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Sendung am 9. Dezember
Afrika Digital
Afrika digitalisiert sich mit rasender Geschwindigkeit. Das erregt das Interesse der Investoren. Bis 2020 sollen 60 Prozent des Kontinents ans digitale Breitbandnetz angeschlossen sein.
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Rückblick
Sendung vom 25. November
Billige Lebensmittel
Essen ist bei uns so billig wie sonst kaum in der EU. Vier große Lebensmittel-Discounter beherrschen den Markt und drücken die Preise. Die deutsche Agrarindustrie ist die günstigste Europas.
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Sehen Sie hier die komplette Dokumentation in unserer Mediathek. © reuters Lupe

Avanti Polonia! Warschaus Weg nach Westen
Teil 4 - Erfolge in der IT-Branche
Krakau ist einer der begehrtesten Forschungs- und Entwicklungsstandorte Polens. Doch das Land hat ein massives Problem: Bessere Löhne locken viele junge Spezialisten ins Ausland. Die Abwanderung von Fachkräften aus Polen ist alarmierend.
Wir verlassen den wilden Osten Polens und fahren Richtung Krakau. Wir quälen uns über Landstraßen, durch Dörfer und Städte, von Autobahn keine Spur. Für 240 km brauchen wir fast sieben Stunden. Die schlechte Infrastruktur ist Polens Achillesferse. Endlich kommen wir in Krakau an, der heimlichen Hauptstadt Polens.

Hier heißen die Straßenbahnen Helmuty: Denn nach der Wende, in der Amtszeit Helmut Kohls, brachten viele deutsche Städte ihre ausrangierten Straßenbahnen nach Polen. Mit der Zeit wurden sie aber auch in Krakau durch moderne Waggons ersetzt. Krakau ist nach Warschau die zweitgrößte Stadt des Landes.

© Eva Schmidt Lupe
K.u.k.-Flair in den alten Gassen von Krakau. Die zweitgrößte Stadt Polens gilt als die heimliche Hauptstadt.
Bis heute hat sich der mittelalterliche Charakter der Stadt erhalten, im Krieg wurde sie kaum zerstört. Das hat sich auch unter Touristen weltweit herum gesprochen. Die Stadt zählt jedes Jahr viele Millionen Besucher. Im 19. Jahrhundert war Krakau von Österreich besetzt. Das Flair von k.u.k. hält sich bis heute.

Krakau gilt nicht nur als schönste Stadt Polens, sie ist auch das wichtigste Bildungszentrum des Landes. Elf Hochschulen und gut 150.000 Studenten prägen das Stadtbild. Die vielen Uni-Absolventen machen Krakau zu einem begehrten Forschungs- und Entwicklungsstandort - einerseits - andererseits locken bessere Löhne viele junge Spezialisten ins Ausland. Die Abwanderung von Fachkräften aus Polen ist alarmierend.

Die Talentschmiede
Lupe
Krakaus Universität hat sich einen Namen als IT-Schmiede gemacht.
Die Universität AGH gilt als Talentschmiede: Hier studieren Ingenieure, Software-Entwickler, Mathematiker. Anfang der 90er Jahre lehrte an dieser Uni Janusz Filipiak das Fach Telekommunikation. Dann machte er sich mit seinem Software-Unternehmen Comarch selbständig. Hier rekrutiert er weiter seinen Nachwuchs, in Konkurrenz zu Konzernen wie Motorola oder Google: "Eine Zeit lang hatten wir ein großes Problem, weil Krakau sehr angesagt war. Insbesondere in Boomzeiten des Internet in den Jahren 1999/2000."

In der Zeit, in der es weltweit an Fachkräften mangelte, haben viele US-amerikanische Unternehmen angefangen, hier Leute zu beschäftigen. Diese Unternehmen gibt es natürlich auch heute noch, denn entscheidend ist der hohe Bildungsstandard. "Krakau ist derzeit ein wichtiges Zentrum für Software-Dienstleistungen", erzählt Janusz Filipiak. "Cap Gemini und IBM haben sehr große Zentren hier in Krakau."

Comarch ist die polnische SAP
Lupe
Aus der Comarch-Firmenzentrale in Krakau steuert Janusz Filipiak sein Unternehmen. 35 Prozent der Einnahmen kommen aus Deutschland.
Comarch ist die führende IT-Firma Osteuropas, die Firmenzentrale liegt vor den Toren Krakaus. 2005 gründete man eine deutsche Tochter in Dresden. Das Selbstbewusstsein ist unmissverständlich. Comarch will dem deutschen Software-Riesen SAP Konkurrenz machen.

Unermüdlich kämpfte Janusz Filipiak gegen das Vorurteil an, Unternehmenssoftware aus Polen sei zwar günstig, aber nur zweite Wahl. Heute hat er es international geschafft, vor allem in Deutschland. "Momentan betragen die Einnahmen auf dem deutschen Markt 35 Prozent der Gesamteinnahmen. Deutschland ist ein sehr großer Markt, eine sehr große wirtschaftliche Zone, sehr nah", erzählt der Unternehmmer.

Firmenchef und Fußballfan
© Eva Schmidt Lupe
Hier soll zur Fußball-EM 2012 grüner Rasen wachsen: Janusz Filipiak in der Stadionbaustelle von Krakau.
"Wir haben momentan vier Flüge nach München täglich, zwei nach Frankfurt. Vom benachbarten Kattowitz gehen auch einige Flüge ab. Die physische Kommunikation mit Deutschland ist besser als mit Posen oder Danzig, wo wir keine Direktverbindung haben und sechs bis sieben Stunden fahren müssen."

An Pomp hat Filipiak in der Firmenzentrale jedenfalls nicht gespart. 3500 Mitarbeiter beschäftigt Comarch weltweit, angenehme Arbeitsatmosphäre inklusive. Junge Polen gewinnen alljährlich Wettbewerbe für die weltweit besten Informatiker und Programmierer. Sie im Land zu halten, ist eine der großen Zukunftsaufgaben Polens.

Janusz Filipiak greift weiter an - mit Fußball. Um seine Softwareschmiede in Deutschland bekannter zu machen, ist er ins Bundesliga-Sponsoring eingestiegen. In Polen hat sich Filipiak im Fußball-Sponsoring bereits einen Namen gemacht. Auch den Neubau des Krakauer Stadions finanziert er mit.

Sendedaten
Freitag, 25. Februar 2011,
21.30 Uhr

Film von Eva Schmidt

Erstausstrahlung: 23. April 2010
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