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© wdr Lupe
Vogelkundler sind den Lärmstrategien von Vögeln auf der Spur.
Zwitschern wie ein Handy
Die Lärmkulisse der Großstadt zwingt Vögel zur Anpassung. Zumindest Amseln scheint das gut zu gelingen, sie erobern Vorgärten und Parks, nehmen auch mal einen Wecker-Alarm in ihr Repertoire auf.
© wdr Lupe
Auch Vögel sind geplagt vom Großstadtlärm.
Die zwei Hauptfunktionen des Vogelgesangs sind die Revierverteidigung und das Anlocken von Paarungspartnern. Doch unsere Welt ist laut und wird immer lauter und Tiere, die Schall zur Verständigung benutzen, stehen vor dem Problem, sich Gehör zu verschaffen. Henrik Brumm vom Max Planck Institut Seewiesen kennt diese Phänomene. Er ist Experte für Vogelgesänge in Großstädten und erforscht, wie sich Vögel mit dem Lärm der Stadt arrangieren. "Einige Arten haben sich an die Stadtbedingungen angepasst. Aber andere, weniger anpassungsfähige Arten werden auf Dauer sicher Probleme bekommen", sagt Henrik Brumm.

Vögel die bleiben, ändern ihren Tagesablauf
© wdr Lupe
Amseln singen höher
Seine und andere Studien belegen: Die Sounds der Großstadt spalten die Vogelgemeinde. Einige Arten halten es einfach nicht aus. "Man hat zum Beispiel herausgefunden, dass der Artenreichtum an starkbefahrenen, lauten Straßen drastisch abnimmt und das trifft vor allen Dingen Vogelarten, deren Gesang akustisch vom Verkehrslärm überdeckt wird", so der Ornithologe. Die Vogelarten, die in den verlärmten Gebieten bleiben, ändern ihren Tagesablauf. "In Städten beginnen viele Vögel besonders früh morgens zu singen. Das hat zum einen mit den vielen künstlichen Lichtquellen in der Stadt zu tun, zum anderen aber auch mit dem Lärm, dem die Vögel dadurch ausweichen, dass sie besonders morgens oder vielleicht sogar mitten in der Nacht anfangen zu singen." Auf dem Land ist dagegen alles beim Alten geblieben: Das Vogelkonzert beginnt erst mit dem Morgengrauen.

Vögel, die sich hier erfolgreich vermehren wollen, müssen sich richtig was einfallen lassen: Früher singen alleine reicht nicht. Henrik Brumm hat zwei Jahre lang Vogelgesänge in lauten und ruhigen Gegenden aufgezeichnet und ausgewertet: Sein Ergebnis: Um von Artgenossen gehört zu werden, singen Stadtvögel lauter. Andere Forscher hätten sowohl in Europa als auch in Nordamerika festgestellt, dass die Vögel in den Städten hochfrequenter singen als auf dem Land. Es werde vermutet, dass sich die Tiere an ihre Umwelt anpassen und mit ihrem hochfrequenten Gesang über den Lärm hinweg singen.


Sendedaten
Donnerstag, 27. März 2014, 20.15 Uhr
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Wissen aktuell: Stressfaktor Lärm
Der Großangriff auf unsere Ohren