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Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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Reflexion vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt: der Euro am Boden. © reuters Lupe
Reflexion vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt: der Euro am Boden.
Der Fall des Euro
Wertverlust gewinnt an Fahrt
Seit einem Jahr ist der Euro auf Talfahrt. 25% hat er gegenüber dem Dollar bereits verloren, die Hälfte davon allein in den letzten zwei Monaten. Begonnen hat alles mit einer Andeutung von EZB-Chef Mario Draghi.
Als Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank, auf der Pressekonferenz am letzten Donnerstag die Welt mit der Verkündung des Billionenprogramms zum Aufkauf von Staatsanleihen in Atem hielt, ging ein kleiner, unscheinbar daherkommender Satz praktisch unter - dass nämlich der Wechselkurs des Euro wichtig sei. Das klingt zunächst nach einer Selbstverständlichkeit. Tatsächlich steckt mehr dahinter.

Draghi redet den Euro runter.

Bereits vor einem Jahr als hat es begonnen. Damals war der Euro stetig gestiegen, bis auf 1,40 zum US-Dollar. Dies schwächt die Wettbewerbsfähigkeit der Krisenländer Südeuropas - oder vielmehr: Es lässt die teils immer noch zu hohen Kostenstrukturen dieser Länder offen zu Tage treten. Eine Wirtschaft wie die deutsche mit international konkurrenzfähigen Unternehmen kann mit einem starken Euro gut leben, aber eine schwache Volkswirtschaft wie die italienische kommt auf Dauer nur mit einer weichen Währung über die Runden.

Die Märkte haben verstanden
Seit einem Jahr nun hört man aus Draghis Munde gelegentlich den dezenten, wie eine Selbstverständlichkeit anmutenden Hinweis, dass ein starker Euro für einige Länder der Eurozone eine Belastung sei. Otto Normalbürger schenkt dieser Bemerkung keine Beachtung. An den Finanzmärkten jedoch versteht man die Kunde wohl. Es ist Notenbanksprech für: "Leute, setzt bloß nicht auf einen steigenden Euro!" Und so haben Investoren begonnen, ihre Euro-Anlagen zu verkaufen und vor allem in den Dollarraum umzuschichten. Oder direkt auf einen fallenden Euro zu spekulieren. Seither verliert Europas Gemeinschaftswährung an Wert.

Das Delikate daran: Die Beeinflussung des Euro-Wechselkurses gehört nicht zum Mandat der EZB. Dieses beschränkt sich - theoretisch - auf die Preisstabilität, also den Innenwert der Währung. Eine Schwächung des Wechselkurses hingegen, um einer schwächelnden Wirtschaft unter die Arme zu greifen, wäre Wirtschaftspolitik. Das ist der EZB - theoretisch – untersagt.

So vergaß Draghi auf der jüngsten Pressekonferenz auch nicht zu versichern, der Wechselkurs sei nicht Ziel der EZB-Politik. Auch diese Bemerkung haben die Märkte verstanden. Sie wissen, Ziel oder nicht, Draghi wird die Wirtschaft stützen und, wenn's hilft, die Währung dafür schwächen.

Wie schwach ist der Euro wirklich?
Gegenüber dem US-Dollar (USD) hat Europas Währung rund 25% verloren, seit Mario Draghi andeutete, er halte den Euro für überbewertet. Eine Parität zum Dollar gilt unter Marktbeobachtern als wahrscheinlich und spiegelt wohl auch die Schwäche der europäischen Wirtschaft wieder. Ein Fall Richtung 0,80 USD wird ebenfalls diskutiert.

Gegenüber klassischen Hartwährungen ergibt sich das gleiche Bild: In Schweizer Franken (CHF) und dem chinesischen Yuan verliert der Euro 20%. In Singapur-Dollar (SGD) 15%.

Schwellenländer wie Thailand, Indonesien oder Taiwan, die viel nach Europa exportieren, zeigen dem Euro ebenfalls die kalte Schulter. Der Euro verliert rund 15%.

Etwas besser sieht es gegenüber Rohstoffwährungen aus. Die niedrigen Rohstoffpreise belasten die Wirtschaftsaussichten dieser Länder. So hat der Euro gegenüber dem australischen Dollar (AUD) nur 8% verloren, gegenüber dem kanadischen Dollar (CAD) 10% und in brasilianischem Real (BRL) 12%.

Überall gilt: Etwa die Hälfte des Wertverlustes hat der Euro seit Anfang Januar kassiert, als sich der großangelegte Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB konkretisierte.

Nur gemessen an Ölwährungen macht der Euro eine gute Figur. Die norwegische Krone (NOK), vor wenigen Jahren noch als Fluchtwährung für frustrierte Eurosparer gehandelt, verliert 5%, der Rubel sogar ein Drittel.

Die Gewinner
Die Exportindustrie zählt naturgemäß zu den Gewinnern einer schwächeren Währung, kann sie doch relativ günstig in Euro produzieren und relativ teuer im Ausland verkaufen. Die Rechnung geht aber nur bei jenen Firmen auf, die für Ihre Produktion nicht zu sehr auf Importe von Zulieferprodukten aus dem außereuropäischen Ausland angewiesen sind.

Die Verlierer
Importe werden teurer. Dies trifft nicht nur Firmen, sondern auch Konsumenten direkt. Unterhaltungselektronik wie Smartphones oder Fernseher aber auch Kleidung kommen heute überwiegend aus Asien. Für Eurolandbewohner steigen die Preise. Daran sieht man, dass eine schwächere Währung immer auch Inflation importiert. Diese Entwicklung wird sich in den kommenden Jahren noch dadurch verstärken, dass in Asien kräftig die Löhne steigen.

Die Glückspilze
Video
Studiogespräch mit Prof. Max Otte (r.) und Prof. Hanno Beck (m.): Otte fürchtet aufgrund des niedrigen Eurokurses einen Ausverkauf mittelständischer Unternehmen.
Wie Ökonom Professor Max Otte im Interview mit makro jüngst anmerkte, seien die 30 Dax-Konzerne bereits zu 70% in ausländischer Hand. Dieser Trend werde sich mit einer schwachen Währung noch verstärken, da ausländische Investoren jetzt in der Eurozone auf Schnäppchenjagt gehen könnten. Es wird also noch so manche Mittelstandsperle den Besitzer wechseln. Das Interesse aus China ist groß, aber nicht nur dort.

EZB-Milliardenprogramm
© reutersDie letzte Patrone
Seit zweieinhalb Jahren bereitet die EZB das Publikum darauf vor, zur Not Staatsanleihen zu kaufen. Jetzt ist es soweit. Not ist da. Zweifel an der Wirksamkeit auch. In den USA hat es geholfen, in Japan nicht.
Eurokurs
© EZBDie ganze Wahrheit
Da der Wechselkurs der Euro zu einer anderen Währung - und sei es eine so wichtige wie der US-Dollar - nie die ganze Wahrheit sagt, berechnet die EZB den Euro zu einem ganzen Währungskorb. Der "Effective Exchange Rate Index" (EER-19) umfasst 19 Währungen gewichtet nach dem Handelsvolumen ihrer Volkswirtschaften mit der Eurozone. Der dickste Brocken in diesem Korb ist der chinesische Yuan, erst an zweiter Stelle kommt der US-Dollar. Verlust des Euro über das letzte Jahr: 12%
makro-Sendung
Schicksalstage für den Euro
Der Euro sei zu stark, hieß es vor einem Jahr. Deshalb laufe die Wirtschaft nicht. Jetzt ist der Euro schwach, die Zinsen bei null. Die Wirtschaft läuft immer noch nicht. Die EZB versucht es nun mit der ganz großen Keule.
Wirtschaftsdokumentation
EZB: Die neue Macht am Main
Mit dem Einzug in ihre neue Zentrale erweitert die EZB ihre Aufgaben. Sie übernimmt die Aufsicht über Europas Banken. Und betreibt immer direkter Wirtschaftspolitik. Man könnte sagen: Die EZB wird amerikanisch.
Mario Draghi
Der Magier der Krise
EZB-Präsident Mario Draghi ist der Retter des Euro. Dafür tut er Dinge, die einem europäischen Notenbanker Bauchschmerzen bereiten: Er macht Wirtschaftspolitik. Weil die Politik sich drückt.
EZB - Die Anti-Bundesbank
Die EZB macht heute genau das Gegenteil der Bundesbank: Unterstützung der Wirtschaftspolitik. Als Anfang der 90er Jahre das vereinigte Deutschland den Beitritt der neuen Bundesländer zu verdauen hatte - und sich daran finanziell ziemlich verschluckte - hoffte, um nicht zu sagen forderte, die Regierung Kohl von der Bundesbank entgegenkommen durch eine weniger strikte Auslegung ihres Mandats. Amtshilfe unter Patrioten sozusagen.

Die Bundesbank stellte sich stur, unter ihrem damaligen Präsidenten Karl-Otto Pöhl und auch seinem Nachfolger Helmut Schlesinger. Sie erhöhten die Zinsen, was die einheitsbedinge Neuverschuldung schmerzhaft verteuerte und Deutschland vorübergehend in die Rezession trieb. Der Wert der Mark aber blieb stabil, die Ersparnisse der Deutschen erhalten.