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Vorschau
21.06.2013
Die neue Wohnungsnot
Nachdem Deutschlands Immobilien-preise viele Jahre hinter anderen Ländern zurückgeblieben sind, holen sie jetzt kräftig auf. Der Grund: Das Niedrigzinsumfeld treibt viel Geld in Sachwerte.
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© Ivanhoe Mines Video
Auf einem Gebiet so groß wie Manhattan baut die kanadische Firma Ivanhoe Mines eine der größten Kupfer- und Goldminen der Welt.
Mission Mongolei
Teil 3 - Rohstoff-Boom in der Wüste
Oyu Tolgoi heißt das Projekt. Mitten in der mongolischen Wüste entsteht eine der größten Kupfer- und Goldminen der Welt. Sie steht beispielhaft für den Wandel in der Mongolei. In großem Stil kommen internationales Knowhow und Kapital ins Land. Aber auch Abseits der Prestigeprojekte suchen Nomaden ihr Glück mit Hacke und Schaufel.
Wir fahren dorthin, wo der Strukturwandel beginnt - in die Wüste Gobi. Hier liegen die Bergbau-Träume der Mongolei. Es ist eines der abgelegensten Gebiete der Welt. Nur eine Schotterpiste führt nach Oyu Tolgoi. Auf einem Gebiet so groß wie Manhattan baut hier die kanadische Firma Ivanhoe Mines eine der größten Kupfer- und Goldminen der Welt. Chef-Geologe Cyrill Orssich untersucht die Vorkommen nach ihrem Rohstoffgehalt. Bis in 1000 Meter Tiefe gehen die Probebohrungen. Was er sieht, gefällt ihm. Die Bohrkerne haben eine hohe Konzentration an Kupfer und Gold.

In 2013 soll die Förderung beginnen. Der erste Schacht ist bereits fertig. Er wird die Mine unter Tage mit Arbeitsmitteln versorgen. Sechs Jahre haben die Verhandlungen zwischen der mongolischen Regierung und der kanadischen Firma Ivanhoe Mines gedauert. Kernpunkt des Vertrages: Der mongolische Staat beteiligt sich mit 34 Prozent an dem Projekt. Das soll der Mongolei einen Anteil an den Profiten sichern. Dafür investieren die Kanadier in den kommenden Jahren rund 5 Mrd. Dollar.

Arbeitsplätze in der Steppe
© ZDF und Zeljko Pehar Lupe
Vor allem junge Mongolen hoffen auf eine Karriere im Bergbau.
Über 4000 Menschen arbeiten derzeit auf der Großbaustelle. Gut die Hälfte davon für Subunternehmen. Den zweiten großen Schacht zieht eine chinesische Firma in die Höhe - zu erkennen an den blauen Overalls. Chinesische Gastarbeiter sind in der Mongolei nicht gern gesehen. Man will unabhängig sein vom mächtigen Nachbarstaat. 60 Prozent der Arbeiter müssen deshalb aus der Mongolei kommen. Der südafrikanische Minen-Direktor Andre Zeelie meint, es könnten sogar noch mehr werden:

"Das ist ein Ort, wo wir wirklich Arbeitsplätze schaffen. Hinter mir, wird gerade der erste große Schacht gebaut. In Zukunft werden etliche folgen. Wir werden also eine Menge Arbeitsmöglichkeiten anbieten können." Die Chance bereits genutzt hat Ganmunkh Bansaikhan. Seit vier Jahren arbeitet er als Mechaniker für Oyu Tolgoi. Er stammt aus einer Nomadenfamilie, lebte von der Tierhaltung.

Auch Abseits der Prestige-Projekte suchen Nomaden ihr Glück mit Hacke und Schaufel. © ZDF und Zeljko Pehar Lupe
Schnee und Minusgrade halten hier niemandem vom arbeiten ab. © Ivanhoe MinesLupe
Mongolische Minister bei einem Besuch in der Mine. © Ivanhoe MinesLupe
Arbeiten am Fördergerüst für den zweiten Schaft. © Ivanhoe MinesLupe

"Von der Viehzucht zu leben, ist sehr riskant", erzählt Ganmunkh Batsaikhan. "Durch den Job hier habe ich ein regelmäßiges Einkommen, als Nomade verdient man nur einmal im Jahr Geld. Und das reicht manchmal nicht für das ganze Jahr. Hier habe ich mehr Sicherheit und verdiene auch mehr."

Umgerechnet rund 800 Euro bekommt Ganmunkh bei Oyu Tolgoi im Monat. Ein Spitzengehalt für mongolische Verhältnisse. Der Durchschnittslohn liegt gerade mal bei 150 Euro. Hinzu kommt: Mahlzeiten und Unterkunft sind kostenlos.

Abends wird Englisch gebüffelt
© ivanhoe mines Lupe
In Zeltstädten wie diesen übernachten die Arbeiter.
Die Arbeiter leben in Zeltstädten. Ganmunkh teilt sich seine Jurte mit zwei Kollegen. Seine Frau und seine zweijährige Tochter sieht er nur alle 14 Tage. Dann hat er zwei Wochen frei. Sie wohnen 250 Kilometer von Oyu Tolgoi entfernt. Abends, in seiner Freizeit, lernt der 25jährige Englisch und studiert Maschinenbau.

"Ich träume davon, in eine führende Position aufzusteigen", sagt Ganmunkh. "Ich möchte von meinen ausländischen Kollegen viel lernen und so professionell werden, dass ich überall im Ausland auf internationalem Niveau arbeiten kann."

Ganmunkh und seine Kollegen profitieren schon vom Rohstoff-Boom. Experten sehen aber auch Schattenseiten. Sie befürchten, dass sich die Mongolei von ausländischen Firmen ausbeuten lässt. "Im Vertrag mit Ivanhoe steht, dass die Vorkommen in den Besitz ausländischer Firmen übergeben werden können", kritisiert Avirmed Sodnomgombo von der Universität Ulan Bator. "Das widerspricht unserem Grundgesetz, wonach die Bodenschätze der Mongolei gehören." Und damit allen Mongolen.

Neuer Goldrausch
© ZDF Ulrike Wittern Lupe
Selbständige Goldsucher in der Mongolei befördern über selbstgebaute Schächte die Steine zu Tage.
Das denken auch die Menschen in dieser Gold-Mine im Norden der Mongolei. Sie graben sich auf eigene Faust in die Erde - in der Hoffnung auf den großen Fund. Die Gruppe "Brauner Hügel" ist eine von etwa 30, die hier nach Gold suchen. Baatar ist der Chef und selbsternannter Geologe der Gruppe. Er und seine Frau lebten vorher als Nomaden. Seit eineinhalb Jahren sind sie hier.

"Wir hatten gar keinen Lebensunterhalt mehr", erzählt der Goldgräber Baatar Tserengoldor. "Unsere ganze Herde haben wir im Winter verloren. Und wir müssen ja die Studiengebühren für unsere Kinder bezahlen. Deswegen sind wir hier draußen."

Die Ausbeute sind meist nur ein paar winzige Goldkrümel. Dafür setzen Bataar und seine Mitstreiter ihr Leben aufs Spiel: Ohne Helm und Schutzkleidung klettern sie in den selbst gebauten Schacht. Etwa neun Meter tief. Schätzungen zufolge arbeiten rund 100.000 Mongolen unter solchen Bedingungen als selbständige Goldsucher.

Menschliche Maulwürfe
Die jüngeren sind den ganzen Tag hier unten. Bataar überprüft regelmäßig, wo die Goldader verläuft. Doch es fehlt an professionellem Gerät. Immer wieder gibt es Unfälle und sogar Tote. "Die Arbeit ist sehr gefährlich, weil die Erde abrutschen kann", sagt Baatar. "Wir müssen deshalb die Wände befestigen und die Erde abstützen. Unterhalb von 20 Metern ist der Fels hart und es ist weniger riskant."

Mit dem, was die Gruppe aus der Erde holt, verdienen sie jeder etwa 10 Euro am Tag - mehr als die meisten Nomaden. Ein Gesetz erlaubt seit kurzem die Goldsuche. Doch die meisten lukrativen Minen gehören großen Firmen, die die Goldsucher dulden. So ist das auch hier.

"Die Firma hat eine bestimmte Anzahl von Einheimischen genannt, die sie einstellen wollen", berichtet Baatar. "Aber es wollen alle dort arbeiten. Meist nehmen die Bergbau-Unternehmen keine Bewerber über 40 Jahren. Darum ist es schwierig für uns einen Job zu bekommen." Die kleine Hütte direkt neben dem Schacht wird deshalb erst einmal Baatars Zuhause bleiben. Irgendwann wollen seine Frau und er wieder Tiere haben und als Nomaden leben - das wäre ihr Traum.

Sendedaten
"Mission Mongolei"

Freitag, 11. November 2011,
21.30 Uhr

Ein Film von Ulrike Wittern

(Erstausstrahlung 11.03.2011)
Mediathek
Sehen Sie hier die komplette Dokumentation in unserer Mediathek.
Blog
© ulrike witternLesen Sie mehr über die "Mission Mongolei" in unserem Blog.
Oyu Tolgoi
Das Oyu-Tolgoi-Projekt kann nur als gigantisch bezeichnet werden. Wieviele Bodenschätze hier unter der Erde liegen, ist längst noch nicht klar. Bisher bekannt sind 37 Mio Tonnen Kupfer und 46 Mio Unzen Gold. Damit ist Oyu Tolgoi das größte unerschlossene Kupfervorkommen der Welt.

Nun ist das Nomadenvolk der Mongolen weder finanziell noch technologisch in der Lage ein solch gigantisches Vorkommen zu erschließen. Dafür braucht man Partner, in diesem Falle das kanadische Minenunternehmen Ivanhoe Mines. Den Kanadiern gehört heute 66% des Projekts. Die verbleibenden 34% hält der mongolische Staat.

Nun war aber auch Ivanhoe vor dem Monsterfund in der Mongolei ein kleines, völlig unbekanntes Unternehmen und weder finanziell noch technologisch in der Lage, Oyu Tolgoi zu entwickeln. Deshalb haben sich die Kanadier mit dem Rohstoffriesen Rio Tinto zusammengetan und entwickeln das Projekt gemeinsam. Im Gegenzug übernimmt Rio Tinto 49% von Ivanhoe Mines.

Ende 2012 soll mit der Förderung begonnen werden, die in den folgenden Jahren langsam auf die volle Kapazität hochgefahren wird. Über die ersten 10 Jahre fördert Ivanhoe jährlich ca. 550.000t Kupfer und 650.000 Unzen Gold. Zu heutigen Marktpreisen spült das etwa 6,4 Mrd Dollar in die Kassen, eine gewaltige Summe im Vergleich zur mongolischen Wirtschaftsleistung von 5,8 Mrd Dollar (2010, Quelle: IMF).

Bis es soweit ist, muss aber noch viel Geld investiert werden. Ivanhoe plant, bis 2013 weitere 4,5 Mrd USD in das Projekt zu stecken, allein 2011 sollen es 2,3 Mrd USD sein. Die nötigen Investitionen in Infrastruktur, z.B. in Fernstraßen, Eisenbahnlinien und Elektrizität, sollten der Wirtschaft einen kräftigen Schub geben.
Die mongolische Börse
Die Marktkapitalisierung aller an der Mongolian Stock Exchange gelisteten Unternehmen beträgt bloß 2,4 Mrd USD. Und das nach einer Verdopplung seit dem Jahreswechsel. Allein die in Kanada und den USA gelistete Ivanhoe Mines hat einen Börsenwert von 16,5 Mrd USD. Das macht den Größenunterschied deutlich, wenn die Mongolei auf den Weltmarkt trifft, bzw. der Weltmarkt auf die Mongolei.

Und genau das ist ein Problem. Denn die Kursexplosion an der mongolischen Börse ist ein klares Zeichen dafür, dass der internationale Kapitalmarkt plötzlich die Mongolei als das neue "It"-Thema entdeckt hat. Jetzt strömen gewaltige Geldmengen ins Land - sowohl an die Börse, als auch in Form von Direktinvestitionen in Projekte wie Oyu Tolgoi. Soviel auf einmal kann eine so kleine Volkswirtschaft aber kaum verdauen. Die klassischen Nebenwirkungen sind Inflation und Überhitzung.

Dies beschäftigt auch die Zentralbank der Mongolei, da die Währung, der Tugrik, durch zu viel Auslandskapital zu stark aufgewertet werden könnte, was den Export von Agrarprodukten erschwert.
Weitere Infos
Mongolia Seeks Balanced Growth to Avoid 'Dutch Disease' From Mining Boom (08.03.2011)
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