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Vorschau
Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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Video ansehen © jürgennatusch Video
Kaffeebauer Suge kann mit seiner kleinen Kaffeeplantage seine Familie kaum ernähren und das trotz Fair-Trade.
Aufbruch in Äthiopien
Teil 3 - Mit Suge im Kaffeewald
Fast der gesamte Kaffee Äthiopiens stammt von Kleinbauern. Äthiopischer Kaffee kommt vom Hochland, es zählt Qualität statt Masse. Trotzdem können die Kaffeebauern vom Ertrag kaum leben. Sie bekommen nur zehn Prozent des Profites.
Die Provinzstadt Gimbi hat 40.000 Einwohner, eine Kaffeehochburg. Äthiopien ist einer der größten Exporteure der Welt von Arabica-Kaffee, der beliebtesten Sorte der Deutschen. Rund um Gimbi erstrecken sich neben Getreidefeldern malerische Kaffeewälder - der Lebensunterhalt von Kleinbauern und deren Familien.

Zusammen mit seinen Söhnen bewirtschaftet Suge Oumeda einen Hektar Kaffeewald und beackert daneben noch ein Maisfeld. Suges Kaffeebäume kommen ohne kostspieligen Kunstdünger aus. Die Ernte des 45-jährigen kann eine Kooperative deshalb als Fairtrade-Kaffee verkaufen.

Der Kaffeebauer ist besorgt: "Ich habe viele Ausgaben. Ich schicke acht von meinen zehn Kindern zur Schule. Wenn die Lebensmittel zur Neige gehen, muss ich neue kaufen. Dann könnte es schwierig werden mit der Schule. Wenn ich nicht genug verdiene, muss ich meine Kinder von der Schule nehmen."

Bauer Suge zeigt seine Familie. © Jürgen NatuschLupe
Es fehlt das Geld: Nur 8 von 10 Kindern können zur Schule gehen. © Jürgen NatuschLupe
Freizeit ist Fremdwort: Suges Frau hat mit zehn Kindern und Feldarbeit reichlich arbeit. © Jürgen NatuschLupe

Zehn hungrige Mäuler
Ein Teufelskreis. Denn Bildung ist der Schlüssel im Kampf gegen Armut. Fast der gesamte äthiopische Kaffee stammt von Kleinbauern wie Suge. Nur 10 Prozent des Kaffeepreises bleibt bei ihnen hängen. 90 Prozent stecken die Transporteure, Vermarkter und Händler ein.

Suges Lehmhaus hat weder Strom noch fließend Wasser, das ist Alltag auf dem Land und riesiger Hemmschuh für die Wirtschaftsentwicklung. Ein saurer Pfannkuchenteig aus der äthiopischen Getreidesorte Teff steht auf dem spärlichen Speiseplan. Die Nationalspeise Injera ist Lebensmittel morgens, mittags und abends.

Als Vater von zehn Kindern ist Kaffeebauer Suge im Dorf hoch angesehen. Die Kinder sind seine Altersvorsorge. Für die Mütter und Ehefrauen ist der Kinderreichtum aber kaum zu bewältigen. "Wir erledigen sehr viel Hausarbeit jeden Tag. Dazu zählt auch Unkraut jäten und Bäume beschneiden. Ich kann mich weder im Sommer noch im Winter ausruhen. Neben der Hausarbeit arbeite ich auch noch im Dorf mit", erzählt Alemi Kitila, die Ehefrau von Suge.

Fließendes Wasser ist auf dem Land noch Luxus. Es wird mit Kanistern kilometerweit herbeigeschleppt. © Jürgen NatuschLupe
Frauen an der Wasserstelle: Trotz einfachster Lebensumstände bunt herausgeputzt. © Daniel RaquetLupe
Arbeit statt Schule - Kinder unterstützen ihre Familien. © Jürgen NatuschLupe

Neue Lagerhallen
Geröstete Kaffeebohnen werden zu Pulver zerstampft. Eine Handvoll Kaffeepulver reicht für eine ganze Familie, deren Bande in Afrika noch weitaus stärker sind als in Deutschland. Die Kinder wird es trotzdem nach Addis Abeba ziehen, in der Hoffnung auf Arbeit und Geld.

Die Kaffeeernte aus der Region landet in Gimbi wie auch andernorts in neugebauten Zwischenlagern. Jede einzelne Bohne ist wertvoll, angebaut und geerntet in mühevoller Handarbeit. Mit seinem Hochland-Kaffee setzt Äthiopien auf Qualität statt Masse. Die neuen Lagerhallen sind ein Segen für die Bauern. Nach guten Ernten können Reserven für schlechte Jahre angelegt werden.

Die Kaffeelaster werden vor ihrer Tagesreise nach Addis Abeba verplombt. So kann auf der Fahrt keine Ladung mehr zufällig runterfallen. Zur Erntezeit von Dezember bis Februar sind die weißen LKWs im Dauereinsatz zwischen den Regionen im Südwesten und den Verarbeitungsbetrieben in der Hauptstadt.

Sendedaten
Sonntag, 1. September 2013,
6.15 Uhr

Ein Film von Jürgen Natusch

(Erstausstrahlung: 27.01.2012)
Mediathek
Sehen Sie hier die komplette Dokumentation in unserer Mediathek.
Blog
© Daniel RaquetUnterwegs in Äthiopien
makro-Redakteur Jürgen Natusch hat auf seiner Reise über das äthiopische Hochland zur Urquelle des Kaffees so einiges erlebt. Aber lesen Sie selbst!
Dreharbeiten
Ganz nah dran
Das ZDF-Team war zwei Wochen lang in Äthiopien unterwegs. Wo immer sie ihrer Kamera auspackten, waren sie sofort umringt von Menschen. In der Hauptstadt Addis Abeba war besonders schnell die Stasi zur Stelle, auf dem Land waren es neugierige Kinder.
Infografik
LupeWestlich von Nekemte liegt die Kaffeehochburg Gimbi. Hier lebt auch Bauer Suge mit seiner Familie.
Schwerpunkt
Afrika
Wirtschaftsdokumentation
Aufbruch in Äthiopien