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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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An der Thobe, dem traditionellen weißen Gewand der Saudis, darf man nicht einfach so herumschneidern. Das musste auch der Textilunternehmer Loai Nassem erfahren, der es wagte, einen Reißverschluss zu applizieren.
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Saudi-Arabien - Nichts als Öl?
Teil 3 - Revolution in Weiß
Der Textilunternehmer Loai Nassem fertigt die Thobe, das traditionelle weiße Gewand der Saudis. Bei ihm arbeiten ganz überwiegend Ausländer, denn der Beruf des Schneiders gilt bei saudischen Männern als minderwertig.
IT-Startups sind das eine, doch auch in anderen Branchen wagen sich Unternehmer an Neuerungen. Loai Nassem hat das traditionelle weiße Gewand, die Thobe, die im Staatsdienst Pflichtkleidung ist, von den meisten saudischen Männern aber auch in der Freizeit getragen wird, neu erfunden.

Solange es nicht um Religion gehe, so Loai Nassem, Inhaber der Bekleidungsfirma Lomar, sei es gar nicht so schwer, Veränderungen in der Gesellschaft durchzusetzen. "Es gehört seit ewigen Zeiten zu unserer Kultur, weiße Kleider mit einem Kragen zu tragen. Mit solchen Tradition zu brechen, ist nicht einfach. Dass muss man in kleinen, vorsichtigen Schritten tun."

Und das war, wie immer, wenn die Worte neu und Erfindung im Spiele sind, nicht ganz leicht. Allein die Tatsache, dass er für das bis dahin knopflose Gewand einen praktischen Reißverschluss einführte und es dann auch noch mit Farbe versah, löste öffentlichen Unmut aus.

Es begann zuhause im Keller
Lupe
Lomar hat die Proteste der Konservativen ausgesessen und am Ende Erfolg gehabt.
"Ich habe viele Kritik eingesteckt und stand vor der Frage: Was mache ich jetzt?", fragte sich Nassem. "Aufhören konnte ich nicht. Für mich war es der richtige Weg, also habe ich einfach weiter gemacht. Und ich habe Recht behalten." Nicht nur seine Geschäftsidee war hart durchzusetzen. Sich in Saudi-Arabien überhaupt selbstständig zu machen, ist eine Sache für sich:

"Wenn ich all die Genehmigungen eingeholt hätte, die eigentlich nötig sind, um ein Unternehmen aufzubauen, hätte ich niemals anfangen können. Niemand hätte das geschafft. Es war sehr kompliziert. Also habe ich einfach mit ein paar Arbeitern bei mir zuhause im Keller begonnen."

Es hat Nassem Jahre gekostet, sein Unternehmen im Dschungel der saudischen Bürokratie zu legalisieren. Mittlerweile hat er mehrere hundert Angestellte, die wenigsten davon sind Saudis. Er hat 250 ausländische Schneider angestellt, weil saudische Männer sich weigern, als Schneider zu arbeiten. "Genausowenig würden sie eine Anstellung als Frisör annehmen, oder in anderen Bereichen arbeiten, die hier als minderwertig empfunden werden", erklärt uns Nassem. Er habe Saudis nur im Management, Marketing und Verkauf.

Ausländer werden aus dem Land geworfen
Lupe
Firmengründer Loai Nassem beschäftigt überwiegend ausländische Schneider.
Die Regierung verweist gerade Ausländer, deren Aufenthaltserlaubnis abgelaufen ist, des Landes. Ihre Jobs sollen für arbeitslose Saudis frei werden. Die Schneider bei Lomar sind legal im Land, also nicht betroffen. Trotzdem wird die oft brutal durchgeführte Ausweisungskampagne, die sogar schon Tote gefordert hat, von einigen Unternehmern aus vielerlei Gründen mit gemischten Gefühlen beobachtet.

"Viele von uns haben Ausländer angestellt, auch weil sie billiger sind", sagt Nassem. "Wenn die nun aber das Land verlassen, werden wir mehr Geld für saudische Angestellte zahlen müssen."

Tricks bei der Saudisierungs-Quote
Darüber hinaus hat die Regierung eine Saudisierungs-Quote eingeführt. Jedes Unternehmen, muss je nach Größe, eine bestimmte Zahl Saudis anstellen. Nur wer die Quote erfüllt, bekommt Visa für ausländische Angestellte. Nassem sagt, das sei für Lomar kein Problem.

Es gibt aber Befürchtungen, dass das Gesetz viele kleinere Geschäfte in den Ruin treiben könnte. Einige Unternehmer erzählen unserer Autorin Katrin Sandmann hinter vorgehaltener Hand, wie sie die Bürokratie austricksen. Sie stellen Saudis für ein kleines Gehalt ein, ohne dass sie arbeiten müssen. Und alle sind zufrieden.

Sendedaten
Freitag, 14. August 2015, 13.25 Uhr

Wiederholung Samstag, 7.00 und 9.45 Uhr

Ein Film von Katrin Sandmann
Info
© ZDF und Michael Khano - Kobalt ProductionsDie Journalistin Katrin Sandmann (l.) berichtet seit 15 Jahren von verschiedensten Schauplätzen der Welt. Für makro war sie in Saudi-Arabien, kurz davor in Somalia.
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