Ein Problem, welchem sich alle asiatischen Staaten gegenüber gestellt sehen, ist die Landflucht. Besonders Hanoi und Saigon können den Zustrom von Menschen, die in der Stadt ihr Glück suchen, kaum noch bewältigen. Jeden Morgen und jeden Abend bricht über die Straßen das Chaos auf zwei Rädern herein. Meist sind es Bauern, die sich zwischen den Ernten ein kleines Zubrot verdienen müssen. Sie verdingen sich auf den unzähligen Baustellen oder verkaufen Früchte oder Haargummis. Wer gar nichts anzubieten hat, dem bleibt immer noch das Wühlen im Müll. Wirklich Abfall ist hier fast nichts.
Vietnam muss nun den Preis für viele Jahre Planwirtschaft zahlen. Dem Staat fehlt es an Geld - auch für dringend notwendige Infrastruktur-Maßnahmen. Ein marodes Gleissystem, unzureichende Müllbeseitigung, fehlende Kläranlagen, schlechte Straßen. Der Verkehrskollaps ist absehbar. Saigon plant deshalb eine Metro - doch die existiert bislang nur auf dem Papier. Der Hafen mitten in der Stadt liegt viele Stunden am Tag lahm, weil ausreichend Zufahrtsstraßen fehlen. Die Elektrik und selbst das Abwassersystem in den Städten - ein Alptraum für die boomende Wirtschaft.
Das alles sind nun Hemmschuhe für eine schnellere Entwicklung. Private Investoren sollen die Situation retten. Doch dem kleinen Vietnam fehlt die Unterstützung durch internationale Organisationen. Ho Chi Minh-Stadt geht dazu über, neue Industrieprojekte nur noch zu vergeben, wenn die betreffenden Firmen gleichzeitig Kläranlagen und Elektrizitätswerke für den Eigenbedarf dazu bauen.