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TV-Programm
Mittwoch, 12. Dezember
Regisseur Kilian Riedhof (2.v. l) hat am 19.11.2011 von Martina Zöllner (Leiterin HA Kultur SWR) den 3sat-Zuschauerpreis überreicht bekommen. Durch den Abend führte Moderator Knut Elstermann (r.).
Homevideo - Zuschauer und Jury einer Meinung
Der Fernsehfilm "Homevideo" gewinnt den Zuschauerpreis und den Hauptpreis der Jury des Fernsehfilm-Festivals Baden-Baden. Der beklemmende Fernsehfilm "Homevideo" zeigt die dramatische Geschichte des 15-jährigen Schülers Jakob, der ein kompromittierendes Video von sich im Internet findet und so in eine existenziell bedrohliche Situation gerät.
Außergewöhnliches Cyber-Mobbing-Drama
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Regisseur Kilian Riedhof bedankt sich bei den 3sat-Zuschauern für den Preis
Damit fiel die Wahl der 3sat-Zuschauer auf den gleichen Film, den auch die Fachjury des Fernsehfilm-Festivals Baden-Baden als besten deutschsprachigen Fernsehfilm des Jahres ausgewählt hat. Das Cyber-Mobbing-Drama "Homevideo" (ARTE / NDR / BR) wurde unter der Regie von Kilian Riedhof und nach dem Buch von Jan Braren verfilmt. In dem Film gerät der Schüler Jakob arglos in einen Teufelskreis, den selbst seine Eltern und ein junges Mädchen, dem er sich gerade vorsichtig angenähert hatte, nicht mehr stoppen konnten: Jakobs Mutter hatte – unwissentlich – die Kamera mit einer kurzen Videosequenz einer Selbstbefriedigung, die Jakob von sich selbst gemacht hat, an vermeintliche Freunde weitergegeben. Es dauert nicht lange, bis Jakobs Video im Internet für jeden sichtbar erscheint. Für den Jungen wird sein Leben zum Spießrutenlauf.

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Martina Zöllner (HA Kultur SWR) übergibt die Urkunde an Kilian Riedhof
Eine Woche lang konnten die 3sat-Zuschauer die besten deutschsprachigen Fernsehfilme bei 3sat sehen und dem Film ihre Stimme geben, den sie am besten fanden. Gleichzeitig wurden diese Filme auch beim Fernsehfilm-Festival Baden-Baden gezeigt und mit Filmemachern und Jury offen diskutiert. Die Preise der Jury und der Zuschauerpreis werden in einer feierlichen Gala am Abend (Freitag) vergeben.

Preise der Akademie
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Der Fernsehfilmpreis 2011 der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste geht ebenfalls an das Cyber-Mobbing-Drama "Homevideo". Das Fernsehspiel führe ins "Mark der Gegenwart, der Verletzbarkeit des Individuums in der grenzenlosen mediatisierten Welt". Wie eine gegenwärtige griechische Tragödie spule sich das Schicksal des 15jährigen Gymnasiasten Jakob ab. Radikal und konsequent sei der Film, ein starkes und mutiges Fernsehen auf der Höhe der Zeit, wie die Jury in ihrer einstimmig getroffenen Entscheidung den Preis begründet.


Sonderpreis Komödie
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Mit einem Sonderpreis für eine herausragende Komödie wird die Schweizer Produktion "Vater, unser Wille geschehe" (SRF) ausgezeichnet. Der "schräge, warmherzige, quicklebendige Heimatfilm" um den ins Wachkoma gefallenen Pfarrer Peter Aebi, seine Familie, die Dorfgemeinschaft und einen wundergläubigen Finnen im Kanton Thurgau überzeugte die Jury. Das Drehbuch von Martin Maurer treffe bei aller Kompliziertheit eines „so komplexen Themas wie Sterbehilfe einen Ton, der sozusagen von innen heraus lächele“, wie es in der Jurybegründung heißt.

Weitere Sonderpreise
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Einen Sonderpreis für eine herausragende Literaturverfilmung erhält "Kasimir und Karoline" (ZDFkultur / ARTE). Regisseur Ben von Grafenstein und Drehbuchautor Michael Klette radikalisieren Ödon von Horváths Stück in einer zeitgenössischen Verfilmung und lassen das größte deutsche Volksfest zum Schauplatz der Handlung werden. "Kasimir und Karoline spielt nicht nur auf dem Oktoberfest, es ist wie das Oktoberfest", so die Jury. Der Film, "der fast nichts gekostet hat, aber uns zeigt, was das Leben kostet, wie wir dafür bezahlen müssen, wie der, der nicht kaufen kann, gekauft wird, wie ihm der Schneid abgekauft wird, wie ein Leben und eine Liebe zum Schnäppchen werden, weil die Geilen zu geizig sind, das Glück zu teilen."

Für seine herausragende schauspielerische Leistung in der BR-Produktion "Polizeiruf 110 – Denn sie wissen nicht, was sie tun" wird Matthias Brandt für seine Darstellung des Kommissars Hanns von Meuffels ausgezeichnet. "Matthias Brandt weiß, was er tut und was er nicht tut. Er ist ein Ausnahmeschauspieler, der dem Publikum Sehkraft schenkt und an einen Zuschauer auf Augenhöhe glaubt“.

Einen Sonderpreis für eine innovative und stilbildende Kameraarbeit erhält Benedict Neuenfels für seine "seismographische Bildsprache" in den Filmen “Homevideo" und "Die fremde Familie" (BR), "Seine Kameraästhetik ist immer einen inhaltliche, das Äußere ein Spiegel der Innenräume."

Wie der Fernsehfilmpreis geht auch der 3sat-Zuschauerpreis an die Produktion "Homevideo". Seit 2006 entscheiden sich damit die TV-Zuschauer und die Jury wieder für denselben Film.


Podiumsdiskussion
EPISCH GLOTZEN – Wie erzählt das Fernsehen?
Fernsehfilm-Festival
Prominent und Präsent
Mit dem Hans Abich Preis für "besondere Verdienste im Bereich Fernsehfilm" wird Senta Berger ausgezeichnet. Die Laudatio hält die Schaupielerin Christiane Paul