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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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Wenn Bauern auf dem Markt ihre Ware verkaufen, kassieren vor allem die Zwischenhändler.
Hungriges Indien
Teil 2 - Märkte und Mittelsmänner
Die Bauern selbst haben kaum Einfluss auf den Preis ihrer Ware. Auch nicht auf dem Markt. Dort verkaufen sie die Ware an Händler, die den Preis festlegen und eine satte Provision kassieren.
Wir fahren aufs Land - dorthin, wo Gemüse angebaut wird. Der Bundesstaat Bihar liegt im Nordosten Indiens und ist eine der ärmsten Regionen des Landes. Die meisten Menschen hier sind Bauern.

Die Landwirtschaft ist noch immer ein wichtiger Wirtschaftszweig, denn über die Hälfte der Bevölkerung hängt direkt oder indirekt davon ab. Doch während andere Branchen zweistellig wachsen, tritt die Agrarwirtschaft auf der Stelle. Sie macht heute nur noch 17 Prozent der indischen Wirtschaftsleistung aus.

Dabei ist das Land sehr fruchtbar. Das ganze Jahr über wird geerntet - bis zu drei Mal pro Feld. Die meisten hier sind Kleinbauern und haben nicht mehr als 2-3 Hektar Land. Fast alles ist Handarbeit - auch die Erbsenernte. Wer es sich leisten kann, beschäftigt dafür Hilfskräfte.

40 Prozent der Lebensmittel verderben
© Ulrike Wittern Lupe
Berge von Erbsenschoten auf dem Großmarkt.
Ihm gehören die Erbsen: Dem Bauern Vinod Singh. Am nächsten Morgen macht sich der Landwirt auf den Weg zum Markt. Das ist Chefsache. Rund 500 Kilo Erbsen will er heute verkaufen. Ein eigenes Fahrzeug hat er nicht. Für den Transport hat sich der 42jährige deshalb ein TukTuk gemietet. "Ich habe etwa ein Hektar Land, wir bauen Getreide an, damit verdienen wir etwa die Hälfte. Zusammen mit dem Gemüse können wir gut davon leben und brauchen uns keine zusätzliche Arbeit zu suchen," berichtet Vinor Singh.

Für die 20 Kilometer zum Großmarkt braucht Vinod Singh rund eine Stunde. Das ist ganz normal in Indien. Die schlechte Infrastruktur bremst die Wirtschaft und kostet das Land jährlich rund zwei Prozent Wachstum. Auch die Lebensmittel leiden unter dem Transport. Oft fehlen Verpackungen oder Abdeckungen, die Ware ist manchmal stundenlang der Sonne ausgesetzt. Kühl- oder Lagermöglichkeiten gibt es kaum. 40 Prozent der Lebensmittel in Indien verderben, bevor sie beim Verbraucher ankommen.

Bauer Singh bekommt 20 Cent
Auf dem Großmarkt in Hajipur verkauft Vinod Singh regelmäßig seine Erzeugnisse. Die Bauern kommen aus dem gesamten Umkreis hierher. Es wimmelt von Verkäufern, Käufern und Händlern. Auch hier ist längst nicht mehr alles frisch.

Jetzt kommen auch die Erbsen von Vinod Singh unter den Hammer. Ein Zwischenhändler, in Indien Mittelsmann genannt, verkauft die Erbsen für den Bauern. Einfluss auf den Preis hat Vinod Singh dabei nicht. 14 Indische Rupien bekommt er heute pro Kilo - das sind umgerechnet rund 20 Cent. Kein schlechter Preis meint Singh: "Unsere Kosten steigen ja auch. Zum Beispiel der Dünger, den wir früher für 20 Rupien pro Kilo gekauft haben, kostet heute 30. Die Kosten steigen, also sollten unsere Preise auch steigen."

Provision für den Mittelsmann
© Ulrike Wittern Lupe
Trotz einer insgesamt ausreichenden Menge an Lebensmitteln, ist die Not vieler Menschen offensichtlich.
Aber die Presie machen die Mittelsmänner und kassieren dafür kräftig ab. Für jedes Geschäft nehmen sie fünf Prozent Provision. Die meisten Bauern beliefern wie Singh nur einen Mittelsmann, auf den sie angewiesen sind. Andere Möglichkeiten ihre Ware zu verkaufen, haben die meisten nicht. Es heißt zudem, die Mittelsmänner würden die Ware horten und die Preise zusätzlich anheizen.

"Die Bauern kennen die Marktpreise ja gar nicht," erklärt der Händler Mohan Chaudhary. "Die haben gar keine Ahnung wie der Markt funktioniert. Wir sorgen dafür, dass Käufer und Verkäufer beide daran verdienen und einen fairen Preis bekommen. Beide hängen ja voneinander ab." Die Leidtragenden sind die Bauern. Sie profitieren kaum von höheren Preisen.



Sendedaten
Freitag, 9. August 2013, 21.00 Uhr

Ein Film von Ulrike Wittern

(Erstausstrahlung: 01.06.2012)
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