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LEDs statt Sonne: Prof. Jasper Den Besten forscht zu innovativem Gartenbau.
wissen aktuell: Essen der Zukunft
Wie ernähren wir uns morgen?
Die Weltbevölkerung wächst - und gleichzeitig das Interesse an der Frage, wie Milliarden von Menschen in Zukunft ernährt werden sollen. Essen wir in 100 Jahren nur noch Pulver, weil das zeit- und platzsparender ist? Stellen wir Chips und Burger aus Insekten her? Und kommt unsere Pizza bald aus dem 3D-Drucker? "wissen aktuell" gibt Einblicke in innovative Esskulturen von Den Haag bis Berlin.
Milchfreie Schokolade, Ur-Getreide und Fleisch, das gar keines ist: vermeintlich gesundes, innovatives und wiederentdecktes Essen liegt im Trend. Darauf reagiert auch die Industrie und bringt immer mehr vegetarische und vegane Produkte heraus. Andere Anbieter sind neu auf den Markt gekommen. Sie wollen die Ernährungsgewohnheiten der Verbraucher komplett umkrempeln. So hat ein US-amerikanischer Softwareentwickler ein Getränkepulver entworfen, das feste Nahrung vollständig ersetzen soll. Und das nicht nur temporär, etwa um Gewicht zu verlieren, sondern dauerhaft. Angerührt mit Wasser und Öl soll die Flüssignahrung vor allem Zeit sparen.

Viel dringlicher als die Beschäftigung mit den teils absurden Nahrungsvorlieben der westlichen Welt ist aber ein ganz anderer Punkt: Vor dem Hintergrund der wachsenden Weltbevölkerung müssen Grundnahrungsmittel in ausreichenden Mengen produziert werden. Nur wo? Auf Balkonen und Dächern in Großstädten oder in Laboren unter LED-Licht? Eine weitere wichtige Frage: Kann auch die Gentechnik helfen die Welt satt zu bekommen?

Damit alle satt werden und gleichzeitig die Umwelt geschont wird, sind neue Strategien in der Nahrungsmittelherstellung notwendig. Die Sendung "wissen aktuell" zeigt, wie es um das Essen von Morgen bestellt ist.


Die Themen der Sendung im Überblick:

Der Feind auf unserem Teller

Essen extrem: Die Angst vor Ungesundem, das auf dem eigenen Teller landen könnte, bringt immer mehr Menschen dazu, radikal auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten. Eine Veganerin und der Verfechter einer Steinzeit-Diät berichten von ihren Beweggründen. Beide sind überzeugt davon, dass ihr persönlicher Ernährungsstil der beste ist. Doch die Ernährungswissenschaft relativiert: Solche extremen Ansichten können schädlich sein.

Convenience-Produkte: So bequem wie möglich wollen es die deutschen Verbraucher haben. Darauf spekulieren zumindest hiesige Lebensmittelhersteller, die mit der nächsten Generation der Fertiggerichte um Kunden mit wenig Zeit werben wollen. Holländische und belgische Supermärkte sind da schon weiter. Dort sind die Convenience-Regale bereits lang und gut gefüllt, während sich die Deutschen gerade erst an Sandwiches und Fertig-Salate gewöhnt haben.

Neue Fastfood-Trends: Für unsere Vorfahren galt: Nahrung mit reichlich Fett und Kohlenhydraten ist gut. Heute wissen wir, dass zu viele Kalorien auf einmal ungesund sind. Aber müssen Hamburger und Co. immer ungesund sein? Klassische Fastfood-Ketten sind jedenfalls out. Gefragt sind mittlerweile handgemachte Burger, die aus frischen Zutaten bestehen - oder Joghurt-Eis, das mit weniger Zucker und Fett auskommt.


Weniger Fleisch essen

Lokal, authentisch, handgemacht: Einige Jungunternehmen wollen unsere Esskultur verbessern. Sie züchten Fische und Tomaten in Hochhäusern oder verkaufen in einer Berliner Markthalle Fisch aus umliegenden Gewässern. Frisch soll das essen sein, umweltfreundlich - und so regional wie möglich. Mit diesem Ansatz wollen die kleinen Anbieter der Industrie die Stirn bieten.

Ist Öko für alle möglich?: In seinem Buch "Food-Crash" kommt Prinz Felix von Löwenstein zu dem Schluss, dass der Hunger in der Welt die Grundlage für ein florierendes Geschäft der internationalen Agrarindustrie ist. Er sagt: "Wir werden uns ökologisch ernähren oder gar nicht mehr". Der promovierte Agrarwissenschaftler will das Rezept für eine funktionierende Welternährung parat haben: eine ökologische Landwirtschaft, die verantwortlich mit den Ressourcen und den Menschen umgeht.

Weniger is(s)t mehr: Eigentlich ist genug für alle da. Doch weltweit leiden schätzungsweise rund eine Milliarde Menschen an Hunger. Einer der Gründe dafür ist, dass wir zu viel Fleisch essen. Allein in Deutschland werden pro Jahr im Schnitt 60 Kilogramm Fleisch pro Kopf verputzt. Dabei verbraucht die Fleischproduktion viel Wasser - und das Tierfutter nimmt große Ackerflächen in Anspruch, auf denen genauso gut Kartoffeln wachsen könnten.


Insekten als Alternative?

Think small: In den USA sind bereits Tortilla-Chips aus Grillen-Mehl auf dem Markt, es gibt Kochbücher, die zum Kochen mit Mehlwürmern und Heuschrecken anleiten und einige Sterneköche produzieren sogar ganze Menüs aus Krabbeltieren. Die Vorteile liegen auf der Hand: Das "Fleisch" von Insekten hat weniger Fett, mehr Protein und verbraucht bei der Aufzucht weniger Wasser.

Propagandaschlacht um die Gentechnik: Ist gentechnisch verändertes Saatgut tatsächlich so gut, wie es die Agrartechnik-Riesen versprechen? Die Industrie wirbt, dass sich mit Gentechnik größere Erntequoten auf kleineren Flächen erzielen ließen - und dafür weniger Pestizide eingesetzt werden müssten. Doch die Skepsis gegenüber den Genpflanzen wächst, denn sie sind anfälliger für Resistenzen.

Genome Editing: Beim sogenannten "Genome Editing" werden Gene ins Erbgut von Pflanzen eingeschleust. Das soll sie resistenter gegenüber Krankheiten oder Schädlingen machen. Das Ergebnis sind Gemüse- und Getreidesorten, die durch reguläre Züchtung nie entstanden wären. Umso spannender erscheint eine neue Methode, die das Erbgut gemäß der natürlichen Züchtungsergebnisse verändert, allerdings sehr viel schneller.


Speicherplatz für Pflanzenvielfalt

Europas größte Samenbank für Nutzpflanzen: In Gatersleben (Sachsen-Anhalt) steht ein bedeutendes Kühlhaus. Bei minus 18 Grad lagern hier Pflanzensamen von über 150.000 Kulturpflanzen - in Einweggläsern. Darunter auch Sorten, die gar nicht mehr angebaut werden, zum Beispiel alte, widerstandsfähige Weizen-Sorten. Bedeutsam ist die Gaterslebener Samenbank vor allem deshalb, weil die alten Sorten Resistenzen in sich tragen, die es in den modernen, ertragreicheren Sorten in der Regel nicht mehr gibt. Werden Nutzpflanzen von Krankheiten befallen, kann das Erbgut aus den alten Pflanzensamen einzelne Sorten retten.

Melken bis zum Ruin: Lange befand sich der Preis für Rohmilch auf einem Allzeittief. Nun ist der Literpreis für Milch in Supermärkten wieder deutlich gestiegen. Auch Milchprodukte kosten jetzt mehr. Doch das vormals niedrige Preisniveau hat seit dem Wegfall der EU-Milchquote vor mehr als einem Jahr bereits viele Milchbauern zum Aufgeben gebracht.

Indoor-Farming: Die Anbauflächen für Nahrung werden immer knapper. Einige Wissenschaftler und Landwirte versuchen deshalb Gemüse in vertikalen Gewächshäusern anzubauen. Das spart Platz und soll standort- und saisonunabhängig gute Qualität bringen. Blaue, rote und infrarote LEDs ersetzen hier das Sonnenlicht. Und je nach Belichtung kann man sogar den Geschmack der Erzeugnisse verändern, Rettich zum Beispiel süßer machen.

Solidarische Landwirtschaft: Um größtenteils unabhängig von Supermärkten und der industriellen Landwirtschaft zu sein, wirtschaften Bauern und Verbraucher in der sogenannten "Solidarischen Landwirtschaft" gemeinsam. So auch in der Gartencoop Freiburg, die 300 Mitglieder zählt. Deutschlandweit gibt es insgesamt 85 Höfe, die regionale und biologische Ware anbauen und sie zu fairen Preisen verkaufen. Hunderte weitere sind in Planung.


Sendedaten
Freitag, 6. Januar 2017, 12.35 Uhr

Tierhaltung
wissen aktuell - Unser täglich Fleisch
Mit dem romantischen Bilderbuchbauernhof, den viele Verbraucher noch immer im Kopf haben, hat moderne Landwirtschaft heute nichts mehr zu tun. Schweine werden "produziert" und nicht gezeugt.
Dokumentation
Un-Heil Essen
Auf Nahrungssuche zwischen Vergiftungsangst und Heilsversprechen: Rohkost, Veganismus, Insekten oder doch das gute, alte Steak? Kann Nahrung heilen?
Konsum
Biobauer versus Supermarkt
"Du bist, was du isst" heißt es im Volksmund. Der Trend umweltbewusst und biologisch korrekt einzukaufen, ist schon längst in den Regalen der gängigen Supermarktketten angekommen.
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