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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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© ap Lupe
Tumulte gibt es bereits jetzt in Griechenland. Hier bei den Rentnern, die nur einmal in der Woche ihr Geld abholen können.
Was, wenn Griechenland aussteigt?
Ein Grexit würde die Euro-Krise nicht beenden
Welche Folgen hätte ein Grexit? Die Euro-Krise könnte er nicht mit einem Schlag beenden, sagt Finanzwissenschaftler Aloys Prinz im Vorab-Interview mit makro-Moderatorin Eva Schmidt. Doch an den Finanzmärkten wären wochenlange Tumulte zu erwarten.
Griechenland steuert gerade ein Mal zwei Prozent zur Wirtschaftsleistung im Euro-Raum bei. Und dennoch schafft es die EU bislang nicht, die relativ überschaubaren Probleme mit Griechenland in den Griff zu bekommen. Dass ein Grexit die Probleme aber auch nur kurzfristig lösen kann, erklärt der Finanzwissenschaftler.

makro: Herr Prof. Prinz, die EU versteht sich als globale Wirtschaftsmacht, wird aber seit 5 Jahren von einem der kleinsten Mitgliedsstaaten auf die Probe gestellt. Wie hoch ist der Imageschaden in der Welt, den die Euro-Krise bisher schon angerichtet hat?

Aloys Prinz: Obwohl Krisen nicht ungewöhnlich sind, zieht sich die Euro-Krise schon viel zu lange hin. Dies belastet nicht nur die direkten Wirtschafts- und Finanzbeziehungen zwischen Griechenland und anderen Staaten, sondern indirekt auch insbesondere die schwächeren Länder in der Weltwirtschaft, vor allem durch die erhöhte Unsicherheit. Das Stabilitäts-Image der EU und des Euro haben darunter gelitten, wenn dieser Schaden auch kaum in Zahlen ausdrückbar ist.

makro: Insbesondere in den USA ist man besorgt über die möglichen Schockwellen, die ein Grexit über den Globus ausstrahlen könnte. Könnte ein Grexit tatsächlich die fragile Weltkonjunktur ins Wanken bringen?

Aloys Prinz: Die Besorgnis ist nicht ganz unberechtigt. Ein Grexit würde jedenfalls über Wochen und Monate Tumulte an den Finanzmärkten nach sich ziehen, bis klar wird, welche Staaten und Unternehmen am stärksten davon betroffen sind; erst dann kann man sich auf die neue Lage einstellen. Dass damit die Weltkonjunktur ins Wanken gebracht werden kann, scheint mir zurzeit nicht sehr wahrscheinlich zu sein. Dafür spielen die großen Staaten wirtschaftlich eine zu dominierende Rolle.

makro: Mit Seitenhieb auf Griechenland heißt es immer wieder, andere europäische Schuldenstaaten wie Spanien oder Portugal hätten ihre Hausaufgaben gemacht. Wären wir also mit einem Grexit die Euro-Krise tatsächlich los?

Aloys Prinz: Ein Grexit würde die Euro-Krise höchstwahrscheinlich nicht mit einem Schlag beenden, könnte aber vermutlich die Unsicherheit senken. In einem gewissen Umfang würde ein Grexit den Problemfall Griechenland in dem Sinn isolieren, dass die aus dem Grexit folgenden Probleme überschaubarer und stärker auf bestimmte Länder lokalisiert werden könnten - ohne andere Länder zu gefährden.

makro: Der bekannte französische Ökonom Piketty fordert eine Konferenz über die gesamten Schulden Europas wie nach dem Zweiten Weltkrieg. Ist so ein mutiger Schritt nicht längst fällig, um aus diesem europäischen Schuldensumpf heraus zu kommen?

Aloys Prinz: Ich kann mir nicht so recht vorstellen, wie eine solche Schuldenkonferenz aussehen und welche Ziele sie verfolgen sollte. Die Euro-Krise ist letztlich eine Krise der Gemeinschaftswährung, deren Fundament nicht gesichert ist. Die Regelungen, auf denen der Euro basiert, sind unvollständig und teilweise nicht miteinander kompatibel. Diese Mängel müssen beseitigt werden, wenn der Euro langfristig Bestand haben soll.
Die Staatsschuldenkrise ist eher ein Symptom der Euro-Krise als ihre Ursache. Hinsichtlich der Erneuerung des Euro-Fundaments hat es schon Fortschritte gegeben, wie z.B. die Bankenunion. Diesen Weg weiter zu gehen, scheint mir wesentlich aussichtsreicher zu sein als eine Schuldenkonferenz.

makro: Überall haben Parteien Zulauf, die den Euro ablehnen und zurück zum Nationalstaat wollen. Wird das Einigungsprojekt Euro zum Spaltpilz?

Aloys Prinz: Dass in Krisenzeiten der "Spaltpilz" in allen Arten von Beziehungen auftaucht, kann nicht so sehr überraschen. Die Euro-Krise hatte das Potenzial, die EU zu spalten; mir scheint aber, dass gerade die Entwicklungen in diesem Jahr gezeigt haben, dass es nicht zu einer Spaltung kommen muss. Vielleicht sogar im Gegenteil: Aus Krisen kann man sehr viel lernen, wenn man ihre Ursachen erkennt und dafür Sorge trägt, entsprechende Veränderungen vorzunehmen. Dies kostet Zeit und politische Kraft. Ist man allerdings nicht bereit, sich an die Spielregeln in einer Gemeinschaft zu halten, ist und bleibt sie instabil.

Info
Prof. Dr. Aloys Prinz
Aloys Prinz ist Professor für Finanzwissenschaft an der Universität Münster. Er ist Autor mehrerer Bücher, darunter "Abgebrannt. Unsere Zukunft nach dem Schulden-Kollaps" und "Die große Geldschmelze. Wie Politik und Notenbank unser Geld ruinieren".
Sendungstipp
Wieviel Europa brauchen wir?
Am Sonntag entscheiden die Bürger Griechenlands über das Spar- und Reformprogramm der internationalen Geldgeber. Und damit über ihre Zukunft in Europa. Nur über Ihre? Ein Grexit würde Europa noch lange nicht aus der Schuldenkrise heraus helfen.
Griechenland
Sisyphusarbeit
Die Zeit drängt im Schuldenstreit mit Griechenland: Am 30. Juni sollte Athen 1,6 Milliarden Euro an den IWF zurückzahlen. Und so arbeiten die internationalen Geldgeber und die Regierung in Athen fast rund um die Uhr an einer Lösung im griechischen Schuldenstreit.
Washingtons Sicht
© dpaAmerika hofft auf stabilen Euro
Griechenlands Zukunft ist so ungewiss wie noch nie. Kein Geld mehr, der Bruch mit den Kreditgebern und geschlossene Banken - die Situation des verschuldeten Landes könnte schlechter nicht sein. Aber nicht nur in Europa ist man gespannt wie es weiter geht, auch Amerika macht sich Sorgen um Europas Währung.