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Sommerspecial
31.07
4 x 4 macht Deutschland
25 Jahre Deutsche Einheit: "makro" reist durch alle 16 Bundesländer und will herausfinden, wie sich die Wirtschaftsnation Deutschland auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet.
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Han Bao - Chinatown Hamburg
Teil 1 - Jetsetter der Kulturen
Mang Chen ist erfolgreicher Tourismusveranstalter mit Hauptsitz in Hamburg und Zweigstelle in Peking. Als armer Student kam er nach Deutschland, um das zu haben was der Westen hat: Wohlstand.
"Ich habe gar nicht vorgehabt, hier zu bleiben. Und dann habe ich die Chance gesehen, hier eine Firma zu gründen, das Geschäft zu machen, dann bin ich hier geblieben", sagt er.

Es ist ein Sommerabend in Hamburg. Der vielleicht bekannteste Pianist unserer Zeit gibt ein Open-Air-Konzert: Lang Lang, ein 29jähriger Superstar aus China. Im Publikum ist einer seiner größten Fans, der Tourismusveranstalter Mang Chen. Vor zwanzig Jahren kam er als armer Student nach Deutschland und hat sich inzwischen zum erfolgreichen Unternehmer hochgearbeitet. Der Geschäftsmann ist schon lange mit dem gefeierten Pianisten befreundet. Beide verbindet die Liebe zur Musik, der Erfolg und das Leben zwischen zwei Welten.

"In China, wenn sie die Stadt sehen, wo Lang Lang aufgewachsen ist, das ist bitterarm. Ja, und man ist in eine neue Welt reingekommen, in die USA oder nach Europa und die Menschen sehen, das ist eine ganz andere Welt, dieser Reichtum, was man alles hat. Und ich habe gar nichts", erzählt Veranstalter Mang Chen, "Ich möchte auch was haben, ich möchte auch was erreichen. Und dieser Wille, erfolgreich zu werden, reich zu werden, alles zusammen bringt den Erfolg."

Hochzeitsbankett für 40 Euro
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Mang Chen zeigt die Fotos des Hochzeitsbankett.
Mang Chen appellierte an seinen Ehrgeiz, arbeitete hart und wurde letztlich ein erfolgreicher Geschäftsmann im europäischen Raum. Er zeigt ein Foto aus seiner Sammlung: "Sehen Sie, das ist mein Hochzeitsfoto. Das Hochzeitsbankett hat uns damals 400 Yuan gekostet. Umgerechnet ungefähr 40 Euro. Und diese 400 Yuan hat schon unser Vermögen gekostet. Die Bekleidungen von den Menschen sind sehr einfarbig und alles blau, und ich gehörte damals schon zu den etwas reicheren Menschen, weil ich als Reiseleiter Trinkgeld verdient habe."

Mang Chen sieht sich selbst nur als einer der weniger erfolgreichen "Auslandschinesen". Denn viele, die Europa und die USA als Karrieresprungbrett genutzt haben, sind heute erfolgreicher und wohlhabenden als Mang. Der unbedingte Wille zum Aufstieg - ist es das, was Chinesen so erfolgreich macht?

Chinesischer Fleiß, deutsche Ordnung
Der Geschäftsmann Mang Chen hat sein gut gehendes Unternehmen aus dem Nichts aufgebaut. Er organisiert Europareisen für Chinesen - und das sehr erfolgreich, auch dank ausgezeichneter Kontakte zur kommunistischen Partei in China.

Seine Geschäftspartner und Angestellten kommen aus beiden Ländern. Mit den Jahren hat Mang Chen gelernt, sich die Unterschiede der Kulturen zu Nutze zu machen. Und eine Unternehmenskultur zu schaffen, in der Platz ist für die Eigenheiten aus beiden Welten.

"Unsere deutschen Angestellten, die haben sehr, sehr gute Ordnung. Sie wissen ganz genau, wo sie was finden. Chinesische Angestellte, die versuchen immer alles auswendig zu lernen. Und die haben nicht so gute Ordnung, aber die haben alle was im Kopf. Und wenn man sagt: Wann kommt diese Gruppe und welcher Bus, und in welchem Hotel sollen die wohnen, dann wissen die ganz genau: Ah, diese Gruppe kommt zum ersten Mai und besteht aus achtzehn Personen, die wollen im 5-Sterne-Hotel wohnen", erzählt er. Ein deutscher Angestellter würde dann schnell nachschauen.

Goldgrube Tourismus
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Mang Chen trifft in Peking ein. Zehn bis zwölf Mal im Jahr fliegt er hin und her.
Mang Chens Tourismusunternehmen boomt. Zeit für völlig andere Herausforderungen. Mang Chen will sich in China eine Magnesiummine anschauen. Denn so sagt er: "Wir Chinesen versuchen, ein Geschäft zu machen, wenn man eine Chance hat." Das sei der Unterschied zu vielen westlichen Ländern, wo ein Reiseveranstalter immer Reiseveranstalter bleibt. "Wenn ich Chancen sehe, Geschäft zu machen, dann werde ich es einfach machen."

Mang Chen ist auf dem Weg nach Peking. Zehn bis zwölf Mal im Jahr fliegt er zwischen Deutschland und China hin und her. Urlaub macht er so gut wie nie, eine Woche pro Jahr reicht ihm.

In der chinesischen Hauptstadt hat Mang Chen eine Zweigstelle seines Touristikunternehmens aufgebaut. Die ist inzwischen größer als das Mutterhaus in Hamburg, denn das Reich der Mitte hat den Tourismus für sich entdeckt. Inzwischen haben hier viele das nötige Kleingeld, um die Welt zu bereisen.

"Die sind schnell reich geworden", erzählt er, "Die wollen ja die ganze Welt kennenlernen." Früher seien die meisten Chinesen nur Economy-Klasse geflogen und jetzt fliegen sie auch sehr gerne Business-Class oder First-Class."

Die Partei ist immer mit dabei
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Begleitet wird Mang Chen von zwei deutschen Geschäftspartnern.
Ebenso Mang Chen. Mit zwei deutschen Geschäftspartnern geht’s weiter in die Provinz Shaanxi. Sie wollen sich eine vielversprechende Magnesiummine ansehen und der Provinzstadt Shang Luo eine Partnerstadt in Deutschland vermitteln. Am Flughafen wartet schon das Empfangskommittee.

Der Bürgermeister und weitere zwanzig Würdenträger der Stadt sind persönlich angetreten, um den Besuch willkommen zu heißen. Herr Chen, der als armer Student nach Deutschland zog, kehrt wohlhabend zurück und wird wie ein Staatsgast empfangen.

Wer Geschäfte machen will, kommt um gute Kontakte zur Kommunistischen Partei nicht herum. Nicht nur in der Provinz, sondern auch in den großen Städten. Vieles mag heute in China nicht mehr kommunistisch aussehen, doch ohne die Partei geht auch in der Geschäftswelt nichts.

"Die sind sehr, sehr vorsichtig mit dem, was die sagen. Deswegen schreiben die vorher und dann zeigen sie dem Vorgesetzten: Ist es so richtig? Ja, okay, wenn das von dem Vorgesetzten abgesegnet ist, dann lesen die vor", erzählt Mang Chen, "Solche Veranstaltungen aber werden Sie in einer modernen Stadt nicht mehr sehen." Das gebe es nur noch in kleinen Städten, die wenig Kontakt zur Außenwelt haben.

Zwischen zwei Welten
Mang Chens Sohn William geht jeden Sonntag in eine der vier chinesischen Privatschulen in Hamburg. Heute beginnt sein Tag mit Chinas Lieblingssport: Tischtennis. Vor allem aber geht es um die Sprache: Eltern wollen auf Teufel komm raus, dass ihre Kinder perfekt zweisprachig aufwachsen. Später ein unschätzbarer Vorteil im harten Wettbewerb um die besten Arbeitsplätze.

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Mang Chens Sohn William besucht eine chinesische Privatschule. Tischtennis spielt er besonders gerne.
Außerdem findet Mang Chen einen Chinesen, der die Sprache nicht beherrscht und die Kultur nicht kennt, bedauerlich. Und er möchte auch, wenn chinesische Kinder im Ausland aufwachsen, dass die eigene Kultur und die eigenen Wurzeln nicht vergessen werden.

Mang Chens Sohn hat auch eine gewisse Zeit Schwierigkeiten in der Schule gehabt. Er fragte: "Papa, warum soll ich Chinesisch lernen, und meine Schulfreunde, die lernen es nicht. Ich möchte es auch nicht lernen." Für Mang ist es eine Phase, denn das Erlernen der chinesischen Sprache ist sehr schwierig.

Schnell, aber schludrig
Auch nach dem Besuch in China wird die deutsch-chinesische Partnerschaft weiter gepflegt. Und was hat Mang Chens deutscher Kollege in China gelernt?

Vermögensberater Gerd Buschmann ist vom chinesischen Ehrgeiz beeindruckt: "Nicht so lange diskutieren, nicht so lange planen, machen!" In welcher Kürze Straßen und Tunnels gebaut werden sei schon erstaunlich. "Ein fünfzehn Kilometer langer Tunnel in vier Jahren. Die Schweizer brauchen dafür fünfzehn Jahre, unglaublich! Das ist schon schwer beeindruckend!"

"Wir bauen Straßen schnell, wir bauen Häuser schnell", bestätigt Mang Chen. Aber es gebe zu viele Fehler. "Das ist, was Chinesen wirklich von Deutschen lernen sollen: Die präzise Arbeit."

Sendedaten
Freitag, 22. Juni 2011, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag, 6.15 Uhr

Ein Film von Christian Schidlowski

(Erstausstrahlung: 05.10.2010)
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