Freitag 21.00 Uhr
Kalender
Dezember 2017
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
27
28
29
30
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
Vorschau
Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
Navigationselement
Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
Navigationselement
Video
Video ansehen
Guten Morgen, Vietnam!
Teil 3 - Die Krokodilfarm
Die Landflucht Vietnams führt zur explosionsartigen Ausweitung der Städte. Die Landbevölkerung verliert ihre Grundlage ihrer ohnehin schlecht bezahlten Arbeit. Da braucht es schon eine außergewöhnliche Geschäfts-Idee, um erfolgreich zu sein.

Krokodile als Allroundprodukt
Herr der Krokodile: Ton That Hung
Ton That Hung ist der Herr der Giermäuler. Er fing vor 17 Jahren als Tierpfleger im Reptilienhaus des Saigoner Zoos an. Dort, sagt er, erkannte er, dass "das ganze Krokodil wertvoll ist – von der Haut über die Zähne bis zum Fleisch". Der wagemutige Mann investierte 1000 Dollar in sein erstes Brutpaar, mietete sich einen kleinen Teich in einer Saigoner Vorstadt - und wurde Krokodilzüchter.

Zunächst ahnten seine Nachbarn nichts von der neuen Gesellschaft hinterm Gartenzaun. Doch dann wurde der Zuchtbestand so groß, dass Herr Ton umziehen musste. Die Regierung sagte ihm schließlich Unterstützung zu – und so konnte Herr Ton ein großes Gelände im Sumpfgebiet anmieten. Dort vergrößert sich der Tierbestand von Jahr zu Jahr. Rund 16.000 Krokodile hat Herr Ton schon zu Taschen und Schuhen verarbeiten lassen.

Seit einigen Jahren überlässt er den Grossteil der Aufzucht den Bauern in der Umgebung. Anfangs hatte er allerdings Schwierigkeiten, die Bauern von seiner Geschäftsidee zu überzeugen, erinnert sich Herr Ton schmunzelnd: "Oft wollte der Mann mitmachen und seine Frau hatte Angst. Aber nach dem ersten Profit war das Thema dann gegessen und die Frau wollte mehr Krokodile aufziehen als ihr Mann. So ist das halt, wenn ein Geschäft sich lohnt."

Einfach zu halten und hoch profitabel
Krokodil-Fütterung
Einer der frischgebackenen Krokodilzüchter ist Bauer Nguyen Van Ut. Frau Hong und die 12 jährige Tochter Thien An haben sich an ihre neuen Hausgenossen schon gewöhnt. Die Familie kocht, isst und wohnt in unmittelbarer Nähe zu ihren gefährlichen Kostgängern. Nur der Hund ist nervös - immerhin leben 400 Krokodile hier. Tochter Nguyen Bui Thien An hilft zwar mittlerweile bei der Fütterung mit, doch ganz wohl ist ihr immer noch nicht.

Anfangs hielt sie es mit den Krokodilen keine Minute aus: "Zuerst hatte ich furchtbare Angst. Als ich die Geräusche nachts hörte, bin ich schreiend weggelaufen. Das laute Auf- und Zuklappen der Mäuler, wenn sie nacheinander schnappten, war so unheimlich!", erzählt sie. Allerdings: Die Angst lohnt sich. Umgerechnet knapp 15 Euro bekommt die Familie pro Krokodil, pro Jahr - zusammen ist das mehr als 10mal so viel wie die Feldarbeit früher einbrachte.

Für den Bau der Käfige - einfache Betonwannen mit Wasserbecken und natürlich mit einem hohen Zaun - müssen die Bauern einen Kredit aufnehmen. Hoaca-Chef Ton hilft ihnen dabei. Ein paar Hühnerköpfe und ab und zu eine kalte Dusche aus dem Gartenschlauch – mehr brauchen die Krokodile dann nicht. Insgesamt 2 Kilo Fleisch pro Woche genügen den Tieren. Die laufenden Investitionen sind also denkbar gering – dementsprechend hoch ist der Profit. Mittlerweile haben etwa 80 Bauern aus der Umgebung einen Vertrag mit Herrn Ton abgeschlossen. 500 weitere züchten die Krokodile auf eigene Faust – ohne feste Abnehmer.

Das Exportgeschäft boomt
© reuters
Die Krokodilzucht bringt den Bauern fast zehn mal mehr Einkommen als die Landwirtschaft.
Auf der Hoaca-Farm werden die Krokodilhäute weiterverarbeitet. Zuverlässig waren die Arbeiter anfangs nicht. Den Bauern, die gewohnt waren, sich nur nach dem Wetter zu richten, war die Notwendigkeit der Werkstatt-Arbeit nur schwer vermittelbar. Selbst als der Chef ihnen das Gehalt kürzte, erschienen viele oft einfach nicht. Erst als er an ihr Gemeinschaftsgefühl appellierte und öfter mal auf ein Schwätzchen vorbeikam, besserte sich das.

Mittlerweile aber läuft alles glatt. Herr Ton exportiert nach Südkorea, Japan und Russland, hat Anfragen aus Europa – und fürchtet nun, dass andere seine gute Geschäftsidee kopieren. "Natürlich habe ich Angst, dass man unsere Produkte kopiert. Das passiert ständig. Die kleineren Geschäfte kopieren unseren Namen „Hoaca“ gleich mit. Die größeren machen einfach „Hoca“ draus, damit sie keinen Ärger kriegen, und kopieren nur das Produkt selbst. Wir müssen denen immer eine Nasenlänge voraus sein, damit wir besser sind.", erklärt er.

Angst vor Markenklau
Vietnam gehört zu den Ländern mit dem schlechtesten Markenschutz überhaupt. Uhren, T-Shirts und vor allem Software und CDs werden besonders häufig gefälscht - oder aber die Fakes werden direkt aus dem benachbarten China importiert und weiterverkauft. Zudem produzieren fast alle großen Textil-Konzerne in Vietnam für den Weltmarkt. Da ist es leicht, das eine oder andere abzuzweigen.

Lupe
Eine Hand wäscht die andere - nach diesem Prinzip funktioniert vieles. Die Korruption ist weit verbreitet. Wer erwischt wird, hat eben ein bisschen "Pech gehabt". Wo jemand clever genug ist, um ein Geschäft anzubahnen, hält er meist auch die Hand auf - nichts Ehrenrühriges, und erst recht kein Grund, den Mitarbeiter gleich an die Luft zu setzen, finden viele Vietnamesen. Denn noch sind die meisten Löhne so schlecht, dass die Menschen auf kleine Nebengeschäfte angewiesen sind. Selbst Staatsdiener bekommen nur umgerechnet rund 150 US Dollar im Monat - sogar für ein billiges Land wie Vietnam ist das kaum genug, um eine vierköpfige Familie zu ernähren.

Tradition bremst Marktwirtschaft
Der Regierung entgehen durch die kleinen Nebengeschäfte, durch die weitverbreitete Korruption und durch Schmuggel an den Grenzen zu den noch erheblich billigeren Nachbarländern Kambodscha und Laos Steuern in Milliardenhöhe. Zudem braucht Vietnam einen guten Ruf, damit Investoren kommen. Hanoi versucht auch hier, seine Bürger zu erziehen: "Zahlt Steuern, davon profitiert das Volk!" steht auf vielen roten Transparenten, die über den Straßen flattern. Doch das glauben die in marktwirtschaftlichen Dingen noch unerfahrenen Vietnamesen nicht. Es zählt, was man selbst in der Tasche hat. Das Volk jagt lieber dem schnellen Geld hinterher.

Fleiß, Risikofreude und Geschäftssinn waren den Vietnamesen schon immer zu eigen - nur ausgebremst durch die Planwirtschaft. Treffen die neuen Möglichkeiten für private Unternehmer mit einer guten Idee zusammen, kann daraus durchaus eine Erfolgs-Geschichte werden - wie die ungewöhnliche Story der Krokodil-Farm Hoaca. Herr Ton jedenfalls ist optimistisch: "Als ich im letzten Jahr auf der Offenbacher Ledermesse war, war das Interesse riesig. Nun muss ich nur noch genügend Krokodile haben, um diese Nachfrage auch befriedigen zu können. Dann exportieren wir auch nach Europa."

Sendedaten
Freitag, 17. Mai 2013, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag, 6.15 Uhr

Ein Film von Doris Ammon

(Erstausstrahlung: 23.09.2011)
Mediathek
Sehen Sie hier die gesamte Dokumentation in unserer Mediathek.
Schwerpunkt
Emerging Markets Asien
Keine Region der Welt entwickelt soviel Dynamik wie die Schwellenländer Asiens. Mit Fleiß, Zielstrebigkeit und einer gehörigen Portion Leidensfähigkeit eifern die Menschen zwischen Indien und China der Glitzerfassade Honkongs nach.
Wirtschaftsdokumentationen
© reutersWeitere Wirtschaftsdokumentationen finden Sie hier.
Navigation
Guten Morgen, Vietnam!