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Vorschau
Sendung am 20. Oktober
Knappe Medikamente
Antibiotika, Impfstoffe oder Krebsmedikamente - Lieferengpässe bei Arzneimitteln sind immer häufiger. Viele Medikamentenhersteller sind von einzelnen Zulieferern abhängig.
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Rückblick
Sendung vom 6. Oktober
Schöne neue Landwirtschaft?
Der Kauf des Gentechnikspezialisten Monsanto ist für die Bayer AG ein zweischneidiges Schwert: schlechte Reputation gegen gute Gewinne. Trotzdem: Der Mega-Deal könnte die Zukunft der Landwirtschaft erheblich verändern.
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Sendung ansehen © Ulrike Wittern Video
Mandeep Singh besitzt 26 Hektar Land. In Indien macht ihn das zu einem wohlhabenden Mann.
Hungriges Indien
Teil 4 - Punjab: Indiens Kornkammer
Großkonzern trifft Kleinbauer: Der Bundesstaat Punjab gilt als Kornkammer Indiens und steht für einen gewissen Wohlstand. Auch Wal-Mart ist schon hier. Das sorgt allerdings für Ärger.
Zu den wohlhabenderen Bundesstaaten zählt Punjab. Dort treffen wir den Kleinbauern Bachan Das wieder. Seit sieben Jahren arbeitet der 22-Jährige hier regelmäßig. Die nächsten acht Monate wird er mit anderen Landarbeitern in einer Hütte leben. Sein Chef Mandeep Singh erkundigt sich nach der Familie. Schon Bachans Vater und sein Onkel haben hier Geld dazuverdient.

Mandeep Singh bewirtschaftet insgesamt 26 Hektar Land, beschäftigt mehrere Hilfskräfte. Umgerechnet rund 100 Euro verdient Bachan hier im Monat. Dafür spritzt er die Felder, hilft bei der Ernte und baut Kanäle zur Bewässerung. Punjab gilt als die Kornkammer Indiens - auch weil Bauern wie Mandeep Singh technisch besser ausgerüstet sind.

Strom, Brunnen, Traktor
Das fängt bei der Strom- und Wasserversorgung an. Täglich gibt es vier Stunden Strom - kostenlos. Ein Knopfdruck genügt und die Pumpe im eigenen Brunnen springt an. "Wir Punjabis arbeiten sehr hart", sagt Mandeep Singh. "Früher war das Land nicht besonders fruchtbar. Aber mit dem Einsatz von Dünger und moderner Technik haben wir die Erträge unserer Felder steigern können. Deshalb sind wir erfolgreicher. Außerdem haben wir die Landwirtschaft von unseren Vorfahren praktisch in die Wiege gelegt bekommen."

Sogar einen eigenen Traktor hat Mandeep Singh. Den fährt er immer selbst. Viele Bauern in Punjab sind auch besser ausgebildet. Der 26jährige hat Agrarwissenschaften studiert - kennt sich aus mit Dünger und Pflanzenschutz.

Wal-Mart nimmt nur beste Qualität
© Ulrike Wittern Lupe
Moderne Supermärkte gibt es in Indien erst wenige. Die kleinen Ladenbesitzer wehren sich gegen die Konkurenz.
Für die Blumenkohlernte bestellt der Bauer einen extra Erntetrupp. Ein Teil des Kohls geht direkt an den Handelskonzern Wal-Mart. Das US-amerikanische Unternehmen betreibt 14 Großmärkte in ganz Indien und kauft dafür das Gemüse direkt von den Erzeugern. Vorteil für Landwirte wie Mandeep Singh: Der Konzern stellt das Verpackungsmaterial und holt die Ware auch ab. Zudem zahlt Wal-Mart einen höheren Preis.

"Das Problem ist, das Wal-Mart nur die beste Qualität abnimmt. Den Rest kann man dann nur schwer auf dem Markt verkaufen. Deshalb ist der Vorteil durch Wal-Mart gering", sagt Singh. "Außerdem behält das Unternehmen auch eine hohe Marge für sich. Uns zahlen sie 10-12 Rupien, verkaufen den Blumenkohl aber selbst für 20."

Ausländische Supermärkte bleiben verboten
Unter der Marke "Best Price" betreibt Wal-Mart die Großmärkte mit dem indischen Konzern Bharti als Gemeinschaftsunternehmen. Der Markt in Ludhiana, den wir besuchen, hat vor einem Jahr eröffnet und führt rund 6000 Artikel. Die Ware stammt zum Großteil von Produzenten aus dem Umkreis. Bislang richtet sich das Angebot aber ausschließlich an Unternehmer, wie Händler oder Restaurantbetreiber.

Moderne Supermärkte wie diesen, gibt es nur wenige in Indien. Doch alle großen internationalen Handelsriesen wollen das ändern, angelockt von einem Markt mit Millionen von Kunden. Derzeit verbietet aber ein Gesetz ausländischen Firmen, die Mehrheit an indischen Supermärkten zu besitzen.

Die Regierung möchte das gerne ändern und plant eine Öffnung der Märkte. Die soll Investitionen ins Land holen und das Warenangebot langfristig sicherstellen. Allerdings ist die Regiegung unter Ministerpräsident Manmohan Singh zunächst ein weiteres Mal an diesem Vorhaben gescheitert.

Kleine Landenbesitzer laufen Sturm
Die Betreiber solcher kleiner Läden, sogenannten Kirana-Shops, laufen dagegen Sturm. Hardeep Kumar betreibt so ein Lebensmittel-Geschäft bereits in der dritten Generation. Der Laden sieht aus wie ein größerer Kiosk, aber auf dieser kleinen Fläche gibt es fast alles, was man zum täglichen Leben braucht. Auch Weizen, Reis und frische Milch.

Bislang ist der Einzelhandel fest in der Hand der Kirana-Shops. Hardeep Kumar hat viele Stammkunden. Doch schon jetzt leidet sein Geschäft unter dem Großmarkt in der Nähe. "Es hieß, Wal-Mart würde nur an Geschäftsleute verkaufen. Aber wenn Sie heute in die Märkte gehen, findet man vielleicht zwei bis drei Händler und 200 bis 300 Privatkunden. Ich weiß nicht, warum sie denen auch erlauben, dort einzukaufen", ärgert sich Hardeep Kumar. Der Massenprotest der kleinen Händler hatte Erfolg. Die Reform ist erst einmal gestoppt.

Coaching vom Weltkonzern
© Ulrike Wittern Lupe
Arbeitsschutz ist praktisch unbekannt. Bachan versprüht Pestizide ohne Mundschutz, Handschuhe und barfuß.
Wal-Mart glaubt dennoch an den indischen Markt und will weitere Warenhäuser eröffnen. Dafür schult der Konzern zusammen mit dem deutschen Unternehmen Bayer Crop Science die Bauern in der Region. Bislang mangelt es an Ausbildung und Arbeitsschutz. In speziellen Kursen lernen sie deshalb den richtigen Umgang mit Pestiziden. Das soll zum einen die Erträge erhöhen, zum anderen will Wal-Mart auf diese Weise eine eigene verlässliche Angebotskette in Indien aufbauen.

"Wir müssen sowohl an der Quantität als auch an der Qualität arbeiten", erzählt Bayer-Projektofficer Balvir Singh. "Wir brauchen höhere Erträge um den steigenden Bedarf durch die wachsende Bevölkerung zu decken. Aber wir glauben, es gibt dafür noch jede Menge freie Ackerfläche in Indien." Darüber hinaus sieht er großes Potenzial, die Produktivität zu steigern. Im Vergleich zu anderen Entwicklungsländern habe Indien hier Nachholbedarf.

Sendedaten
Freitag, 9. August 2013, 21.00 Uhr

Ein Film von Ulrike Wittern

(Erstausstrahlung: 01.06.2012)
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© Ulrike WitternUnterwegs in Indien
makro-Redakteurin Ulrike Wittern hat auf ihrer Reise durch die indischen Bundesstaaten Bihar und Punjab so einiges erlebt. Aber lesen Sie selbst!
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Indien fasziniert. Eine aufstrebende Großmacht, die uns näher scheint als das undurchschaubare China. Dabei bleibt es ein Land voller Rätsel: Nirgendwo gibt es so viel Arme, nirgendwo kauft man so viel Gold.
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© dpaHungriges Indien