Der Spagat zwischen Sozialismus und Marktwirtschaft ist Nährboden für ungewöhnliche Geschäftsideen. Das Pro-Kopf-Einkommen hat sich zwischen 1990 und 2010 veracht-facht. Das Land hat konstante Wachstumsraten von mehr als 5 Prozent. Und es schöpft damit sein wahres Potential noch lange nicht aus. Bei der Armutsbekämpfung ist Vietnam derzeit sogar das erfolgreichste Land der Welt. Aus dem Kriegsgegner USA ist heute ein geschätzter Handelspartner geworden. Und auch Deutschland stehen die Vietnamesen sehr freundlich gegenüber, dank der vielen in der DDR ausgebildeten Landsleute. Zu-nehmend entdecken auch deutsche Unternehmen Vietnam als Produktionsstätte.
Doch mit der rasanten Entwicklung mehren sich auch die Probleme. Städte wie Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt wachsen zu schnell, die Immobilien sind überteuert. Abwasserkanäle und Straßen sind überlastet, die Energieversorgung steht auf wackligen Beinen. Die Staatsbetriebe, die immer noch zwei Fünftel der nationalen Wirtschaftsleistung erbringen, müssen reformiert und effizienter gemacht werden. Und Vietnams Reisbauern sollen zu Facharbeitern umgeschult werden: Eine Herkulesaufgabe, denn drei von vier Vietname-sen leben noch auf dem Land.