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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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Die neue Zentrale der EZB in Frankfurt. © dpa Video
Die neue Zentrale der EZB in Frankfurt. [>> Video ansehen]
Die letzte Patrone
EZB beschließt Kauf von Staatsanleihen
Seit zweieinhalb Jahren bereitet die EZB das Publikum darauf vor, zur Not Staatsanleihen zu kaufen. Jetzt ist es soweit. Not ist da. Zweifel an der Wirksamkeit auch. In den USA hat es geholfen, in Japan nicht.
Die Europäische Zentralbank (EZB) wird nach Aussage von EZB-Präsident Mario Draghi ab März monatlich Wertpapiere für 60 Milliarden Euro kaufen. Auf der mit Spannung erwarteten Pressekonferenz kündigte Draghi an, dass die Käufe mindestens bis September 2016 andauern sollen. Daraus ergibt sich ein theoretisches Ankaufvolumen von mindestens 1140 Milliarden Euro.

Nach Draghis Angaben sollen überwiegend Staatsanleihen gekauft werden, maximal bis zu einem Drittel der Anleihen eines Landes. Dabei werden die Zentralbanken der jeweiligen Euro-Länder Staatsanleihen entsprechend ihrem Anteil am eingezahlten EZB-Kapital auf eigenes Risiko erwerben. Nur jene 20% des Kaufprogramms, die keine Staatsanleihen betreffen, unterliegen einer gemeinsamen Haftung. Griechenland ist zunächst einmal nicht dabei.

QE, "Quantitative Easing", nennen das die Zentralbanker. Erreichen wollen sie damit, dass die langfristigen Zinsen sinken und mehr Geld in Umlauf kommt. Unternehmen könnten wieder investieren. Das soll der schwächelnden Wirtschaft endlich auf die Beine helfen.

Kreditvergabe in der Klemme
Hier hakt es leider gewaltig, besonders in den Krisenländern Südeuropas. Die Kreditklemme ist einer der Hauptgründe, weshalb die Wirtschaft dort nicht anspringt.

Die Europäische Zentralbank hat ihre Möglichkeiten im Prinzip bereits ausgereizt: Zum einen das klassische Instrument der Leitzinsen - sie liegen bei null. Darüberhinaus haben auch die umstrittenen "unkonventionellen Maßnahmen" den erhofften Befreiungsschlag nicht gebracht - große, langfristige Kreditangebote an die Geschäftsbanken, ein Pfandbrief-Kaufprogramm und das Aufkaufen von Kreditverbriefungen (ABS - Asset Backed Securities).

Auch wenn die EZB selbst mit "Quantitative Easing" (QE), Neuland betritt - Anleihekäufe im großen Stil sind ein bereits praktiziertes Mittel. In den USA und England haben die Zentralbanken bereits solche Käufe durchgeführt. Die Programme werden dort als Erfolg gewertet. In den USA haben sie ihren Zweck bereits erfüllt und sind im letzten Jahr sukzessive eingestellt worden.

"Quantitative Easing": Das letzte Ass im Ärmel
© reuters Lupe
Für Mario Draghi war der Weg zu den Anleihekäufen ein schwerer Gang. Am Ende hat er sich durchgesetzt - gegen den entschiedenen Widerstand der Bundesbank.
In Europa, insbesondere in Deutschland, angeführt von der Bundesbank, werden die geplanten Maßnahmen kritisch gesehen. Es bestehen Zweifel an ihrer Wirksamkeit. Die Grundvoraussetzungen in Europa unterschieden sich vom angelsächsischen Raum, heißt es.

Hier versorgen sich Unternehmen - anders als in den USA - in erster Linie über Banken mit Kapital. Entscheidend ist also das Zinsniveau von langfristigen Bankkrediten. Mit den Anleihekäufen hingegen wirkt die Zentralbank auf den Anleihemarkt ein - direkt auf die Renditen von Staatsanleihen, indirekt auf die Renditen von Unternehmensanleihen, die sich traditionell an der Risikobewertung von Staatsanleihen orientieren, und erst zuletzt auf die Zinsen für langfristige Kredite.

Wirkung von QE zweifelhaft
Diese Wirkungskette, so vermuten QE-Kritiker wie EZB-Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger, werde in Europa nicht dieselbe Signalwirkung für längerfristige Bankkredite entfalten wie in den USA, da Banken das Renditeniveau von Staatsanleihen nicht ohne weiteres als Risiko-Benchmark für eigene Kredite akzeptieren würden. Zu stark ist die Aussagekraft der Staatsanleihen als Risikoindikator bereits durch Markteingriffe relativiert.

Ohnehin, so Lautenschläger, sei die Wirkung von Interventionen auf den Kapitalmärkten in einem Banken-basierten Finanzsystem weniger stark als in einem Markt-basierten System. Zudem sind die Zinsen ohnehin schon sehr niedrig. Und Liquidität ist bei den Banken ausreichend vorhanden, zum Beispiel aus den langfristigen Kreditprogrammen, mit denen die EZB den Geschäftsbanken unter die Arme greift. Letztere geben es trotzdem nicht zu erträglich Konditionen an Unternehmen weiter - zumindest nicht in Europas Krisenländern.

In Japan übrigens wird QE schon seit vielen, vielen Jahren praktiziert. Bisher ohne Erfolg. Am Ende bleibt die Frage, warum die EZB ausgerechnet jetzt mit QE beginnen will.

Pro Quantitative Easing
© colourbox.de
Im angelsächsischen Wirtschaftsraum hat das aktive Eingreifen der Notenbank in den Markt Tradition. Das Ankurbeln der Wirtschaft hat Priorität. Viele amerikanische Ökonomen befürworten daher auch den Kauf von Staatsanleihen.
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Contra Quantitative Easing
© colourbox.de
Die entschiedensten Gegner des Kaufs von Staatsanleihen sitzen in der Bundesbank. Derartige Markteingriffe gelten als Teufelszeug. Aufgabe der Notenbank sei die Preisstabilität, nicht die Unterstützung der Wirtschaftspolitik.
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Sendehinweis
Schicksalstage für den Euro
Der Euro sei zu stark, hieß es vor einem Jahr. Deshalb laufe die Wirtschaft nicht. Jetzt ist der Euro schwach, die Zinsen bei null. Die Wirtschaft läuft immer noch nicht. Die EZB versucht es nun mit der ganz großen Keule.

Freitag, 23. Januar 2015, 21.00 Uhr
Wirtschaftsdokumentation
EZB: Die neue Macht am Main
Mit dem Einzug in ihre neue Zentrale erweitert die EZB ihre Aufgaben. Sie übernimmt die Aufsicht über Europas Banken. Und betreibt immer direkter Wirtschaftspolitik. Man könnte sagen: Die EZB wird amerikanisch.
Mario Draghi
Der Magier der Krise
EZB-Präsident Mario Draghi ist der Retter des Euro. Dafür tut er Dinge, die einem europäischen Notenbanker Bauchschmerzen bereiten: Er macht Wirtschaftspolitik. Weil die Politik sich drückt.
Quantitative Easing
Wenn eine Notenbank eine expansive Geldpolitik fahren, sprich: Geld unter die Leute bringen will, stehen ihr eine Reihe von Maßnahmen zur Verfügung. Die einfachste und bekannteste der konventionellen Maßnahmen ist die Senkung des Leitzinses.

Hat dies nicht den gewünschten Effekt, kann sie in die Schmuddelecke gehen und zu "unkonventionellen Maßnahmen" greifen, als letztes Mittel einfach Geld drucken - Notenbanksprech: die Bilanzsumme ausweiten.

Um das frisch kreierte Geld in Umlauf zu bringen, kauft sie an den Finanzmärkten Anlageprodukte. Am beliebtesten sind Staatsanleihen, weil sie halbwegs sicher sind und liquide, d.h. in großen Stückzahlen, gehandelt werden. Am Ende hat die Notenbank die Anleihen und der Markt das Geld.

Jetzt muss der Markt nur noch etwas Vernünftiges damit anfangen. Genau hier liegt das Problem.

Mehr dazu auf Wikipedia.
Mediathek
© ZDFEZB verkündet Ankauf von Staatsanleihen
Die Preise sinken, die Produktion geht zurück - Deflation. Um dieser entgegenzuwirken erwägt die Europäische Zentralbank den Ankauf von Staatsanleihen. Sie könnte so die Geldmenge für Kredite erhöhen.
Droht die Deflation?
Die EZB versucht, Geld in Umlauf zu bringen, um ihr Inflationsziel von knapp 2% zu erreichen. Das ist nach gängiger Lehrmeinung der optimale Kompromiss zwischen Preisstabilität und wirtschaftlicher Dynamik.

Die Inflationsrate für den Euroraum lag im Dezember 2014 bei -0,2%. Zum Vergleich: Im Dezember 2013 waren es noch 0,8%. Die EZB sieht hier schon Anzeichen für ein besonders gefürchtetes Szenario: Eine Deflation, d.h. immer weiter fallende Preise als Indikator für immer weiter zurückgehende Investitionen und Konsum. Der wesentliche Teil der sinkenden Teuerungsrate ist allerdings einem anderen Faktor geschuldet: dem stark gefallenen Ölpreis.
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