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Kaum in den Bergen angekommen, wird Arnold Stein (Ulrich Matthes) mit einem unbekannten Feind konfrontiert. Der Konflikt spitzt sich zu. Ein Kampf auf Leben und Tod beginnt …
Fremder Feind
Arnold Stein (Ulrich Matthes) ist nach dem Tod von Sohn und Ehefrau in eine Berghütte geflüchtet, die hoch in den Alpen liegt. Als ihn ein unbekannter Fremder bedroht, greift der überzeugte Pazifist zu Mitteln der Gewalt.
In Rückblenden wird Arnolds Fluchtgrund erzählt: Arnold hadert sehr mit der Entscheidung seines Sohnes, der nicht nur zum Militär geht, sondern sich auch für einen Auslandeinsatz nach Afghanistan verpflichtet. "Was hat dein Leben mit irgendeinem Stück Wüste zu tun, in das sie dich da schicken?", fragt der Vater.

Anders als seine Frau Karen (Barbara Auer) redet er sich aber ein, dass alles gut werden wird und hält via Mail Kontakt zum Sohn. Die Mutter hingegen ertränkt ihre Sorgen in Alkohol. Als die Nachricht kommt, dass ihr Sohn gefallen ist, zerbricht sie daran. Arnold kauft sich eine verlassene Hütte in den österreichischen Alpen und zieht sich zurück.

Doch dort bekommt er es mit einem Unbekannten zu tun, der immer wieder in der Hütte wütet, Inventar zerstört, Skulpturen im Garten umwirft und auf Arnolds Hund schießt. Anders als von einem Pazifisten zu erwarten, reagiert der zum ersten Mal in seinem Leben mit Gegengewalt.


Das Drehbuch von Hannah Hollinger

"Fremder Feind" ist die Verfilmung von Jochen Rauschs Roman "Krieg". Drehbuchautorin Hannah Hollinger hat das Drehbuch so angelegt, dass Arnold Steins Geschichte erst nach und nach erzählt wird: Sein Leben in den Bergen wird im Wechsel mit den Erlebnissen aus den vergangenen Tagen mit der Familie gezeigt.

Dem Zuschauer wird das Schicksal der Eheleute erst langsam klar: Wie sie mit belanglosen Diskussionen über Soßen die Sorge um den Sohn im Kriegseinsatz umgehen wollen. Wie die Frau lieber alleine den Hund ausführen will als in Begleitung ihres Mannes. Wie er die von ihr versteckten, leeren Rotweinflaschen findet.


Chris redet mit seinem Vater Arnold über seinen Einsatz. © WDR/Schiwago Chris redet mit seinem Vater Arnold über seinen Einsatz.
Für Arnold und Karen beginnt eine zermürbende Zeit.  © WDR/Schiwago Für Arnold und Karen beginnt eine zermürbende Zeit.
Und in der Tat ereilt die Eltern  die gefürchtete, fürchterliche Nachricht, dass ihr Sohn gefallen ist. © WDR/Schiwago Und in der Tat ereilt die Eltern die gefürchtete, fürchterliche Nachricht, dass ihr Sohn gefallen ist.

Interview mit Ulrich Matthes

Wann wurden Sie in das Projekt eingebunden?

Rick Ostermann hat mir die Rolle zu einem frühen Zeitpunkt angeboten. Dadurch konnten wir im Vorfeld detailliert am Buch arbeiten, das entspringt meinem Gefühl einer Gesamt-Verantwortung für das jeweilige Projekt. Dabei fühle ich mich sogar für Sätze verantwortlich, die gar nicht die meiner Figur sind, sondern die einer anderen.

Warum wollten Sie die Figur "Arnold" gerne spielen?

Mir war sofort klar, was das für eine fantastische Rolle ist. Die unglaubliche Intensität der unterschiedlichsten Gefühle hat mich bei der ersten Lektüre sofort angesprungen. Der Stoff ist hochinteressant. Ich selbst habe keine Kinder, aber den Verlust eines Kindes stelle ich mir als das Furchtbarste vor, was ein Mensch durchmachen kann. Ich empfand es vor allem auch als schön, dass die Figur eindeutig ein Sympathieträger ist – kein Massenmörder, kein Profi-Killer oder was ich sonst noch so spiele.

Es war für mich schön, dass die Figur dort startet und sich im Laufe des Films entwickelt und Arnold Seiten an sich kennenlernt, die er möglicherweise gar nicht für möglich gehalten hat.

Als Arnold in den Bergen von einem Fremden bedroht wird, beginnt er sich zu bewaffnen. Wie erklären Sie diese Wandlung des überzeugten Pazifisten?

In der Einsamkeit der Berge widerfahren Arnold die unterschiedlichsten Dinge. Zunächst Mal die Gewalt des Fremden, die er – für sich selbst komplett überraschend – mit einer Art Gegengewalt beantwortet. Das Buch lässt das auf eine, wie ich finde, interessante Art und Weise offen, ob das wie eine kathartische Maßnahme für sich selber ist, um die Gewalt dadurch loszuwerden, oder ob in ihm durch die Gewalt, die seinem Sohn angetan wurde, ein schlummerndes Gewaltpotenzial abgerufen wurde.

Es ist eine seelische Grundsituation, von der weder in der Romanvorlage noch im Film deutlich gesagt wird – was ich gut finde – warum Arnold auf die Gewalt mit Gegengewalt antwortet. Er tut es einfach. Damit bleibt es auch dem Zuschauer überlassen, wie er damit umgeht.


Karen zerbricht an dem Tod ihres Sohnes.  © WDR/Schiwago Karen zerbricht an dem Tod ihres Sohnes.
In Anne begegnet Arnold einem Menschen, der ihm wieder Hoffnung gibt.  © WDR/Schiwago In Anne begegnet Arnold einem Menschen, der ihm wieder Hoffnung gibt.

Sendedaten
Dienstag, 16. April 2019, 20.15 Uhr

Fremder Feind

Darsteller:
Arnold: Ulrich Matthes
Karen: Barbara Auer
Anne: Jördis Triebel
Sandra: Lili Epply
Fremder: Johannes Gabl

Stab:
Regie: Rick Ostermann
Buch: Hannah HollingerKamera: Leah Striker
Musik: Stefan Will

Fernsehfilm Deutschland 2017

Buchtipp
© WDR"Fremder Feind" ist eine Verfilmung des Romans "Krieg" von Jochen Rausch.

Ein Mittelschichtsjunge geht als Soldat nach Afghanistan – und kommt im Sarg zurück. Jochen Rausch holt den Krieg in eine nette deutsche Lehrerfamilie. Kunstvoll gelingt es ihm, den Leser an der Katastrophe zu beteiligen.

Berlin Verlag, Berlin 2013
256 Seiten, 18,99 Euro

3sat-Zuschauerpreis 2018
Alle Filme im Überblick
Der 3sat-Zuschauerpreis prämiert jedes Jahr einen von den zwölf Fernsehfilmen, die für den Wettbewerb des FernsehfilmFestivals Baden-Baden nominiert sind. Wir zeigen alle Filme ab Samstag, 24. November, im Hauptprogramm und in der 3sat-Mediathek. Die 3sat-Zuschauer können für ihre Favoriten abstimmen.