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Vorschau
Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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© ap Lupe
In Zukunft könnte der Iran auch wieder mit Öl und Gas handeln.
Im Iran geht wieder was
Atomdeal lässt deutsche Wirtschaft hoffen
Das Ende der Wirtschaftssanktionen gegen den Iran ist nah. Deutsche Unternehmen wünschen sich eine Neuauflage der einst guten Handelsbeziehungen, die ihnen Milliarden einbringen könnte.
Der Iran war bis in die 70er Jahre das zweitwichtigste Exportland für Deutschland außerhalb Europas. Umgekehrt exportierte der Ölstaat nirgendwohin so viele Waren wie in die Bundesrepublik. Mit Verhängung der Sanktionen wegen der Atompolitik des Iran änderte sich dies 2006 grundlegend. Jetzt sollen die Sanktionen aufgehoben werden. Die deutsche Wirtschaft freut sich über das Abkommen und rechnet mit milliardenschweren Aufträgen.

Nach Ansicht des Vizepräsidenten des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) Klaus Olbricht, werden deutsche Unternehmen vom Abbau der Sanktionen gegen den Iran profitieren. "Das Land hat einen riesigen Nachholbedarf, viele Produktionsanlagen sind veraltet und müssen erneuert oder neu errichtet werden. Das erfordert Milliarden-Investitionen. Hier eröffnen sich auch für deutsche Unternehmen große Absatzchancen", meint Olbricht. Der DIHK erwartet, dass sich die deutschen Exporte in den Iran binnen vier Jahren von 2,39 Milliarden im vergangenen Jahr auf zehn Milliarden Euro mehr als vervierfachen könnten.

© dpa Lupe
Deutsche Technologie genießt im Iran einen hervorragenden Ruf.
Besonders im Maschinenbau, in der Medizintechnik sowie in der Energie- und Umwelttechnik könnten deutsche Unternehmen im Iran punkten. Chemie-Giganten wie BASF stehen ebenfalls in den Startlöchern. Aber auch als Konsumenten sind die 80 Milliarden Iraner für deutsche Hersteller interessant. Automobilkonzerne wie Daimler errechnen sich gute Marktchancen. Denn deutsche Waren sind dort traditionell sehr begehrt.

Auch ein weiterer Effekt des Deals kann der deutschen Wirtschaft nur Recht sein: Der Ölpreis dürfte sich durch das Abkommen weiter nach unten bewegen. Denn das iranische Öl wird nach Ende der Sanktionen wieder frei verkäuflich sein und das Angebot auf dem Weltmarkt erhöhen. Dazu muss der Iran allerdings die Infrastruktur zur Exploration seiner Ölvorkommen modernisieren – auch das könnte zu einem äußerst lukrativen Geschäft für westliche Technologie-Firmen werden. Iranische Stellen bezifferten die nötigen Investitionen jüngst auf etwa 185 Mrd. US Dollar (ca. 167 Mrd. Euro).

Wirtschaft hofft auf politische Unterstützung
Noch allerdings ist es nicht so weit. Erst Anfang 2016 können die Wirtschaftssanktionen nach zehn Jahren gelockert werden, sollten die Verträge ratifiziert werden. Vor allem müssen bis dahin noch wichtige Finanzfragen geklärt werden. Der Iran ist vom internationalen Kapitalverkehr noch abgeschnitten. Deutsche Exporte dürfen nicht durch staatliche Hermes-Bürgschaften abgesichert werden. Und deutsche Banken weigern sich bislang wegen der Sanktions-Risiken, größere Projekte im Iran zu finanzieren. Grund sind kostspielige Geldstrafen aus der Vergangenheit wegen Sanktionsverstößen und Geldwäsche-Vorwürfen. Die Commerzbank musste bereits nach einem Rechtsstreit mit den US-Behörden 1,5 Milliarden Dollar Strafe zahlen. Bei der Deutschen Bank laufen die Streitigkeiten noch. Die deutsche Wirtschaft hofft nun auf Unterstützung durch die Politik, um die Finanzprobleme aus der Welt zu schaffen und nicht ins Hintertreffen zu geraten.

© ap Lupe
Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel will die Tür für deutsche Exporte öffnen.
Denn die Deutschen waren zwar fünf Tage nach der Einigung die ersten Handelsreisenden, doch auch Franzosen und Italiener entsandten bereits Wirtschaftsdelegationen in den Iran. Und auch andere europäische Staaten beeilen sich, mit den Ajatollahs ins Geschäft zu kommen. Für sie ist es die Chance, lange gepflegte guter Geschäftsbeziehungen mit dem Land wieder aufleben zu lassen, die auch zu Zeiten des Embargos nie ganz einschliefen. Noch 2011, kurz vor Verschärfung der Sanktionen auf ihr heutiges Niveau, importierte die EU Waren im Wert von 17 Mrd. Euros aus dem Iran - die Exporte lagen bei 10,5 Mrd. Beide Seiten sind an der Aufhebung der Sanktionen höchst interessiert. Erste Geschäfte mit dem Westen kündigte der Gottesstaat umgehend an: So plant der Iran den Kauf von bis zu 90 Flugzeugen nach Aufhebung der Wirtschaftssanktionen - ein erster Schritt, die veraltete Flotte des Landes zu erneuern.

USA bleiben kritisch
Nur die Amerikaner halten sich noch merklich zurück. Der Nuklear-Deal ändert nichts an Washingtons Überzeugung, dass der iranische Staat den weltweiten Terror unterstützt und Menschenrechte mit Füßen tritt. Deshalb bestand die Obama-Regierung vehement auf einer schrittweisen Lockerung der Sanktionen - und Klauseln, die automatisch zur Wiedereinführung der Sanktionen führen, sollte sich der Iran nicht an die Auflagen des Abkommens halten ("Snapback provision"). Dann allerdings dürfte es für die vorgepreschten Europäer schwierig werden - bereits im Land getätigte Investitionen, etwa in die Infrastruktur, würden wohl zum Verlustgeschäft.

Das aber birgt Gefahren für den Schulterschluss des Westens: Denn die Europäer werden aufgrund ihrer Investitionen in dem Wüstenstaat von einer Wiedereinsetzung der Sanktionen nicht begeistert sein, während die Amerikaner eine harte Linie verfolgen werden. Harte Auseinandersetzungen mit handfesten geschäftlichen und politischen Differenzen sind in diesem Fall in der westlichen Allianz unausweichlich.

Artikel
Hintergründe zum Atomabkommen
Dem Iran ist es in zähen Verhandlungen gelungen, am 14. Juli 2015 einen Atom-Deal mit den fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates, der EU und Deutschland auszuhandeln. Die zwölf Jahre dauernde internationale Krise scheint damit vorerst beigelegt, das Ende der westlichen Sanktionen gegen den Iran greifbar nahe.
Info
Der UN-Sicherheitsrat hatte im Dezember 2006 Wirtschafts- und Handelssanktionen gegen Teheran verhängt, die über die Jahre mehrmals verschärft wurden.

Die USA und die EU beschlossen später zusätzliche eigene Sanktionen, die wiederholt strenger gefasst wurden. Zu den EU-Sanktionen gehören unter anderem Ausfuhrverbote für Waffen, Technologie zum Bau der Atombombe oder Telekommunikationssysteme. Untersagt sind zudem Investitionen in die Öl- und Gasindustrie.

Vor allem der 2012 von der EU beschlossene Importstopp für iranisches Erdöl trifft das Land hart, das einen Großteil seiner Einnahmen dem Export des Öls verdankt.
Archiv
Showdown in Iran?
makro vom 16.03.2012
Schwerpunkt
Naher Osten
Video
© reutersIran als deutscher Geschäftspartner?
(ZDF heute journal 14.07.2015)
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