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Vorschau
Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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Video ansehen © jürgen natusch Video
Wellblechhütten müssen immer öfter modernen Wohnanlagen weichen und die Armen finden keine bezahlbare Unterkunft.
Aufbruch in Äthiopien
Teil 1 - Zwischen Bauboom und Kaffeegenuss
Addis Abeba boomt und wächst an allen Ecken. Während moderne Hochhäuser entstehen, lebt jeder vierte Äthiopier noch vom Kaffeeanbau und kann sich nicht einmal eine Einbauküche leisten.
Feierabend in Addis Abeba. Kaldi’s Coffee, Starbucks auf afrikanisch - ein angesagter Treffpunkt in der äthiopischen Hauptstadt, wo sich die Schicki-Micki-Szene trifft. Jeder vierte Äthiopier lebt vom Kaffee. Beliebtes Genussmittel, wichtigstes Exportprodukt und größter Devisenbringer. Auf einen kleinen Unterschied sind die neureichen Hauptstädter stolz. Der Kaffee bei Kaldis schmecke besser als beim US-Vorbild.

Äthiopien hat ehrgeizige Pläne. Schon die nächste Generation soll in einem Staat mit einer breiten Mittelschicht aufwachsen. In Addis Abeba leben drei Millionen Menschen, vielleicht auch vier oder fünf. Die junge Bevölkerung hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Feste Arbeitsplätze sind noch Mangelware. Meist mehr als 2.000 Meter hoch, ist das Land der Sonne nah. Ideal für den Kaffeeanbau. Eis und Schnee kennen Äthiopier nur aus dem Fernsehen. Deutsche Fernseh-Zuschauer kennen Äthiopien vor allem als Dürre- und Hungerland. Das ostafrikanische Kaffeeland ist dreimal so groß wie Deutschland und hat 85 Millionen Einwohner. Die Wirtschaft konzentriert sich in Addis Abeba.

Kaldi's Coffee ist das äthiopische Pendant zu Starbucks. © Jürgen NatuschLupe
Bei Kaldi's trifft sich, wer es in der äthiopischen Wirtschaft zu etwas bringt. © Jürgen NatuschLupe
In Addis gibt es Aufschwung, allerdings sind feste Jobs noch Mangelware. © Jürgen NatuschLupe

Erfolg aus der Kaffeebohne
Eine erfolgreiche Unternehmerin im Kaffeegeschäft ist Aster Mengesha. Die 54-jährige röstet und verkauft Spitzenkaffee aus Äthiopien, an Cafés, Botschaften und Touristen. Sie erklärt ihr Erfolgsgeheimnis: "Kaffee ist wie ein Lebensmittel. Beim Rösten haben die Frauen größeres Interesse gezeigt als die Männer. Dabei waren es die Männer, die ein Training von deutschen Entwicklungshelfern erhielten und die Frauen anschließend angeleitet haben. Die Frauen konnten beim Kaffee-Rösten auf ihre Erfahrungen zu Hause zurückgreifen. Ich vertraue meinen Arbeiterinnen. Sie sind immer pünktlich und leisten auch Überstunden. Deshalb arbeiten hier fast nur Frauen."

Die Arbeiterinnen kommen aus der Nachbarschaft. Einige haben vor 15 Jahren das Firmengebäude mit errichtet und danach einfach umgeschult von der Bauarbeiterin zur Kaffeerösterin. Schade, dass sich der Kaffeeduft nicht durchs Internet überträgt. Afrikas tatkräftige Frauen sind es, die den Kontinent voranbringen. Wenn Not an der Frau ist, packt die Chefin mit an. Ihre beiden ältesten Söhne studieren in den USA. Einer von beiden soll später mal den Betrieb übernehmen. Der Maschinenpark stammt übrigens aus Deutschland.

Die kleine Rösterei von Aster Mengesha in der Hauptstadt beliefert zahlreiche regionale Kunden. © Daniel RaquetLupe
Frauen gelten als die besseren Mitarbeiter: Sie sind pünktlich und arbeiten für wenig Geld. © Daniel RaquetLupe
Auch Frauen müssen für wenig Geld schwere Arbeit verrichten, sogar auf dem Bau. © Jürgen NatuschLupe

Auch Wunderläufer Haile Gebrselassie ist Kunde
Äthiopier haben vor 4000 Jahren den Kaffee entdeckt und den Genuss seitdem verfeinert. Zu Asters Kaffee-Kunden zählt auch der weltbekannte Marathon-Läufer Haile Gebrselassie, ebenfalls ein erfolgreicher Unternehmer und Nationalheld in Äthiopien. Solch gewichtige Kunden sind ideale Werbeträger für die kleine Kaffee-Rösterei in Addis Abeba.

Kaldi’s Coffee ist zwar kein Kunde der Kaffee-Rösterei, gehört aber ebenso zu den Erfolgsgeschichten des äthiopischen Wirtschaftsaufschwungs der vergangenen 10 Jahre. 2004 gestartet, besitzt die Kaffeehaus-Kette schon 14 Filialen. Ein Aushängeschild von Addis Abeba.

Wellblechhütten werden plattgemacht
Luxuriöse Wohntürme anstelle von schäbigen Wellblechhütten: Auch damit wird das Image der Hauptstadt aufpoliert, um internationale Investoren anzulocken. Diese Investoren sollen Arbeitsplätze bringen und so einen Aufstieg in die Mittelschicht ermöglichen. So weit die Regierungspläne.

Noch aber schleppt die Mehrheit der Bevölkerung Wasser, während sich nur eine Minderheit schon Einbauküchen leisten kann. Immer mehr Slums müssen Bürotürmen und Apartmenthäusern weichen. Rechtlich kein Problem, denn der Grund und Boden gehört in Äthiopien dem Staat. Im Vergleich zu den Investoren kümmert sich der Staat um die Besitzer der Wellblechhütten eher weniger.

Wollo Sefer ist eine der vielen Obdachlosen in Addis. "Sie haben uns eine Entschädigung für unser Haus versprochen", empört sie sich. "Wir sind so oft zur Ortsverwaltung gegangen, aber nichts geschah. Bevor wir uns um eine andere Bleibe kümmern konnten, sind wir rausgeworfen worden. Wir hatten ein Schlafzimmer, einen Wohnraum und eine Küche. Jetzt kann ich nirgendwo hin. Ich wollte genau wie die anderen ein Haus mieten. Aber ich habe kein Geld!", schimpft sie.

Sendedaten
Sonntag, 1. September 2013,
6.15 Uhr

Ein Film von Jürgen Natusch

(Erstausstrahlung: 27.01.2012)
Mediathek
Sehen Sie die komplette Dokumentation in unserer Mediathek.
Blog
© Daniel RaquetUnterwegs in Äthiopien
makro-Redakteur Jürgen Natusch hat auf seiner Reise über das äthiopische Hochland zur Urquelle des Kaffees so einiges erlebt. Aber lesen Sie selbst!
Dreharbeiten
Ganz nah dran
Das ZDF-Team war zwei Wochen lang in Äthiopien unterwegs. Wo immer sie ihrer Kamera auspackten, waren sie sofort umringt von Menschen. In der Hauptstadt Addis Abeba war besonders schnell die Stasi zur Stelle, auf dem Land waren es neugierige Kinder.
Infografik
LupeDreh- und Angelpunkt in Äthiopien ist Adis Abeba. Die Hauptstadt liegt 2400 Meter hoch.
Schwerpunkt
Afrika
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© reutersWirtschaftsdokumentationen
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Wirtschaftsdokumentation
Aufbruch in Äthiopien