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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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Chinas Umweltprobleme
Teil 3 - Tai - Der Abwasser-See
Jahrelang gab es hier keine Kläranlagen oder Filter. Die Firmen ließen ihr Abwasser einfach in den Trinkwassersee Tai ab. Mensch und Tier verlieren Lebensraum. Bekämpft werden nur die Folgen, nicht aber die Ursache.
Seit 50 Jahren verkauft Frau Dai Fisch. In dieser Zeit ist die Gegend um den Tai-See zu einer der reichsten Chinas geworden – doch für die Fischer wird das Leben immer schwieriger. Dai Yu, eine Fischerin am Tai-See, beschwert sich: "Hier gibt es zu viele chemische Fabriken. Unsere Fische schmecken nicht mehr, die schmecken nach Chemie."

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Dai Yu, eine Fischerin am Tai See, kann ihren Lebensunterhalt kaum noch bestreiten.
Im Sommer 2007 blubberte die Perle des Ostens grün vor sich hin. Chinas drittgrößter Trinkwassersee, groß wie das Saarland, hatte aufgegeben, hunderte von Chemiefabriken an seinem Ufer waren stärker als er. 2 Millionen Menschen hatten plötzlich kein Trinkwasser mehr. Der Schock im Land und in der Politik war groß.

Protest gegen chemische Willkür
Einer, den das alles gar nicht überraschte, war Wu Lihong. Der Umweltaktivist setzt sich bereits seit Jahren gegen die Zerstörung des Sees ein und fordert die Schließung aller umliegenden Fabriken. Eine Forderung, für die er bereist unschuldig ins Gefängnis musste.

"Die chinesische Regierung behauptet jetzt, dass sie viele Fabriken zugemacht hat, aber ich weiß nur von dieser einen kleinen, die 1998 als Folge meiner Proteste geschlossen wurde. Ich bin hier aufgewachsen, ich habe das untersucht, sie haben nur Fabriken zusammengelegt und produzieren einfach weiter.", erzählt er. Und als der See umkippte, war Wu Lihong schon im Gefängnis.

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Umweltaktivist Wu Lihong will trotz Gefängnisaufenthalt weiter für den Tai See kämpfen.
Leid, das Wu Lihong für seinen See ertragen hat. 13 Jahre lang warnte, protestierte und schimpfte er gegen die Verschmutzung des Tai-See, schrieb Artikel, organisierte offene Briefe und klagte an. Ein Mann, unterstützt vom Volk und ausgezeichnet von höchster Stelle.

Umweltjournalist Liu Jianqiang kennt den Fall Lihong und wundert sich nicht über das Verhalten der Regierung:
"Es gibt in China immer mehr Umweltaktivisten, über sie wird viel berichtet und sie werden von der Regierung unterstützt. Es gibt aber auch Wu Lihong, der ins Gefängnis musste. Da fragt man sich, was eigentlich los ist in China? Warum werden manche Umweltaktivisten gelobt, und andere bestraft? Sehr eigenartig. Aber wenn man den Fall Wu Lihongs anschaut, kann man sehen, dass er nicht eingesperrt wurde, weil die Zentralregierung ihn nicht mag, sondern weil seine Beschwerden über die Verschmutzung des Sees die lokale Regierung unter Druck gesetzt haben."

1 Millionen Einwohner und eine Kläranlage
Die Ruhe der Behörden dauerte nicht lang. Wu Lihong saß kaum im Gefängnis, da passierte der GAU am Tai-See. Und plötzlich war viel Geld da für den Umweltschutz.

Sie sieht aus wie eine ganz normale Kläranlage und das ist sie auch. Die Kläranlage No 1 ist tatsächlich die erste in Wujin, gerade einmal zehn Jahre jung. Vor ihr lief der Dreck der 40km vom Tai-See entfernten Industriestadt einfach in alle umgebenden Gewässer. Heute hat Wujin 1 Million Einwohner und 17 Kläranlagen - die letzten großzügig subventioniert von der Zentralregierung.

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Die Fabriken schütten ihr Abwasser ungefiltert in den See und verpesteten somit das Trinkwasser.
Wujin hatte Glück, es passierten zwei nationale Katastrophen. Erst kippte der Tai-See, dann kam die Weltwirtschaftskrise und mit ihr ein gigantisches Konjunkturprogramm, Chinas Regierung machte 460 Milliarden Euro locker, vor allem für Infrastrukturprojekte. Gute 20 Millionen konnten Fang Yiping und das Wasserzentrum in Wujin abschöpfen.

Heute werden in ganz China 60% der urbanen Abwässer gereinigt, in Wujin sollen es fast 90 sein. Das Erfolgsgeheimnis liegt in der Organisation. Abwasseranlagen und Wasserwerke, alles wird von einem zentralen Schaltraum aus überwacht, alle in irgendeiner Form mit Wasser befassten Beamten des Bezirks sitzen gemeinsam in einem stolzen Wasserservicezentrum. Politischer Druck, Geld von der Zentrale, keine Streitereien um Zuständigkeiten mehr - Heldenarbeit auf Verwaltungsebene.

Sendedaten
Freitag, 9. September 2011,
21.30 Uhr

Ein Film von Diana Zimmermann

(Erstausstrahlung: 18.03.2011)
Mediathek
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Wirtschaftsdokumentation
© caroBerge aus Gold
Verseuchtes Wasser, 80% höhere Krebserkrankungen und viel zu viel Dünger in den Lebensmitteln. Chinas Wirtschaft boomt, doch die Folgen für Mensch und Natur sind katastrophal. Doch es gibt Kämpfer für ein grünes China, auch wenn der Feind oft die lokale Regierung ist.
Schwerpunkt
China
Der Aufstieg Chinas begann 1978 mit der wirtschaftlichen Öffnung unter Deng Xiaoping. Bis vor ein paar Jahren hat es niemand bemerkt. Jetzt sind die Chinesen plötzlich da: als zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt.
Schwerpunkt
Wasser