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Vorschau
Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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Sendung ansehen © ZDF Michael Pohl Video
Bildung ist der Schlüssel für die Zukunft. Der Staat gibt für Bildung aber kaum Geld aus. Entsprechend miserabel ist das Schulsystem.
Blackbox Pakistan
Teil 2 - Arbeit und Bildung für alle?
Seit 1950 hat sich die Bevölkerung Pakistans mehr als vervierfacht auf gut 180 Millionen. Die Ressourcen des Landes halten mit dieser Bevölkerungsexplosion nicht mit. Aber der Staat hat kein Konzept für die Zukunft.
Das Durchschnittsalter in Pakistan liegt bei nur 21 Jahren. Es strömen wahre Heerscharen junger Menschen auf einen Arbeitsmarkt, der ihnen keine Arbeit anzubieten hat. Eine der Folgen ist die Landflucht. Immer mehr Menschen drängen in die großen Städte: Karachi hat zwischen 18 und 20 Millionen Einwohner, Pakistans zweitgrößte Stadt, Lahore, um die 10 Millionen.

Ab in die Stadt
© ZDF Michael Pohl Lupe
Mohsin Hamid hat es geschafft - als Schriftsteller. Passenderweise mit dem Roman "How to get filthy rich".
Die großen Städte sind die wirtschaftlichen Experimentierfelder der Zukunft, meint Mohsin Hamid. Er ist einer der erfolgreichsten Schriftsteller Pakistans. Sein jüngster Roman "So wirst Du stinkreich im boomenden Asien" beschreibt als eine Art "Do-it-yourself-Handbuch" den Aufstieg eines jungen Mannes vom Lande. Der Schlüssel zum Erfolg in dieser fiktiven Geschichte, in der sehr viel Wahrheit steckt, ist der Umzug in die Stadt. Eine Bewegung, die auch in der Realität nicht aufzuhalten ist.

"Die Menschen ziehen massenweise in die Städte, weil die Auswanderung immer schwieriger wird", erklärt Mohsin Hamid. "Du kannst nicht mehr nach Deutschland oder in die USA. Aber Du kannst problemlos nach Lahore oder Karatschi ziehen. Und diese interne Migration ist heute viel gewaltiger als die Emigrations-Bewegung."

Probleme der Migration
© ZDF Michael Pohl Lupe
Aus Mangel an wirtschaftlichen Strukturen bleibt vielen Pakistanis nur ein Dasein als Kleinstunternehmer.
Das jedoch bringt enorme Probleme mit sich. In den großen Städten heizen religiöse Fanatiker einen blutigen Bürgerkrieg zwischen verschiedenen Religionsgruppen an. Jedes Attentat zieht Generalstreiks nach sich, die das Leben oft tagelang völlig zum Erliegen bringt. Die Staatsmacht schaut tatenlos zu. Das schreckt ausländische Investoren ab. Gift für die lokale Wirtschaft.

Und dennoch strömen Hunderttausende Pakistaner Jahr für Jahr in die Metropolen. Sie eröffnen kleine Betriebe. Damit verdienen sie im Schnitt 80 bis 120 Dollar im Monat. Das entspricht in etwa dem Durchschnittseinkommen in Pakistan. Damit schaffen sie es immerhin, ihre Familien durchzubringen.

"Unternehmertum hat viel mit Querdenken zu tun. Pakistaner sind phantastische Unternehmer, denn es geht ums nackte Überleben. In einer Gesellschaft mit wenig Ressourcen, einer inkompetenten Regierung und einem schier unüberbrückbaren Klassensystem musst du einfach clever sein", meint Schriftsteller Mohsin Hamid.

Bildung als Schlüssel
Die Ausbildung der staatlichen Schulen gilt als katastrophal. Sie kosten zwar nichts, sind aber total unterfinanziert. Zwei Drittel der schulpflichtigen Kinder besuchen die Grundschule. Aber weniger als die Hälfte von ihnen beendet nach einer UNESCO-Untersuchung die 5. Klasse.

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Zahir Hassan Watto ist heute Literaturprofessor. Damit er studieren konnte, musste die ganze Familie Opfer bringen.
Zahir Hassan Watto gehört zu denen, die den Wohlstandssprung geschafft haben, obwohl seine Herkunft ihn dafür nicht prädestiniert hat. Der 28jährige kommt aus einer bitterarmen Familie. In seinem Dorf gab es niemanden, der lesen oder schreiben konnte. Heute ist Watto Literaturprofessor am College in Lahore und gibt eine Zeitschrift heraus. "Wenn jemand vom Land es zu etwas bringen will, geht das nur, wenn andere dafür große Opfer bringen", erklärt er. "Meine Brüder und Schwester haben für mein Fortkommen bezahlt. Sie haben keine Ausbildung. Das werde ich ihnen nie vergessen, und ich werde es nie zurückzahlen können".

Seine Ausbildung führte Watto zunächst in die Arbeitslosigkeit. Irgendwann bekam er den Job am College. Und damit eine vernünftige Wohnung und eine Hausangestellte. Watto verdient umgerechnet etwa 380 Dollar im Monat. Ein Auto ist bestellt und demnächst wird er auch seine Frau in die Stadt holen. "Die Menschen auf dem Land sind 100 Jahre zurück. Sie sind vom modernen Leben abgeschnitten", stellt er fest und fordert deshalb: "Gute Bildung muss umsonst sein".

Wer lernen will, muss zahlen
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Lernen unter freiem Himmel. Der Staat hat kein Konzept für die Zukunft.
Die Analphabeten-Rate in Pakistan ist mit deutlich mehr als 40 Prozent eine der höchsten der Welt. Und ein Großteil dieser Analphabeten sind Mädchen und Frauen. Wer mit deutlich besseren Chancen in die Zukunft starten soll, muss eine der vielen Privatschulen besuchen. Sie verfügen über das, was dem staatlichen Schulsystem fehlt: eine ausreichende finanzielle Ausstattung.

Tatsächlich ist der Bildungsetat Pakistans im Vergleich zu dem, was das Land für Militär und Geheimdienste ausgibt, ein Witz. Pakistan unterhält die sechstgrößte Armee der Welt. Experten schätzen, dass 30 bis 40 Prozent des Haushaltes in den Sektor Sicherheit fallen. Gesundheits- und Bildungssystem müssen sehen, wo sie bleiben. Wer also eine vernünftige Ausbildung für seine Kinder möchte, muss zahlen: Die Eltern kostet es umgerechnet etwa 20 bis 120 Dollar im Monat, den Nachwuchs für die Welt draußen konkurrenzfähig zu machen.

Sendedaten
Freitag, 21. Februar 2014, 21.00 Uhr
Wiederholung: Sonntag 6.15 Uhr

Ein Film von Katrin Sandmann

Erstausstrahlung: 03.05.2013
Infos
© ZDF Michael PohlLupeMittendrin statt nur dabei: Reporterin Katrin Sandmann (r., blaue Bluse) und Kameramann Michael Pohl (l., rotes T-Shirt) auf einem Straßenmarkt in Karatschi.
Mediathek
Sehen Sie hier die gesamte Dokumentation in unserer Mediathek.
Dreharbeiten in Pakistan
© ZDF Michael PohlBitterste Armut, grenzenloser Wohlstand und dazwischen viele pfiffige Kleinstunternehmer: "makro"-Reporterin Katrin Sandmann hat Pakistan als ein Land unüberbrückbarer Gegensätzeerlebt - und dennoch Menschen voller Hoffnung getroffen.
Pakistan: Das Millionenrätsel
© ZDF Michael PohlPakistan ist erstaunlich. Das Land hat einen völlig verlotterten politischen Betrieb, exemplarisch defizitäre Staatsunternehmen, hängt am Tropf des IWF - und trotzdem ist Pakistan noch nicht implodiert oder explodiert oder ähnliches. Wie machen die das bloß?
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Indien fasziniert. Eine aufstrebende Großmacht, die uns näher scheint als das undurchschaubare China. Dabei bleibt es ein Land voller Rätsel: Nirgendwo gibt es so viel Arme, nirgendwo kauft man so viel Gold.
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