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© Barbara Kühn Lupe
Holzernte im nördlichen Ontario. [>> Video ansehen]
Stiller Star Kanada
Teil 3 - Rohstoffe: Kanadas Reichtum
Kanada zählt zu den waldreichsten Ländern der Erde. Die Wälder gehören zu den wirtschaftlichen Schätzen des Landes und sind Teil der kanadischen Identität. Insgesamt ist Kanada reich mit Rohstoffen gesegnet. Unter der Erde lagern Kupfer, Zink und jede Menge Gold.
Für die Identität vieler Kanadier spielt der Wald eine entscheidende Rolle. 300 km nördlich von Toronto liegt der Algonquin Park. Ein riesiges Waldgebiet, das für die Holzindustrie sehr wichtig ist. Allein in Ontario sind zwei Drittel der Fläche mit Wald bedeckt. Nur ein Drittel der Bäume darf gefällt werden, um den Wald vor einem Kahlschlag zu bewahren. Bäume mit roten Farb-Ringen werden nicht geerntet, sie markieren ein Schutzgebiet.

Holzindustrie versucht sich in Nachhaltigkeit
Den Wald trotz wirtschaftlicher Interessen auch zu schützen, hat die Branche gelernt, nachdem ihr Image vor einigen Jahren fast ruiniert war. Auch Bäume mit blauen Ringen dürfen nicht geschlagen werden, sie sind noch zu klein. Um abzuschätzen, mit welcher Holzmenge sie bei der Ernte rechnen können, benutzen die Männer ein Prisma. Es ist ein kleines Gerät, das ihnen hilft, die verfügbaren Bäume auf einer bestimmten Fläche schnell zu erfassen. Wenn die Bäume gefällt sind, darf an jenen Stellen erst 25 Jahre später wieder geerntet werden.

"Vor allem der Algonquin Park ist ein sehr wertvolles Stück Land dieser Provinz. Forstwirtschaft und nachhaltige Nutzung gehen hier wirklich Hand in Hand. Darauf bin ich sehr stolz."
Daniel Janke, Algonquin Forstbehörde

Weil nicht alle Bäume auf einmal gefällt werden, schafft es der Wald, sich von selbst zu erneuern. Die Männer von der Forstbehörde kontrollieren regelmäßig, ob genug junge Bäume auf bereits abgeernteten Flächen wachsen. Die Aufforstung ist ein wichtiges Element der nachhaltigen Forstwirtschaft, die den Raubbau vergangener Jahre abgelöst hat.

US-Nachfrage ist eingebrochen
© Barbara Kühn Lupe
Die Holzindustrie ist in ganz Kanada ein bedeutender Wirtschaftszweig. Das Land gehört weltweit zu den größten Produzenten von Zellstoff und Papier. Das meiste Holz aus dem Osten Kanadas ist für die USA bestimmt. Dort aber ist die Nachfrage wegen der Wirtschaftskrise eingebrochen.

Kris Heidemans Großvater hat das Sägewerk am Rande des Algonquin Parks in den Siebziger Jahren gegründet. Der 33-jährige hofft, dass sich die Wirtschaft in den USA bald erholt und seine Männer wieder in drei statt nur in zwei Schichten arbeiten können. Zwei Drittel aller kanadischen Exporte gehen in die USA. Doch kaum eine Branche leidet momentan so sehr wie die Holzwirtschaft.

"Uns hat es ganz schön erwischt. Vor allem durch den Absatzrückgang am us-amerikanischen Häusermarkt. Wir mussten uns deshalb nach anderen Abnehmern umsehen. Aktuell geht mehr Holz nach Europa und es bleibt auch mehr hier in Kanada. Früher ging das meiste in die USA."
Kris Heideman, Sägewerk Heideman

Barrick - größter Goldförderer der Welt
Die Krise hat aber auch Gewinner. Barrick Gold, das größte Goldunternehmen der Welt, profitiert vom Rekordpreis für das Edelmetall. Der Konzern hat seinen Sitz in Toronto und wurde von Peter Munk gegründet. Der gebürtige Ungar gehört zu den berühmtesten Unternehmern in Kanada und sagt, dass er viel Glück hatte im Leben. Während des Zweiten Weltkriegs ist er mit seiner jüdischen Familie vor den Nationalsozialisten aus Ungarn geflohen und später nach Kanada ausgewandert. Heute ist er leidenschaftlicher Kanadier.

"Die USA haben ein Image-Problem und ein Problem mit ihrem Staatshaushalt. Kanada aber, und ich möchte keine große Rede halten, Kanada könnte der Aufsteiger des nächsten Jahrhunderts sein. Als moralisches Vorbild und als Vorbild für solide Staatsfinanzen. Außerdem haben wir Rohstoffe, von Wasser bis Energie und zwar pro Kopf in einer Menge wie kein anderes Land auf der Welt."
Peter Munk, Gründer von Barrick Gold

© Barbara Kühn Lupe
Besuch bei Peter Munk. Als ungarischer Jude vor den Nazis geflohen, gründete er 1983 Barrick Gold. Auch heute, mit 82 Jahren, ist er noch Aufsichtsratsvorsitzender.
Die Arbeitstage des 82-jährigen sind voll, vom Ruhestand hält er nichts. Vor knapp 30 Jahren hat Peter Munk Barrick Gold gegründet. Er hatte immer das Ziel, seinen Goldkonzern bis an die Weltspitze zu führen.

"Es gibt keine Garantie, die Nr. 1 zu werden, aber der Versuch allein ist so eine aufregende, spannende und beflügelnde Erfahrung, selbst wenn Du es nicht schaffst. Aber manchmal werden Träume war und mein Traum ist wahr geworden."
Peter Munk, Gründer von Barrick Gold

2000 Meter tief unter Hemlo
800 Kilometer entfernt von Toronto, im nördlichen Ontario, liegt eines der wichtigsten Goldgebiete Kanadas. Das Land ist international der achtgrößte Goldförderer. Die Gegend hier oben ist dünn besiedelt, wie der gesamte kanadische Norden. Die Goldmine in Hemlo ist eine von 26 auf der ganzen Welt, in denen Barrick fördert. Hier ist der 55-jährige Cliff McMullen Chef von 300 Bergleuten. Die Kumpel arbeiten in mehreren Schichten rund um die Uhr, jeden Tag in der Woche, 2000 Meter unter der Erde. Mit 20 km/h bringt sie der Aufzug in die Tiefe.

Für Cliff McMullen beginnt die Arbeit unter Tage in seinem Jeep. Täglich legt er etliche Kilometer in dem verzweigten Tunnelsystem zurück. Überall schaut er nach seinen Kollegen, bespricht Aufgaben, die anstehen. Das unterirdische Labyrinth kennt Cliff McMullen nach 25 Jahren in der Mine genau. Aufpassen muss er trotzdem, seine Männer arbeiten mit schwerem Gerät und Licht gibt es kaum. Das wichtigste Arbeitsgerät unter Tage ist der Jumbo Driller. Ein riesiger Bohrer, den außer Cliff McMullen nicht viele Bergleute in Hemlo bedienen können. Mit ihm werden Löcher für den Sprengstoff in den Fels gebohrt. Es hat Jahre gedauert, bis Cliff McMullen gelernt hat, die komplexe Maschine fehlerfrei zu bedienen.

Fünf Gramm Gold in einer Tonne Gestein
© Barbara Kühn Lupe
"Man muss total aufpassen, dass sich die Bohrstangen nicht berühren. Denn wenn die Maschine ausfällt, können wir nicht sprengen und dann gerät der ganze Abbau ins Stocken."
Cliff McMullen, Barrick Gold

Mit etwas Glück stecken fünf Gramm Gold in einer Tonne Stein, manchmal ist es nur ein Gramm. Jedes Jahr tragen die Arbeiter in Hemlo 3 Millionen Tonnen Fels ab. Unter und über der Erde. Das Prinzip ist immer das gleiche. Es wird gesprengt, um das Gestein zu lösen. Cliff McMullens Kollegen außerhalb der Mine sind über Stunden damit beschäftigt, den Schutt einer Sprengung abzutragen. Doch die Arbeit über Tage ist viel einfacher als in der Tiefe und sie ist weniger kostspielig.

In der Mühle wird das Gold aus dem Stein gelöst. Das abgebaute Gestein gelangt dafür in große Trommeln, die es zerkleinern. Anschließend Wasser kommt hinzu, damit sich die Steine leichter mahlen lassen. Das Gemisch aus Wasser und Stein gleitet von einer Trommel in die nächste und wird immer weiter zerrieben. Später löst sich das Gold in einer chemischen Reaktion aus dem Stein. Die winzigen Partikel werden gesammelt und eingeschmolzen.

Ein aufwendiger Prozess, der für Barrick im Moment äußerst lukrativ ist. Denn Gold hat einen astronomischen Preis erreicht, scheint Anlegern in Krisenzeiten als sicherer Hafen. Doch Barrick muss auch viel investieren, um neue Vorkommen zu erschließen. Noch werden in Hemlo jedes Jahr 8000 Kilo Gold gefördert. In 10 Jahren aber, schätzt das Unternehmen, wird es in Hemlo so gut wie kein Gold mehr geben. Die Kostbarkeit ist endlich.

Sendedaten
Freitag, 9. Dezember 2011, 21.30 Uhr

Ein Film von Barbara Kühn

(Erstausstrahlung: 27.08.2010)
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Stiller Star Kanada
Kanada steht von allen G7-Staaten wirtschaftlich am besten da. Das Finanzzentrum Toronto stützt sich auf grundsolide Banken. Unter der Erde schlummern Schätze wie Gold, Nickel, Gas und Öl, darüber wachsen endlose Wälder. Eine durchdachte Einwanderungspolitik holt kluge Köpfe ins Land. Kanadas Zukunft hat gerade erst begonnen.
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LupeDer Bundesstaat Ontario mit der heimlichen Hauptstadt Toronto ist das wirtschaftliche Herz Kanadas.