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Vorschau
Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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Ganze Dokumentation ansehen © Jürgen Natusch Video
Aufsteiger Korea
Teil 2 - Abgeschaut, aber nicht geklaut
Korea ist kein Closed-Shop wie Japan. Man schaut sich vielmehr genau an, was andere Länder oder Unternehmen erfolgreich macht. Dann versucht man es besser zu machen. Korea ist im besten Sinne pragmatisch.
Hyo Jin hat eine andere Unternehmenskultur bereits im Ausland kennengelernt. Beim Medienkonzern EBS ist die Journalistin für eine Radiosendung zuständig. "Ich mache bei EBS die Morgensendung", erzählt sie uns. "Sie heißt Morning Special und läuft von 8:00 bis 10:00 Uhr. Ich muss gegen 7:00 Uhr da sein und bis 10:00 Uhr arbeiten." Wenn die Sendung fertig ist, fährt sie entweder nach Hause oder bleibt im Büro, um die Skripts für den nächsten Tag zu schreiben.

Kim Hyo Jin - Die Journalistin
© Jürgen Natusch Lupe
Die Journalistin Hyo Jin hat im Ausland studiert und gearbeitet.
Die 29-jährige gehört zu den vielen hochqualifizierten Mitarbeitern in Korea. Sechs Jahre lang hat sie in Deutschland studiert, als Journalistin bereits zwei Jahre in Berlin und den USA gearbeitet. Bildung ist ein entscheidender Baustein in Koreas Turbo-Aufstieg. In der Regie überwacht Hyo Jin den Sendungsablauf. Moderationen und Interviews stammen aus ihrer Feder, alles in Englisch. Radio als Bildungsprogramm. Denn mit Englisch lassen sich Weltmärkte leichter erobern.

Koreaner lernen von frühmorgens bis spätabends. Das ging für Hyo Jin im Kindergarten los und setzte sich fort bis zur Uni. Eiserne Arbeitsdisziplin, die auch im Beruf verlangt wird. Mit Radioprogrammen in Englisch wird Korea fit gemacht für die Globalisierung. "Es ist für die Leute, die schon gut Englisch sprechen und weiterlernen möchten", erklärt sie. Ohne Englisch könne man nicht so leicht einen Job bekommen. Und es sei schon schwer, in einem Business Meeting etwas zu verstehen.

Bildung als Tor zur Welt
© Jürgen Natusch Lupe
Eine 60-Stunden-Woche ist in Südkorea der Normalfall.
Seoul besteht aus einem unendlichen Meer von Wohnblocks. Heute hat Hyo Jin doppelt Stress. Denn neben der Arbeit zieht sie auch noch um in ein größeres Apartment. Das erledigt gerade eine Umzugsfirma für sie. Trotzdem gönnt sich die junge Journalistin keine Pause. Im Café muss sie die Moderationen und Interviews für ihre Radiosendung am nächsten Morgen schreiben. Abends und nachts übersetzt Hyo Jin häufig noch Texte von Koreanisch in Deutsch oder Englisch.

Die meisten Koreaner arbeiten so viel. Die 60-Stunden-Woche ist der Normalfall. "Na ja", meint Hyo Jin, "vielleicht ist das kulturell bedingt oder es liegt an der Mentalität. Die Koreaner denken: Solange mein Boss noch nicht weg ist, muss ich bleiben. Erst wenn der Boss geht, ist auch meine Arbeitszeit zu Ende."

Lee Kark-Bum - Der Stratege
© Jürgen Natusch Lupe
Professor Lee bei einer Vorlesung an der Eliteuniversität KAIST.
Südkorea besticht zwar durch lange Arbeitszeiten, aber nicht durch hohe Arbeitsproduktivität. Die will Professor Lee mit seinem Smart-Working-Programm steigern, indem er die Pendlerzeit verkürzt. Er selbst kommt nicht drum herum, fährt jede Woche von Seoul nach Daejon zur Arbeit. Seine Heimat hat er nach dem Ende des Korea-Krieges 1953 mit aufgebaut. "Als ich geboren wurde, ist im selben Jahr die Republik Korea entstanden", erzählt er. "Dieser junge Staat musste den Krieg erleben." An die zerstörte Hauptstadt Seoul kann er sich noch erinnern. Er war damals ein kleiner Junge.

Lee studierte Soziologie in Deutschland, das ein paar Jahre vorher im 2. Weltkrieg zerstört wurde. "Damals als ich in Deutschland ankam, war die erste Stadt Düsseldorf", erinnert er sich. "Von Düsseldorf, wo ich übernachtet habe, fuhr ich nach Münster. Vom Zug aus habe ich den Wohlstand in Deutschland gesehen. Es war 1975. Damals habe ich auch die Armut in Korea gesehen."

Der 65-jährige sah im Wiederaufbau des zerstörten Deutschland ein Vorbild für Korea. Als Hochschullehrer und Präsidentenberater hatte er entscheidenden Anteil an der Industrialisierung seines Landes. "Als die koreanische Regierung die Industrialisierung angefangen hat, war Korea damals das sechstärmste Land der Welt. Es gab ungefähr 200 Länder auf der Welt und Korea war das sechstärmste!" Nicht ohne stolz fügt er hinzu, heute zähle Korea zu den zehn größten Handelsmächten.

Eliteuniversität KAIST
© Jürgen Natusch Lupe
Wer hier studieren möchte, muss viel Geld investieren.
Ankunft in Daejon, 150 Kilometer südlich von Seoul. Heute ist der Ort mit 1,5 Millionen Einwohnern die fünftgrößte Stadt Südkoreas. Früher gab es hier nur Reisfelder. "Traditionell war Daejon ein ganz kleiner Landwirtschaftsort", erzählt uns Lee. "Aber inzwischen wurde Daejon zu einem Zentrum des Verkehrs, insbesondere des Zugverkehrs. Mitte der 70er-Jahre hatte der damalige Präsident Park Chung-hee diesen Ort als Zentrum der großer Wissenschaft und Technologie auserkoren." Danach sei ein Wissenschafts- und Technologie-Komplex entstanden.

Aushängeschild ist die Eliteuniversität KAIST. 80 Prozent eines Jahrgangs gehen in Korea zur Uni. Die höchste Studienquote der Welt. Gleichzeitig herrscht ein gnadenloser Leistungsdruck, besonders an den renommierten Hochschulen. Professor Lee hält donnerstags seine Vorlesung. Wie er wurden viele Professoren im Ausland ausgebildet. Das Know-how ist importiert aus den USA oder aus Deutschland.

Ein Studium an einer prestigeträchtigen Uni wie KAIST gilt als Sprungbrett zu einer beruflichen Karriere. Eltern zahlen dafür ein Vermögen. Lees Vorlesung behandelt den Konflikt zwischen Wachstum und Wohlstand in einer Volkswirtschaft. Wie in vielen Industriestaaten geht auch in Südkorea die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander. Für Lee besteht Koreas große Zukunftsaufgabe darin, den Wohlstand gerechter zu verteilen.

Peter Schreyer - Der Designer
Wohlstandssymbol Nummer Eins ist das Auto und die Seoul Motor Show eine der größten Automessen Asiens. Denn direkt vor der Haustür liegt China, der größte Wachstumsmarkt für die globale Autoindustrie. Korea lehrt heute seinen deutschen Konkurrenten das Fürchten. Auch weil von dort kluge Köpfe abgeworben wurden. Peter Schreyer ist so ein kluger Kopf und einer der Erfolgsgaranten von Kia. Kia und Hyundai sind zusammen auf Platz 5 der Welt vorgefahren. In den 70ern mit einem Billigauto gestartet, fordern die Strategen an der Spitze jetzt sogar VW heraus.

In Korea ist der Chefdesigner von Hyundai und Kia eine Art Superstar. Seinen Wechsel hat der ehemalige Chefdesigner des VW-Konzerns nie bereut. Für seinen alten Arbeitgeber VW ist der Hyundai-Konzern heute ein Angstgegner. Die Koreaner würden von den Japanern und den Deutschen kopieren, um es dann noch besser zu machen.

Mit Peter Schreyer am Steuer fahren Kia und Hyundai nicht nur in Europa auf der Überholspur. Auch in China, Indien und in den USA jagen sie der Konkurrenz Marktanteile ab. Der 60-jährige Autodesigner will in Korea sein Lebenswerk krönen. Seine Mission: Hyundai- und Kia-Modelle soll bald keiner mehr auf der Welt verwechseln.

Funktionalität, Ästhetik und ZZ Top
© Jürgen Natusch Lupe
Kia-Chefdesigner Peter Schreyer bei der Seoul Motor Show war früher bei VW.
Schon wartet der nächste Termin in Seoul auf den koreanischen Automacher. Im internationalen Messezentrum findet die alljährliche "Asian Leadership"-Konferenz statt. Es geht um Asiens Führungsrolle in der Weltwirtschaft. Peter Schreyer als oberster Kreativer von Kia und Hyundai erklärt Führungskräften und Journalisten aus Asien, dass beim Design Funktionalität und Ästhetik eine Einheit bilden müssen.

Mit ein paar Federstrichen zeigt der Hobby-Flieger, wie ihn beim Autodesign Flugzeuge inspiriert haben. Und auch Musiker, Architekten und Künstler wie Frank Zappa, ZZ Top, Miles Davis oder Jimi Hendrix. Am Abend dann Entspannung in einem exklusiven Club in Seoul. Für den Hobby-Gitarristen ist auch Jazz eine Quelle der Inspiration.

Sendedaten
makro

"Aufsteiger Korea"

Sonntag, 6. Juli 2014, 6.15 Uhr

Ein Film von Jürgen Natusch
Dreharbeiten
© juergen_ natusch_nKorea ganz nah
Das ZDF-Team war zwei Wochen lang in Korea unterwegs: makro-Redakteur Jürgen Natusch, Kameramann Nils Claus, Producer Malte Kollenberg und Dolmetscherin Kim Hyo Jin.
Impressionen
© juergen_ natusch_nHightech-Land Korea
Korea bleibt weiter hungrig. Europa muss in Zukunft aufpassen, dass Asien ihnen nicht die Butter vom Brot nimmt. Mit der Globalisierung hat der internationale Wettbewerbsdruck zugenommen.
Wirtschaftsdokumentationen
© reutersWeitere Wirtschaftsdokumentationen der Redaktion makro finden Sie hier.
Navigation
© reutersAufsteiger Korea