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Vorschau
Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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Ganze Dokumentation ansehen © Jürgen Natusch Video
Aufsteiger Korea
Teil 3 - Konfuzius und Kinder
Während die ältere Generation am konservativen buddhistisch-konfuzianischen Wertesystem festhält, rebelliert die junge Generation eher konsumorientiert. Die Folge: mehr Freiheit, aber weniger Kinder.
Der ehemalige Präsidentenberater Lee Kark-Bum kann sich ein Leben ohne klassische Musik nicht mehr vorstellen. "Ich weiß nicht, wie viele Stunden am Tag wir mit der deutschen Kultur leben", fragt er sich. "Zum Beispiel bin ich ein leidenschaftlicher Hörer klassischer Musik. Von morgens bis abends höre ich klassische Musik, besonders von Beethoven, Brahms und Richard Strauss."

Professor Lee und seine Ehefrau sind Buddhisten so wie jeder dritte Koreaner. Die Religion ist für Lee eine moralische Verpflichtung. Wenn man sich überall so benähme wie in der Kirche oder im Tempel, dann könnte diese Gesellschaft viel besser sein. Es wäre viel mehr gegenseitige Hilfe da sein.

Abschalten im Kloster
© Jürgen Natusch Lupe
Jeder dritte Koreaner ist Buddhist. Auch Professor Lee ist regelmäßig im Kloster.
Der 65-Jährige nimmt jedes Wochenende, samstags wie sonntags, eine längere Autofahrt in Kauf. Eine volle Stunde dauert die Fahrt raus aus Seoul zum Kloster auf dem Lande. Koreas Wertesystem entstammt den Lehren von Buddha und Konfuzius. Starre hierarchische Strukturen zementieren den unbedingten Gehorsam gegenüber Vorgesetzten und Autoritäten. Professor Lee hat von Buddha gelernt, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Überträgt man Buddhas Lehre auf die Wirtschaft, liegt der Fokus auf Erfolg und Gewinn.

Wie in koreanischen Unternehmen gelten ähnlich strenge Regeln beim gemeinsamen Mittagsmahl. Gemüse und Kräuter werden im Klostergarten biologisch angebaut. Lebensmittel gelten als wertvoll. Buddhisten gehen deshalb äußerst sparsam damit um. Im Kloster wird der Generationskonflikt zwischen Jung und Alt sichtbar. Der Religion zeigt Koreas Jugend genau wie Deutschlands Jugend immer mehr die kalte Schulter. Professor Lee befürchtet, dass dadurch das gemeinsame Wertesystem, das Fundament für den wirtschaftlichen Erfolg, ins Wanken gerät.

Konsum statt Kinder
© juergen_natusch Lupe
Viele von Koreas jungen Frauen wollen unabhängig sein von Mann und Kindern.
In Koreas männerdominierter Gesellschaft herrschen konservative Wertvorstellungen vor. Viele junge Frauen wollen das aber nicht mehr länger hinnehmen. Die Journalistin Hyo Jin hat genau wie ihre jüngere Schwester mit den Einstellungen ihrer Eltern nicht mehr viel am Hut. Durch ihre langjährigen Auslandsaufenthalte in Deutschland und in den USA hat sie ein anderes Frauenbild kennengelernt. In der Kinderfrage scheut die junge Frau auch mit ihrer Mutter keine Konfrontation. "Sie sagt manchmal: Hast du überhaupt einen Plan?!", erzählt Hyo Jin. "Aber ich habe schon klar gemacht: nein, kein Kind. Und heiraten irgendwann, wenn ich 40 werde oder so. Sie hat schon fast aufgegeben."

Ein Haupthindernis für Familie und Kinder sind für junge Frauen wie Hyo Jin und ihre Schwester die koreanischen Männer. Haushalt und Kinder sind in ihren Augen Frauensache. Für Hyo Jin wäre die Gründung einer Familie das Ende ihrer beruflichen Karriere. Dann lieber Konsum statt Kinder. Damit ist sie nicht allein. Die Geburtenrate liegt in Korea nur noch knapp über eins. Jede zweite Koreanerin will genau keine Kinder mehr. Zumal die Ausbildung der Kinder ein Vermögen verschlingen kann. Der moderne Lebensstil ist schon kostspielig genug.

Horrende Mietpreise
© Jürgen Natusch Lupe
Die Immobilienpreise in Seoul sind die höchsten weltweit.
Hyo Jin verbringt heute die erste Nacht in ihrem neuen Apartment. Als Mietkaution musste die 29-jährige 80.000 US-Dollar hinblättern. Denn je höher die Kaution, desto niedriger fällt für die Journalistin auch die Monatsmiete aus. Die Immobilienpreise in Seoul gelten als die höchsten weltweit, haben längst die von Tokio übertroffen.

Für die junge Frau hat sich mit dem kleinen Luxus-Apartment ein Traum erfüllt. Jetzt wohnt sie zusammen mit ihrem Hasen in einem der angesagten Viertel von Seoul. Das luxuriöse Leben hat jedoch seinen Preis. Hyo Jin braucht mindestens zwei Jobs und muss ab und zu noch nachts arbeiten, um ihren Lebensstandard in Seoul zu finanzieren.

Fortschritt mit Nebenwirkungen
In Südkoreas Mega-Metropole ist Autodesigner Peter Schreyer seit sieben Jahren Zeuge des Wirtschaftswunders - nach 100 Jahren Unterdrückung, Krieg und Armut im Land. "Ich habe das Gefühl, das ist jetzt wie eine Befreiung", meint er. "Diese Art, das Land voranzubringen, ist sehr vielfältig. Das Land wird einerseits durch die Industrie vorangebracht, aber auch politisch. Es gab eine Olympiade, es kommt eine Winterolympiade, es gab eine Fußball-Weltmeisterschaft und eine Weltausstellung." Für Schreyer hängt das damit zusammen, dass die Koreaner nach vorne streben, ehrgeizig sind und auch stolz auf ihr Land.

Anfahrt auf den internationalen Flughafen von Seoul. Der Globetrotter Schreyer eilt zum Nachtflug nach München und für Koreas Autoindustrie geht die Aufholjagd weiter. Peter Schreyer ist zwar nur einer von vielen Experten aus dem Ausland, aber ein eminent wichtiger. Mit Know-how und Erfahrung aus dem Autoland Deutschland will das kleine Südkorea an die Weltspitze der Autobauer fahren.

Die Koreaner zahlen für ihren Turbo-Aufstieg in die erste Liga der Industrieländer jedoch einen recht hohen Preis. Das asiatische Land weist bei allen Erfolgen einen Negativrekord auf. Die Koreaner haben eine der niedrigsten Geburtenraten der Welt. Sicher eine der größten Herausforderungen, die Korea meistern muss, damit der Aufstieg weitergehen kann.

Sendedaten
Sonntag, 6. Juli 2014, 6.15 Uhr

Ein Film von Jürgen Natusch
Dreharbeiten
© juergen_ natusch_nKorea ganz nah
Das ZDF-Team war zwei Wochen lang in Korea unterwegs: makro-Redakteur Jürgen Natusch, Kameramann Nils Claus, Producer Malte Kollenberg und Dolmetscherin Kim Hyo Jin.
Impressionen
© juergen_ natusch_nHightech-Land Korea
Korea bleibt weiter hungrig. Europa muss in Zukunft aufpassen, dass Asien ihnen nicht die Butter vom Brot nimmt. Mit der Globalisierung hat der internationale Wettbewerbsdruck zugenommen.
Wirtschaftsdokumentationen
© reutersWeitere Wirtschaftsdokumentationen der Redaktion makro finden Sie hier.
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