Sendedaten
"Mission Mongolei"
Freitag, 11. November 2011,
21.30 Uhr
Ein Film von Ulrike Wittern
(Erstausstrahlung 11.03.2011)
Oyu Tolgoi
Das Oyu-Tolgoi-Projekt kann nur als gigantisch bezeichnet werden. Wieviele Bodenschätze hier unter der Erde liegen, ist längst noch nicht klar. Bisher bekannt sind 37 Mio Tonnen Kupfer und 46 Mio Unzen Gold. Damit ist Oyu Tolgoi das größte unerschlossene Kupfervorkommen der Welt.
Nun ist das Nomadenvolk der Mongolen weder finanziell noch technologisch in der Lage ein solch gigantisches Vorkommen zu erschließen. Dafür braucht man Partner, in diesem Falle das kanadische Minenunternehmen Ivanhoe Mines. Den Kanadiern gehört heute 66% des Projekts. Die verbleibenden 34% hält der mongolische Staat.
Nun war aber auch Ivanhoe vor dem Monsterfund in der Mongolei ein kleines, völlig unbekanntes Unternehmen und weder finanziell noch technologisch in der Lage, Oyu Tolgoi zu entwickeln. Deshalb haben sich die Kanadier mit dem Rohstoffriesen Rio Tinto zusammengetan und entwickeln das Projekt gemeinsam. Im Gegenzug übernimmt Rio Tinto 49% von Ivanhoe Mines.
Ende 2012 soll mit der Förderung begonnen werden, die in den folgenden Jahren langsam auf die volle Kapazität hochgefahren wird. Über die ersten 10 Jahre fördert Ivanhoe jährlich ca. 550.000t Kupfer und 650.000 Unzen Gold. Zu heutigen Marktpreisen spült das etwa 6,4 Mrd Dollar in die Kassen, eine gewaltige Summe im Vergleich zur mongolischen Wirtschaftsleistung von 5,8 Mrd Dollar (2010, Quelle: IMF).
Bis es soweit ist, muss aber noch viel Geld investiert werden. Ivanhoe plant, bis 2013 weitere 4,5 Mrd USD in das Projekt zu stecken, allein 2011 sollen es 2,3 Mrd USD sein. Die nötigen Investitionen in Infrastruktur, z.B. in Fernstraßen, Eisenbahnlinien und Elektrizität, sollten der Wirtschaft einen kräftigen Schub geben.
Die mongolische Börse
Die Marktkapitalisierung aller an der Mongolian Stock Exchange gelisteten Unternehmen beträgt bloß 2,4 Mrd USD. Und das nach einer Verdopplung seit dem Jahreswechsel. Allein die in Kanada und den USA gelistete Ivanhoe Mines hat einen Börsenwert von 16,5 Mrd USD. Das macht den Größenunterschied deutlich, wenn die Mongolei auf den Weltmarkt trifft, bzw. der Weltmarkt auf die Mongolei.
Und genau das ist ein Problem. Denn die Kursexplosion an der mongolischen Börse ist ein klares Zeichen dafür, dass der internationale Kapitalmarkt plötzlich die Mongolei als das neue "It"-Thema entdeckt hat. Jetzt strömen gewaltige Geldmengen ins Land - sowohl an die Börse, als auch in Form von Direktinvestitionen in Projekte wie Oyu Tolgoi. Soviel auf einmal kann eine so kleine Volkswirtschaft aber kaum verdauen. Die klassischen Nebenwirkungen sind Inflation und Überhitzung.
Dies beschäftigt auch die Zentralbank der Mongolei, da die Währung, der Tugrik, durch zu viel Auslandskapital zu stark aufgewertet werden könnte, was den Export von Agrarprodukten erschwert.