagt die Ministerin kühl. Mit der Rambo-Justiz hat sich Pudjiastuti den Titel als "Bomben-Susi" eingehandelt. Zugleich ist sie zum populären Polit-Star der indonesischen Regierung aufgestiegen.

Manöver mit politischer Sprengkraft
Doch sei der rigorose Kurs ein Spiel mit dem Feuer, fürchten Experten der School of International Studies in Singapur: Schiffe aus Vietnam oder Thailand zu sprengen sei das eine. China hingegen werde ein solches Polit-Manöver wohl kaum unbeantwortet lassen. Und was dann? Und auch mancher daheim sieht in Susis Schiffe-Versenken-Strategie eher politisches Theater. "Wir brauchen bessere Netze, bessere Ausbildung, bessere Kühllager."
Doch auch den heimischen Fischern liest Pudjiastuti die Leviten. Die versuchen sich über Wasser zu halten, in dem sie etwa mit engmaschigeren Netzen die ihnen verbliebenen Reste abfischen. Verständlich, sagt Bomben-Susi, trotzdem ein No-Go. Das sei weder nachhaltig gedacht noch umweltverträglich.

Damit hält Pudjiastuti als Politikerin den Kurs, den sie bereits als Unternehmerin verfolgte. Die Schule musste die junge Frau einst auf Druck des Suharto-Regimes wegen ihres politischen Engagements abbrechen. Danach schlug sie sich zunächst als Fischhändlerin durch, gründete 1996 ein Unternehmen zur Fischverarbeitung. Um den Transport des Frisch-Fisch zu beschleunigen, steigen seit 2004 ihre eigenen Flugzeuge auf. Der Name der Fluglinie, die sie gemeinsam mit ihrem deutschen Mann gründete: "Susi Air". Damit konnte sie den schwimmenden Fischräubern Paroli bieten und Hummer, Garnelen und Krebse schneller in Hongkong, Tokio und Schanghai liefern als diese.

Eine Frau mit Ideen und Visionen
© ap Lupe
Die Ministerin will ihre Landsleute von einem nachhaltigen Umgang mit der Fischerei überzeugen.
Der Wirbelwind aus West-Java setzte dabei auf die kleinen lokalen Fischer als Lieferanten. Und auf deren Einsicht: "Ich will, dass ihr aufhört, mit Zyankali zu fischen, und auch dass ihr keine Langusten während der Laichzeit fangt", predigte sie. Das zerstöre langfristig die eigenen Lebensgrundlagen (Spiegel, 19.11.2007). Sie förderte laut Spiegel zugleich den Zusammenschluss von Fischern zu Genossenschaften und kaufte denjenigen ein Boot, die sich zu unweltverträglichen Fangmethoden verpflichteten. Was als unternehmerisches Konzept motivierte, soll nun auch als wirtschaftspolitisches Programm Erfolg bringen. Vor ihrer Ernennung zur Ministerin legte sie die Führungsaufgaben in ihren Unternehmen nieder. Ihre Ideen aber hat sie hingegen ins neue Amt mitgenommen.

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