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Vorschau
07.06.2013
Chinas Vasallen
Jenseits der chinesischen Grenzen wächst ein Kordon aus Vasallen. Die Staaten Südostasiens können sich der neuen Supermacht nicht entziehen. Durch wirtschaftliche Kolonialisierung sichert China seinen Einfluss.
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Fermin Gonzales in seinem improvisierten Friseursalon.
Kuba - Mythos ohne Masterplan
Teil 1 - Tauwetter in der Karibik
Nach 50 Jahren Planwirtschaft ist Kuba am Ende. Das erkennt auch die polische Führung und entlässt reihenweise Staatsbedienstete. Die schlagen sich jetzt im neuen Privatsektor durch. Zum Beispiel der Friseur Fermin Gonzales. Er macht das beste daraus.
Kleine Dinge, große Wirkung. Bürste, Rasierpinsel und ein bisschen Pomade machen Fermin Gonzalez zum Unternehmer. Hier im Eingang seines Hauses baut er jeden Morgen seinen Salon auf. Und abends wieder ab. Seit ein paar Monaten geht das nun schon so. Tag für Tag.

30 Jahre lang war Fermin Krankenhausfriseur in Havanna. Doch nun erlaubt die kubanische Regierung selbständige Kleinunternehmen. Das war 50 Jahre lang im sozialistischen Kuba undenkbar. Fermin hat seine Chance ergriffen. Er ist nicht der einzige Kubaner, der als Friseur, Taxifahrer oder Automechaniker sein Glück machen will - und muss! Denn mehr als 20 Jahre nach Ende des Sozialismus in Osteuropa taut nun auch Havanna auf.

"Die Nachbarn sind begeistert"
Kinder zahlen 15, die Erwachsenen 20 Pesos. Das ist zwar weniger als 1 Euro, aber immerhin mehr, als es im staatlichen Salon kosten würde. Doch die Nachbarn sind bereit, für einen Haarschnitt von Fermin tiefer in die Tasche zu greifen.

"Die Nachbarn sind begeistert", erzählt Fermin. "Die Kinder können auf dem Weg zur Schule vorbeikommen, die Älteren müssen nicht weit laufen. Sie haben den Friseur eben im Haus, gleich vor der Tür." Heute herrscht großer Andrang. Denn alle wollen zur Prozession im Namen der Heiligen Jungfrau von Cobre, der kubanischen Schutzpatronin. Ein frischer Haarschnitt und gepflegte Augenbrauen können an einem solchen Tag nicht schaden.

Der Zahn der Zeit
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Heruntergekommener Hinterhof in Havanna. Baumaterialien und Farbe sind Mangelware.
Noch ist Kubas Wirtschaft zu 90 Prozent vom Staat gelenkt. Die Produktivität ist gering, da kaum jemand Lust hat, für einen Lohn von umgerechnet 15 Euro im Monat zu schuften. Die Regierung öffnet nun die Planwirtschaft und entlässt ihre Staatsdiener. Ein Drittel von ihnen, so die Schätzung, habe ohnehin bislang nutzlose Tätigkeiten ausgeführt. Denn Sozialismus kennt keine Arbeitslosigkeit. Private Geschäfte sollen die Wirtschaft ans Laufen bringen.

"Die Regierung hat einen ersten Schritt gemacht und jetzt muss man sehen, welche Dynamik zugelassen wird und kaufkräftige Nachfrage findet", sagt Bert Hoffmann vom GIGA Institut für Lateinamerika-Studien. "Und der Karren ist ziemlich weit im Dreck." Der Staat hat kaum Finanzmittel, die Wirtschaft zu unterstützen. Zudem gebe es viele im Apparat, die privatwirtschaftliche Reformen immer noch mit sehr viel Bedenken sehen und sie gar nicht fördern wollen. "Insofern ist das sowohl wirtschaftlich als auch politisch ein sehr schwieriges Spiel und keiner weiß, wie es ausgehen wird."

Planwirtschaft am Ende
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Der Begriff "Waschstraße" ist hier durchaus wörtlich zu nehemn.
Kubas Wahrzeichen sind mehr als 50 Jahre alte amerikanische Oldtimer. Sie stammen aus einer Welt vor der Revolution, als Washington noch der heimliche Herrscher auf der Insel war. Die alten Schlitten sind keinesfalls Sonntags-Limousinen. Da es noch immer wenig Neuwagen gibt, müssen die alten laufen bis es nicht mehr geht. 50 Jahre starrer Inselsozialismus und 50 Jahre amerikanisches Embargo haben tiefe Spuren hinterlassen.

Kubaner sind Improvisation gewöhnt. Das macht die Insel für ihre Besucher so liebenswert. Pragmatismus und Humor machen den Alltag erträglicher.

Von Havannas ehemaligen Prachtbauten sind viele verfallen, nur wenige saniert. Jährlich wiederkehrende karibische Hurricans geben ihnen den Rest. Das Stromnetz ist zum Teil noch aus vorrevolutionärer Zeit. Allerdings zeigen Investitionen erste Wirkung, Stromausfälle sind seltener geworden. Der Wohnungsmangel führt dazu, dass viele Häuser überbelegt sind, mehrere Generationen müssen unter einem Dach leben. Baumaterial zu bekommen, um Löcher zu flicken, ist schwierig.

Das nackte Elend
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Diese beiden unglücklichen Gänse dienen Fermin Gonzales als Notration für schlechte Zeiten.
Auch das Haus von Fermin Gonzalez im Zentrum Havannas hat schon bessere Tage gesehen. Die Tiere sind sein Essenvorrat für schlechtere Zeiten. Die meisten Kubaner sind auf Geldzuwendungen ihrer Verwandten im Ausland angewiesen. Wer niemanden hat, lebt schlecht. Hier wohnt Fermin auf engstem Raum - gemeinsam mit Ehefrau, Tochter und Sohn.

"Unser Leben hier ist ein bisschen einfach, doch so ist das eben", meint Fermin. "Das ist das Leben, das wir bekommen haben, die Chancen, die wir hatten. Wir sind glücklich, wir leben von meinem Einkommen. Das wichtige ist, dass wir essen, Frühstück und Abendbrot. Uns geht es als Familie gut."

Sendedaten
Freitag, 20. Juli 2012, 21.00 Uhr

Ein Film von Eva Schmidt

(Erstausstrahlung: 14.01.2011)
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