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Sommerspecial
31.07
4 x 4 macht Deutschland
25 Jahre Deutsche Einheit: "makro" reist durch alle 16 Bundesländer und will herausfinden, wie sich die Wirtschaftsnation Deutschland auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet.
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Han Bao - Chinatown Hamburg
Teil 3 - Teehaus an der Elbe
In Hamburg eröffnet ein Teehaus. Original kopiert aus Shanghai. Shuanghao Shi ist an vorderster Front dabei. Dafür wohnt sie mit sieben Kolleginnen in einem Zimmer hinter der Küche und arbeitet 12 Stunden täglich. Ein Traum, sagt sie.
Shuanghao Shi ist Managerin in einem Gastronomieunternehmen. Sie will Karriere machen und ein Auslandsaufenthalt kann ihr dafür Tür und Tor öffnen. In zwei Tagen geht sie für ihre Firma nach Hamburg - die Stadt, in der so viele Chinesen leben wie nirgendwo sonst in Europa. Sie freut sich schon sehr darauf, in Deutschland zu arbeiten. "Ich habe Germanistik studiert, deshalb freue ich immer darauf, dass man in Deutschland bleiben und sich mit Deutschen austauschen kann."

Shuanghao fährt zum ersten Mal für längere Zeit ins Ausland, wie so viele Chinesen, die nach Europa kommen - zum studieren, arbeiten oder um Geschäfte zu machen. "Wenn man 35 Jahre oder noch länger zurückblickt, war die Vorstellung, ins Ausland zu gehen für die meisten Chinesen ganz schrecklich", sagt sie.

Pauken in der Pause
Lupe
Shuanghao bringt ihren Kollegen die Grundlagen der deutschen Sprache bei.
Auswandern ist eine Chance, für die Shuanghao alles gibt: 12-Stunden-Tage sind die Regel. Ihre Firma plant, in Hamburg ein Teehaus zu eröffnen. Shuanghao organisiert den Umzug ihrer ganzen Abteilung. Seit zwei Jahren versucht Shuanghao, ihren Mitarbeitern die Grundlagen der deutschen Sprache beizubringen. Kein leichtes Unterfangen.

Doch Chinesen sind ehrgeizig. Jeden Tag müssen die Kollegen in der Mittagspause eine Stunde lang Deutsch-Vokabeln pauken. Und das bei einem Arbeitstag, der selten vor acht Uhr abends zu Ende ist.

Shuanghao und ihr Chef arbeiten nun seit zwei Jahren an diesem Projekt. Die Stadtväter von Hamburg und Shanghai wünschen sich eine kulturelle Begegnungsstätte im original chinesischen Stil - mitten in der Hansestadt. Eine große Chance für Shuanghao: Früher waren Auslandsreisen nur einer kleinen, linientreuen Elite gestattet.

Karrieresprungbrett Auslandsjob
In Shanghai zählt das Teehaus zu den Wahrzeichen des alten Stadtkerns. Es kann nur über Umwege betreten werden. Böse Geister, heißt es, können nicht um die Ecke gehen. Den Zwilling dazu errichtet die Firma von Shuanghao nun in Hamburg.

Für die Hansestadt ist der Handel mit China zum Wachstumsmotor geworden. Chinesische Firmen werden mit einer eigenen Wirtschaftsförderung gelockt. Für Shuanghao ist auch nach 13 Stunden Flug an Pause ist nicht zu denken, Chinas junge Elite kennt keine Müdigkeit.

Lupe
Bald wird das chinesische Teehaus in der Hansestadt öffnen.
Das neue Teehaus ist fast fertig. In wenigen Tagen soll die große Eröffnungsfeier stattfinden. Die Verantwortung dafür, dass alles reibungslos klappt, trägt Shuanghao. Deshalb fängt sie lieber gleich an.

Shuanghao Shi hat den Ehrgeiz der chinesischen Jugend verinnerlicht: "Dass ich im Rahmen meiner Arbeit hier nach Hamburg kommen konnte, ist für die Entwicklung meiner Karriere unbedingt notwendig. Es bringt mich aber auch persönlich ein großes Stück weiter. Für mich ist das also eine sehr gute Sache. Deswegen habe ich auch alles dafür getan, dass ich hier herkommen und arbeiten konnte."

Zu siebt in einem Zimmer
Für einen Job im Ausland nehmen viele Chinesen Unbequemlichkeiten auf sich. "Bitternis essen" lautet ein geflügeltes Wort. Shuanghao teilt sich mit sieben anderen Kolleginnen ein kleines Zimmer hinter der Restaurant-Küche. Doch aus China ist sie es gewohnt, ständig Menschen um sich zu haben. Viele Chinesen empfinden Deutschland deshalb als menschenleer und manchmal unbehaglich.

Lupe
Die ehrgeizige Shuanghao nutzt das Internet als Fenster zur Welt.
Shuanghaos Fenster zur Welt ist der Internet-Chat: "Wir alle teilen durch das Internetzeitalter zahlreiche Informationen, was dazu führt, dass sich unser Blickfeld enorm weitet. Wir können uns also nun mit anderen Menschen vergleichen und deren Stärken entdecken. Dadurch erkennen wir auch, woran wir persönlich noch arbeiten sollten und wie wir unsere Probleme beständig lösen können." Sie persönlich denkt auch, dass Bildung hierbei das A und O sei. "Wenn man eine gute Ausbildung erhält, kann man seine eigenen entsprechenden Fähigkeiten steigern und die Anforderungen an sich selbst werden damit dann auch größer. Wenn jeder Mensch so dächte, könnte der Fortschritt noch weitaus schneller vonstatten gehen."

Endspurt zur Eröffnung
Und beim Teehaus? Um 12 Uhr soll die feierliche Eröffnung sein. Gerade erst sind die Bauarbeiten beendet. Hinter der traditionellen chinesischen Fassade steht eine Bautechnik, die auch von den strengen deutschen Vorschriften akzeptiert wird.

Shuanghao raucht der Kopf. Draußen muss ein Baum gefällt werden, und im Festsaal steht noch nichts an seinem Platz. Für Diskussionen bleibt keine Zeit mehr. Eine harte Probe für die chinesische Gelassenheit. Das Teehaus steht. In letzter Sekunde wurde doch noch alles fertig. Zeit für Shuanghaos ehrenvollste Aufgabe: Sie darf die Festrede ihres Chefs dolmetschen.

Sendedaten
Freitag, 22. Juni 2011, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag, 6.15 Uhr

Ein Film von Christian Schidlowski

(Erstausstrahlung: 05.10.2010)
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