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Ochsen sind in Kuba unverzichtbar, denn sie brauchen keinen Sprit.
Kuba - Mythos ohne Masterplan
Teil 3 - Landwirtschaft: Zuckersüß und bitterarm
Für Landwirtschaft ist Kuba perfekt. Hier wächst alles, was die Natur erfunden hat. Sollte man meinen. Tatsächlich ist das Land stark von Lebensmittelimporten abhängig. Der Grund? Misswirtschaft. Selbst der Zuckerindustrie, die das Land einst reich machte, bleibt nur die Erinnerung an bessere Zeiten.
Diejenigen, die im Land bleiben, sollen den Karren aus dem Dreck ziehen. Privatleute dürfen nun vom Staat Land pachten und bebauen, um so die Nahrungsmittelproduktion anzukurbeln. Wer jetzt in den Staatsbetrieben seine Arbeit verliert, soll künftig Gemüse anbauen oder Tiere züchten. Ochsen sind in der Landwirtschaft Kubas übrigens unverzichtbar. Denn sie brauchen keinen Sprit. Landmaschinen dagegen brauchen Sprit, der wiederum an anderer Stelle fehlt. Oder Ersatzteile, die keiner hat.

Die Landwirtschaft ist das Sorgenkind Kubas. Und das in einem Land, in dem alles wachsen könnte, was die Natur erfunden hat. Doch es fehlt nicht nur an Sprit, auch an Schädlingsbekämpfung und Dünger, an Bewässerungsmöglichkeiten und Krediten. Manuel Rodriguez betreibt etwas Landwirtschaft - ein bisschen Acker, ein paar Schweine, Kokosbäume. Nun hat er wie viele Kubaner von der Regierung ein paar Hektar Brachland bekommen. Er soll es fruchtbar machen, um Kubas Nahrungsmittelkrise zu bekämpfen.

Ruine zwischen Palmen
Viele Zuckerfabriken haben in den letzten Jahren geschlossen. Misswirtschaft - denn nun ist Zucker im Land Mangelware.
Wer hier auf einen Zug wartet, wartet lange. Hershey nennt man noch heute diesen Ort, der früher Inbegriff kubanischer Zuckerproduktion war. Wir sind 50 Kilometer östlich von Havanna. Die Arbeitersiedlung erzählt vom Glanz alter Tage. Als sich hier jahrhundertelang alles nur um Zucker drehte. Zucker machte Kuba reich. Und gab der Insel ihren Mythos. Hunderttausende Arbeitsplätze hingen am Zucker.

Der Amerikaner Milton Hershey gründete diese Fabrik Anfang des vergangenen Jahrhunderts. Hershey-Schokolade gibt es bis heute, doch der Zucker kommt schon lange nicht mehr aus Kuba. Aus dieser Fabrik schon gar nicht. Fidel Castro, Sohn eines reichen Zuckerbarons, ließ 2003 fast die Hälfte aller Zuckerfabriken schließen. Denn Landwirtschaft sei eine Welt von gestern! Zucker, einst Kubas Exportgut Nummer eins, ist heute Mangelware und muss aus dem Ausland importiert werden.

Kaum noch Zucker von der Zuckerinsel
"Kuba produziert jetzt ungefähr eine Million Tonnen Zucker", sagt Bert Hoffmann vom GIGA Institut für Lateinamerika-Studien. In den achtziger Jahren seien es noch acht Millionen Tonnen gewesen. Und das liege keineswegs nur am Embargo, sondern vor allem daran, dass kaum Investitionen in den Sektor flossen. Und das in einem Situation, wo der Weltmarktpreis für Zucker aufgrund zunehmender Knappheit deutlich angezogen hat. Es gebe nun Versuche, die Zuckerproduktion auf Kuba zu revitalisieren, aber der Prozess verlaufe sehr schwerfällig.

Lupe
So wie Raul Cotilla geht es vielen: Seine ganze Familie lebte vom Zucker. Nun verdient er etwas Geld mit seiner Kutsche.
Raul Cotilla war 20 Jahre lang Schweißer in der Zuckerfabrik. Heute ist Raul 47 Jahre alt und verdient sein Geld mit seiner Kutsche. Seine ganze Familie lebte vom Zucker, seine Frau Hortensia, sein Schwiegervater und Schwager. Die Schließung der Fabrik sei plötzlich gekommen, ohne Vorankündigung. Es sei für alle ein Schock gewesen.

Einfach dicht gemacht
"Viele Leute mussten gehen und sich neue Arbeit suchen", erzählt der Schweißer Raul Cotilla. "Eine ganze Reihe fand eine neue Stelle entweder in der Fliesenfabrik oder auch in der Nudelfabrik. Aber das reichte nicht für alle. Hier haben 7500 bis 8000 Arbeiter gearbeitet."

Hortensia fand eine neue Stelle in der Nudelfabrik, die beiden Söhne sind schon aus dem Haus. Auch Hortensia könnte sich selbständig machen, hier auf dem Land Bohnen oder Mangos anbauen, Tiere halten, Fleisch verkaufen. Doch von den Liberalisierungsversuchen der Regierung ist vielen Kubanern noch nichts bekannt. "Hier in der Region wissen wir darüber noch nichts", sagt Hortensia. "Die Leute erzählen etwas, doch klare Informationen haben wir dazu noch nicht."

20 Jahre Stillstand
Lupe
Auch die Landwirtschaft in Kuba möchte nicht so recht Fahrt aufnehmen.
Dass die Ruine der Zuckerfabrik endlich verschwindet, das wünschen sich viele Menschen in Hershey. Sie sei nur eine schmerzvolle Erinnerung an bessere Zeiten. Hershey hat schon hinter sich, was anderen Orten noch droht: Schließung und Massenentlassung.

Eigeninitiative gegen Stagnation. Selbständige wie der Friseur Fermin Gonzalez sollen Havanna aus der wirtschaftlichen Klemme führen. Doch Regelungen und Gesetze sind intransparent, es gibt bislang kaum verlässliche Informationen für alle. Bis sich Kuba in ein Paradies für fleißige Mittelständler verwandelt, ist es noch ein langer Weg.

Lateinamerika Hoffmann macht sich keine Illusionen: "Diese Maßnahmen kommen mehr als 20 Jahr nach 1989 und nach dem Zusammenbruch der Verbündeten in Übersee, die den alten kubanischen Sozialismus möglich gemacht haben. Seitdem ist unglaublich viel Zeit ins Land gegangen, Probleme haben sich so weit angestaut, dass es jetzt eigentlich viel größere Maßnahmen bräuchte, um wieder zu einem Gleichgewicht zu finden."

Sendedaten
Freitag, 20. Juli 2012, 21.00 Uhr

Ein Film von Eva Schmidt

(Erstausstrahlung: 14.01.2011)
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