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3sat-Zuschauerpreis
Jury oder Zuschauer: zwei Preise, ein Event
Der 3sat-Zuschauerpreis und der Jurypreis sind ein ungleiches Geschwisterpaar. Der Jurypreis ist älter, weise und verantwortungsbewusst...
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Fernsehfilmfestival Baden-Baden
Gehen Quote und Qualität zusammen?
Fernsehfilme für den Massengeschmack sind dem Fernsehkritiker meistens ein Gräuel. Qualität und Quote - passen diese scheinbaren Gegensätze zusammen?
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3sat-Zuschauerpreis
Woher kommt der Fernsehfilm?
Wer stellt die Fernsehfilme und TV-Movies her? Was ist der Unterschied zwischen abhängigen und unabhängigen Produzenten?
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Fernsehfilm-Festival
Zuschauer gegen Fernsehschlaumeier
Die freie Journalistin Andrea Kaiser war Jury-Mitglied beim Baden-Badener Fernsehfilm-Festival. Aus dieser Innensicht berichtete sie ...
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© dpa/ Tom Schulze Lupe
Dreharbeiten zu dem Fernsehfilm "Der Uranberg", aufgenommen bei Kladno in der Nähe von Prag. Der Film ist unter der Regie von Dror Zahavi entstanden und wurde von der Saxonia Media produziert.
Woher kommt der Fernsehfilm?
Von Abhängigen und Unabhängigen
Die Blockbuster, also Kinofilme, die bis zu 300 Millionen Euro kosten, die werden in Hollywood produziert. Kaum einer der 100 erfolgreichsten Kinofilme stammt von einer europäischen Firma. Genau umgekehrt sieht es bei den Filmen aus, die speziell fürs Fernsehen gedreht wurden. Doch wer stellt diese Fernsehfilme oder TV-Movies eigentlich her?
Film und Fernsehen: Markt von 2,4 Milliarden Euro
© dpa Lupe
Auch Polizeiwagen müssen für Dreharbeiten angemietet werden, wie hier für "Das Unsichtbare Mädchen"
Der sonntägliche Tatort oder die "Donna Leon" Kriminalfilm Reihe sind selbstverständlicher Fernsehalltag. Schöne Stunden bescheren sie den Zuschauern und sind manchmal schon zwei Tage später vergessen. Doch für ca. 100.000 Menschen in Deutschland ist das Erschaffen von Programm Beruf, indem sie Werte von über 2,4 Milliarden Euro erwirtschaften und ausgeben (Umsatz der Film- und Fernsehbranche). Diese Menschen machen sich Gedanken, was die Zuschauer wann sehen wollen. Dabei spielen neben den Erfahrungen der Programmverantwortlichen auch die Quoten eine erhebliche Rolle.

Die Fernsehsender, vor allem die öffentlich-rechtlichen, produzieren Nachrichten, regelmäßige Dokumentationen und Reportagen meist selbst (Report, Monitor, Auslandsjournal etc.). Doch fiktionale Programme, also erdachte und erfundene Geschichten in Form von TV-Spielfilmen, stellen sie nicht her.


Tatort: Eine Million Euro Produktionskosten?
© dpa Lupe
Jo Baier (l.M.) auf einer Brücke bei den Dreharbeiten zu "Das letzte Stück Himmel"
Das hat zwei Hauptgründe: Zum einen sind die Kosten für diese erheblich höher. An einer Nachrichtensendung arbeiten um die 30 Menschen mit (Reporter, Moderator, Kamera, Licht etc.). Bei einem Tatort sind es meist mehr als 500 Menschen. Dementsprechend werden die Produktionskosten eine einzelne Folge eines Tatorts mit einer Million Euro geschätzt. Der zweite Grund für die Auftragsvergabe: Während das Team, das die Tagesschau produziert, auch morgen und übermorgen gebraucht wird, kann es sein, dass der nächste Tatort erst in vier Monaten gedreht wird. Was sollen die Sender mit den 500 Menschen in der Zeit machen? Deswegen werden fast alle Fernsehfilme und auch viele Dokumentarfilme von Firmen produziert, die einen Auftrag vom Sender bekommen. Eine Ausnahme stellt in der ARD der Hessische Rundfunk dar. Er produziert alle Tatorte in Eigenregie.

Harter Wettbewerb um Fernsehaufträge
Wie ein Tatort am Ende auszusehen hat, davon haben nicht nur Fernsehmacher, sondern auch das Publikum eine dezidierte Vorstellung. Doch bei anderen Produktionen kaufen die Sender mitunter die "Katze im Sack", denn kein externer Produzent verkauft fertige Spielfilme. Das unternehmerische Risiko wäre viel zu hoch. Sie verkaufen oft nur eine Idee für einen Film, der dann erstellt wird, wenn ein Vertrag abgeschlossen wird. Somit ist Qualität und vor allem die bei Ausstrahlung erzielte Quote für die Sender schwer einzuschätzen, wenn Sie einen Auftrag vergeben. Bei dem Ringen um die Aufträge der Sender herrscht ein harter Wettbewerb. Die Preise für Auftragsproduktionen stagnieren seit Jahren aber die Kosten der Produzenten steigen.

Unabhängige Fernsehproduzenten klagen
Vor allem die sogenannten "freien" Fernseh- und Filmproduzenten leiden unter dem Kostendruck. Bei den "abhängigen" Produzenten besitzen die TV-Sender Anteile an den produzierenden Firmen. Seit Längerem beklagen sich nun unabhängige Fernseh- und Filmproduzenten darüber, dass die Fernsehsender - vor allem ARD und ZDF bei der Vergabe von Aufträgen immer mehr ihre eigenen Tochterfirmen bevorzugen und somit den Markt verzerren. Für die freien Produzenten sagt Gerhardt Schmidt, Vorstand des Film & Fernseh- Produzentenverbandes NRW im Sommer 2014, herrsche ein gnadenloser Wettbewerb unter den Produzenten, denn der Markt werde kleiner.

Studie: 40 Prozent des Geldes geht an die Töchter
© WDR ARTE Lupe
"Ein Jahr nach morgen" der unabhänigen Kordes & Kordes Film
Zehn bis fünfzehn Prozent aller Fernsehfilme aus Deutschland werden nach einer Studie des Medienwissenschaftlers Horst Röper (aus 2014) von sogenannten "abhängigen" Produzenten hergestellt. Das Volumen der Aufträge an die abhängigen Firmen sei aber wesentlich größer. Bezogen auf den gesamten Markt für Fernsehfilme fließen 40 Prozent des Geldes zu diesen Firmen. Abhängig sind Produktionsfirmen nach Röpers Definition, wenn an ihnen Fernsehsender direkt oder über Umwege mit mehr als 25 Prozent beteiligt sind. Die Größten von ihnen sind die UFA/teamWorx/Grundy (RTL/Bertelsmann), Studio Hamburg (NDR), Filmpool/MME/Permira (Prosieben/Sat1), Bavaria/Maran (WDR/SWR/MDR) und ZDF Enterprises.

"Keine Strategie zur Auslastung von Töchtern"
© ZDF Valentin Menke Lupe
"Das Ende einer Nacht" von Network Movie eine Tochter von ZDF Enterprises
Diese Produktionsgesellschaften sind mit ihren "Müttern" eng verzahnt und wissen eher, welche Spielfilm-Formate in den Sendern gefragt sind, so Röper in einem Interview mit dem Medienmagazin Zapp. In diesem Bereich müsse deswegen mehr Transparenz herrschen, das fordern vier unabhängige Produzentenverbände, darunter die AG Dokumentarfilm (AG DOK). Sie haben deswegen den Entwurf eines Verhaltenskodex für die Vergabe von Auftragsproduktionen durch öffentlich-rechtliche TV-Sender in Deutschland vorgelegt. Der Kodex soll die Zusammenarbeit der öffentlich-rechtlichen Anstalten mit eigenen Tochtergesellschaften und unabhängigen Produktionsunternehmen neu und verbindlich regeln. Es gehe vor allem darum, Transparenz zu schaffen.

Frank Beckmann, der NDR-Fernsehdirektor, weißt diese Vorwürfe (ebenfalls im Magazin Zapp) von sich. Der NDR vergebe zwei Drittel aller Aufträge an unabhängige Firmen. Die "Töchter" des NDR hielten für den NDR auch Übertragungswagen und anderes Fernseh-Equipment bereit, das der NDR für Veranstaltungen, Reportagen und Dokumentationen benötige.

Angesprochen auf die SWR-Tochter Maranfilm betonte der Intendant des SWR Peter Boudgoust auf dem diesjährigen Produzententag in Ludwigsburg: Wir haben (...) keine Konzernstrategie zur Auslastung von eigenen Töchtern. (…) Wir lassen uns ausschließlich von qualitativen Maßstäben leiten. Es sind Qualitätskriterien, die den Ausschlag geben. "

2015 Legte die ARD erstmals einen ARD-Produzentenbericht vor. Demnach gehen weitaus die meisten ARD-Aufträge für Fernsehproduktionen an unabhängige Produzenten. 70 Prozent der investierten Gelder seien es 2014 gewesen, so der 137 seitige Bericht, der einen Überblick über die Auftrags-, Ko- und Mischproduktionen der ARD und der Degeto gibt. Lutz Marmor, der Intendant des NDR der verwies in Stuttgart darauf, dass der ARD-Verbund insgesamt der größte Auftraggeber der hiesigen Fernsehproduzenten sei.


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Kritik an der Auftragsvergabe von ARD und ZDF
Stellungnahme des Berufsverbands der Filmschaffenden im Bereich Produktion
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