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wissen aktuell: Unsere tägliche Droge
Alkohol ist die Droge Nummer eins in Deutschland. Sie steht für Geselligkeit, aber eben auch für Exzesse, Verkehrsunfälle und Gewaltdelikte. Mehr als anderthalb Millionen Deutsche sind süchtig nach Beruhigungs- und Schlafmitteln. Aufgrund der lockeren Verschreibungspraxis vieler Ärzte sind diese Mittel als "saubere Drogen" in der Apotheke einfach und legal erhältlich. Der gesundheitliche, aber auch der soziale und wirtschaftliche Schaden durch diese legalen Drogen ist groß.
Welche Drogen legal sind und welche nicht, hängt vom soziokulturellen Kontext ab - und die gefährlichsten Drogen sind nicht unbedingt die, gegen die der Gesetzgeber am vehementesten vorgeht. Während sich so der Missbrauch von Medikamenten und Alltagsdrogen wie Alkohol in der Mitte der Gesellschaft etabliert haben, werden andere Rauschmittel nach wie vor kriminalisiert. Wissenschaftlich macht das keinen Sinn, denn gefährlich sind sie alle.

Beim Blick auf den politischen Umgang mit der Drogenfrage wird deutlich, dass die vorwiegend repressive Politik zunehmend in Frage gestellt wird: Der Drogenmarkt soll nicht mehr allein den Kriminellen überlassen werden, denn illegale Rauschmittel sind erhältlich wie eh und je, und der Kampf gegen sie kostet Jahr für Jahr viele Menschenleben. Sollten bestimmte Drogen legalisiert werden, um den Drogenmarkt auszutrocknen? Ein Blick nach Portugal oder in den US-Bundesstaat Colorado zeigt, wie eine solche Legalisierung aussehen könnte.

"wissen aktuell: Unsere tägliche Droge" blickt auf die Rauschmittel unserer Gesellschaft und ihren Missbrauch, hinterfragt die politischen Ansätze und Regelungen und zeigt neue Wege im Umgang mit gefährlichen Drogen.


Die Themen der Sendung im Überblick:

Die tägliche Dröhnung
© SWR Medikamentenabhängige sind heute nach den Alkoholikern die größte Gruppe der Suchtkranken in Deutschland.
Medikamentenabhängige sind heute nach den Alkoholikern die größte Gruppe der Suchtkranken in Deutschland.
Deutschland auf Droge: Mehr als anderthalb Millionen Deutsche sind süchtig nach Beruhigungs- und Schlafmitteln. Wir schildern den Fall einer Betroffenen, zeigen das System hinter der Verschreibung, die Gefahren einer unkontrollierten Einnahme sowie Möglichkeiten der Therapie.

Nur Spießer trinken nicht: Das Bierchen am Abend, das Glas Wein zum guten Essen: Menschen, die bewusst darauf verzichten, gelten schnell als Spielverderber. Wir begleiten einen jungen Abstinenzler, der in seinem Leben noch keinen Tropfen Alkohol getrunken hat. Außerdem treffen wir einen Suchtmediziner, der uns beim Feierabendbier mit Kollegen über das maßvolle Genießen aufklärt.


Alkohol - die unterschätzte Droge
© SWR Alkoholkonsum kann nicht nur süchtig machen, er erhöht auch das Krebsrisiko.
Alkoholkonsum kann nicht nur süchtig machen, er erhöht auch das Krebsrisiko.
Alkoholgefahr - Warum tut keiner was? Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Tod: Der gesundheitliche, soziale und wirtschaftliche Schaden des Alkoholkonsums in Deutschland ist immens. Dennoch gibt es kaum Bestrebungen, die Droge zu kontrollieren, etwa mittels Erhöhung der Alkoholsteuer. Unser Reporter geht auf Spurensuche im Bier- und Weinland und zeigt: Die Alkohol-Lobby hat die Politik fest im Griff.

Wie gesund ist Alkohol? Das Nervengift Alkohol schadet nicht nur der Leber: Seine Abbauprodukte greifen die Zellen im ganzen Körper an und beschädigen auch ihr Erbgut,– was das Risiko für verschiedene Krebsarten erhöht. Außerdem werden Gehirnzellen beim Rausch nicht nur geschädigt, sie sterben sogar ab, was im schlimmsten Fall zu Demenz führt.

Trinker wie du und ich: Unser Reporter trinkt täglich zwei Gläser Wein zum Essen. Für ihn ist das Genuss, doch er denkt auch an die gesundheitlichen Risiken - und verordnet sich weniger Alkohol. Er folgt dem Angebot einer Suchtberatung und lernt in einem Kurs das "kontrollierte Trinken": ein Selbstversuch mit Folgen. Denn die Auseinandersetzung mit dem Alkohol ist eine Reise zum eigenen Ich.


Was Drogen gefährlich macht
© SWR Drogenkonsum ist vor allem dann gefährlich, wenn er heimlich und unwissend geschieht.
Drogenkonsum ist vor allem dann gefährlich, wenn er heimlich und unwissend geschieht.
Wie wirken Drogen? Kokain, Chrystal Meth, Cannabis und Opium: Unser Comic-Held will mit Drogen experimentieren - hat aber leider überhaupt keine Ahnung davon, was die in seinem Gehirn anrichten. Wir zeigen, wie die jeweiligen Drogen die Nervenzellen erregen, welche Folgen das für unser Bewusstsein hat und warum dem Hochgefühl der Kater folgt.

Legal High - neue Designerdrogen: Sie putschen auf, machen high – und es gibt sie ganz legal: Synthetische Drogen können als "Legal Highs" bequem über das Internet bestellt werden und kommen per Post direkt ins Haus. Sie heißen "Kräutermischung" oder "Badesalz" und muten harmlos an. Doch es sind hochgefährliche Mixturen. Was genau darin steckt, weiß niemand, die Folgen der Einnahme sind unvorhersehbar.

Drogen kann man nicht erschießen: Der Kampf gegen Drogen kostet Jahr für Jahr viele Menschenleben, und ein Ende ist nicht in Sicht: Drogen sind erhältlich wie eh und je. Inzwischen stellen viele Stimmen aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft die vorwiegend repressive Politik in Frage. Sie wollen den Drogenmarkt nicht mehr länger allein den kriminellen Händen lassen. Der Film geht auf Spurensuche in Europa und den USA und dokumentiert neue Wege aus dem Drogenkrieg.


Böse Drogen, gute Drogen
© SWR Cannabis ist vor allem für Jugendliche gefährlich.
Cannabis ist vor allem für Jugendliche gefährlich.
Ist Cannabis gefährlich? Cannabis gilt als relativ harmlos - zumindest für Erwachsene, die hin und wieder einen Joint rauchen. Doch es kann auch abhängig machen und ist durch gezielte Zucht heute eine andere und härtere Droge als zu seligen Hippiezeiten. Vor allem Jugendlichen kann Kiffen ziemlich auf Gemüt und Gehirn schlagen. Wir zeichnen die Drogenkarriere eines Teenagers nach und zeigen: Cannabis ist keine harmlose Jugenddroge.

Ritualisierung von Drogenkonsum: Der Rausch ist so alt wie die Menschheit, und eine drogenfreie Welt wird es wohl nicht geben. Ein Mediziner und Psychologe plädiert daher für einen vorurteilsfreien Zugang zu Drogen. Ein vernünftiger Umgang mit psychoaktiven Substanzen sei lernbar - und verhindere Rauschkatastrophen. Auch der Blick in andere Kulturen zeigt: Unter Aufsicht und als Ritual gepflegt, kann der kontrollierte Drogenkonsum sogar bereichernd sein.

LSD-Therapie: LSD ist eine starke Droge und kann - unkontrolliert genommen - verheerend sein. Es war daher lange Zeit als "Horrortrip-Droge" verschrien, rückt inzwischen aber auch wieder in den Fokus der Medizinforschung: Studien in der Schweiz belegen den therapeutischen Nutzen des Halluzinogens. Ein Psychiater behandelt damit sogar Depressionspatienten. Neun Stunden dauert die betreute "Reise" - ein kontrollierter Trip mit erstaunlichen Folgen.


Sendedaten
Donnerstag, 6. Oktober 2016, 20.15 Uhr
"Legal Highs"
Vermeintlich harmlose Drogen können tödlich sein
Ein Mann ertrinkt in einer Pfütze, weil er eine im Internet als "Kräutermischung" verkaufte Droge geraucht hat. Das Geschäft mit den "Legal Highs" boomt im Netz seit einigen Jahren. Doch wer Badesalze und Aquariumreiniger bestellt und diese zu sich nimmt, geht ein erhebliches Risiko für seine Gesundheit ein.
Nur Spießer trinken nicht
Volksdroge Alkohol
Das Bierchen am Abend, das Glas Wein zum guten Essen: Menschen, die bewusst darauf verzichten, gelten schnell als Spielverderber. Alkohol hat eine starke soziale Komponente, und wenn jeder in einer gemütlichen Runde Alkohol trinkt, dann können wir doch gar nicht anders als mittrinken - oder?