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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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Sendung ansehen © Ulrike Wittern Video
Für den Transport muss sich Kleinbauer Bachan aus der Nachbarschaft einen Ochsenkarren leihen.
Hungriges Indien
Teil 3 - Kleine Bauern, große Armut
Indiens Landwirtschaft ist eine weitgehend technologiefreie Zone. Es gibt zu wenig guten Samen, zu wenig Landmaschinen, zu wenig Knowhow und vor allem keine vernünftige Bewässerung. Da nützt der beste Boden nichts.
Auch deshalb gehören die Bauern zum ärmsten Teil der Bevölkerung. Viele leben in Dörfern wie Mahamadi im Bundesstaat Bihar. Hier sind fast alle Einwohner Kleinbauern. Der 22 jährige Bachan ist einer von ihnen. Seiner Familie gehören ein kleines Stück Land, und ein paar Tiere. Davon allein kann die Familie aber nicht leben. Deshalb arbeitet Bachan acht Monate im Jahr als Landarbeiter im über 1000 Kilometer entfernten Punjab.

Nur wenige Tage im Jahr ist er zuhause. Dann kümmert er sich um seine eigenen Felder. Er baut Weizen, Erbsen, Mais oder Linsen an. Das meiste verbraucht die Familie selbst. Zum Verkaufen bleibt kaum etwas übrig. "Die Ernte ist nicht so gut dieses Jahr", erzählt Bachan Das. "Es gab zu wenig Regen, deshalb haben wir Wassermangel. Alle Bauern warten auf den Regen", fügt Bachan hinzu. Und oft komme der Regen auch nicht zur rechten Zeit. Wer eine eigene Pumpe hat, ist im Vorteil und kann seine Ernte verbessern.

Warten auf den Monsun
Mit einer solchen Pumpe bewässern die Dorfbewohner ihre Felder. Ein Diesel-Generator treibt die Pumpe an, denn Strom gibt es nicht im Dorf. Der Wassermangel ist eines der Hauptprobleme der indischen Agrarwirtschaft. Und macht die Landwirtschaft extrem wetterabhängig. Es fehlt an moderner Technik und Fachwissen. Fällt die Ernte schlecht aus, steht den Bauern das Wasser schnell bis zum Hals. Viele haben Schulden.

Auch Bachans Familie. Er lebt mit seiner Frau, seinem Bruder, dessen Frau und deren drei Kindern in einer kleinen Hütte. Insgesamt acht Personen teilen sich die zwei Zimmer. Dass die ganze Familie zusammenwohnt, ist in Indien üblich. Sein 72jähriger Vater erledigt die Feldarbeit, wenn Bachan im weit entfernten Punjab den Lebensunterhalt verdient.

Gekocht wird über dem Feuer. Das ist Sache der Frauen, die sich sonst im Hintergrund halten. Das Essen ist einfach. Es gibt das, was die Felder abwerfen. Staatliche Hilfen wie Subventionen gibt es praktische keine für Bauern wie Bachan. Dann heißt es Abschied nehmen für Bachan. Acht lange Monate wird er nun als Landarbeiter bei einem anderen Landwirt arbeiten. Wie es ihm dort ergeht - dazu später mehr.

Landflucht in die Megastädte
© Ulrike Wittern Lupe
Vor den Essensspenden in Neu Delhi bilden sich lange Schlangen.
Viele arme Bauern fliehen vom Land in Megastätte wie Neu-Delhi, wo sie auf der Straße oder in Slums hausen. In keinem anderen Land der Welt hungern so viele Menschen wie in Indien. Garküchen, die besonders billiges Essen verkaufen, gibt es nur in der Stadt. Über 200 Millionen Menschen, vor allem auf dem Land, leiden an chronischer Unterernährung.

Vor den Tempeln verteilen Gläubige Essens-Spenden. Für viele ist dies die einzige Hilfe. Es gibt ein staatliches Arbeitsbeschaffungsprogramm, doch häufig versickert das Geld, bevor es bei den Menschen ankommt. Die Korruption ist noch immer eines der größten Hemmnisse in Indien.

Das Geld versickert
Das gilt auch für die sogenannten Ration Shops, der staatlichen Lebensmittelausgabe an Arme. Hier gibt es Reis, Mehl und Zucker zum halben Preis. Einkaufen darf hier nur, wer unterhalb der Armutsgrenze lebt. Das heißt, ein Monatseinkommen von unter 50 Euro hat. Das gilt für ein Viertel der Bevölkerung. Die Läden öffnen immer am Monatsanfang, wenn die Ware eintrifft. Oft ist schon nach kurzer Zeit alles ausverkauft. Sofern die Lieferung überhaupt vollständig angekommen ist.

Auf der Lebensmittelkarte ist genau vermerkt, wie viel jedem zusteht. Har Prasad führt den Laden schon seit 30 Jahren. Er sagt: "Es gibt sehr viele arme Leute. Aber nicht alle, die bedürftig sind, bekommen so eine Karte." Jetzt will die Regierung die Buchhaltung digitalisieren und damit die Korruption eindämmen.

Samen, Dünger, Traktoren, Knowhow
Lokesh und Roopa Vanvari sind auf solche Hilfen nicht angewiesen. Sie gehören zu Indiens Mittelschicht, können sich sogar ein eigenes Auto leisten. Lokesh Vanvari ist Vermögensverwalter und hat ein kleines Büro in Neu-Delhi. Seine Frau Roopa arbeitet halbtags mit. Das Vermögen ihrer Kunden legen die Vanvaris an der indischen Börse an. Dafür beobachtet Lokesh die Märkte ganz genau. Auch die Preise von Agrar-Rohstoffen.

Er glaubt: Regierung und Unternehmen müssten mehr in die Landwirtschaft investieren. "Der Transport und die Verteilung der Lebensmittel sind sehr schlecht organisiert. Es gibt sehr viel fruchtbares Land in Indien, aber wir nutzen viel zu wenig die modernen Technologien wie bessere Samen, Dünger und moderne Maschinen. Nur in einigen Bundesstaaten gibt es erste Verbesserungen," meint Lokesh Vanvari.


Sendedaten
Freitag, 9. August 2013, 21.00 Uhr

Ein Film von Ulrike Wittern

(Erstausstrahlung: 01.06.2012)
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© Ulrike WitternUnterwegs in Indien
makro-Redakteurin Ulrike Wittern hat auf ihrer Reise durch die indischen Bundesstaaten Bihar und Punjab so einiges erlebt. Aber lesen Sie selbst!
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Indien fasziniert. Eine aufstrebende Großmacht, die uns näher scheint als das undurchschaubare China. Dabei bleibt es ein Land voller Rätsel: Nirgendwo gibt es so viel Arme, nirgendwo kauft man so viel Gold.
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© dpaHungriges Indien