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Mittwoch, 24. Juni
© dpa/ Stanislav Krasilnikov/TASS Lupe
Unweit von Lugansk in der Ostukraine: Krieg ist hier für die Kinder Alltag. Bilder
Der Krieg mit den Augen der Kinder
14 Millionen Kinder und Jugendliche leiden alleine in Syrien und den Nachbarländern unter den Folgen eines extrem brutalen Krieges. Mindestens 10.000 Kinder wurden in Syrien getötet, schätzen die Vereinten Nationen (UN). In der Ostukraine sind um die 1,7 Millionen Kinder beiderseits der Front von den Folgen des Bürgerkrieges betroffen, sei es, dass sie nicht zur Schule gehen können oder dass es an einer Wohnung oder Nahrung fehlt.
Der elfjährige Tolik erzählt: "Das Geschoss ging durch den Stoff auf meiner Schulter und flog weiter. Ich bin eben ein Glückskind." Tolik wurde wie durch ein Wunder nicht verletzt. Andere Kinder in der Ostukraine hatten nicht so viel Glück. Mindestens 42 Jungen und Mädchen wurden nach Angaben der ukrainischen Regierung seit März 2014 durch Landminen und Blindgänger in den Regionen Donezk und Luhansk getötet. Experten des Kinderhilfswerk UN schätzen aber, dass die Zahl der getöteten Kinder viel höher liegt.

Tote oder verletzte Kinder sind immer ein Fanal für den Irrsinn des Krieges. Kinder, die im Krieg aufwachsen, sind schwer traumatisiert und oft indoktriniert. Sie brennen darauf, das ihnen angetane Leid zu vergelten, sobald sie dazu fähig sind. Eine Spirale des Hasses und der Vergeltung entbrennt. Eine Befriedung wird fast unmöglich.


Bilder: Kinder im Krieg
Kinder sitzen am 02.03.2015 in einer Schulklasse in Kobane, Syrien.  ©  Antonio Pampliega/dpa Lupe
Kinder spielen am 02.03.2015 in Kobane, Syrien, und rennen durch ein großes Loch in einer Wand.  ©  Antonio Pampliega/dpa Lupe
Ein kleines Kind liegt tot in den Straßen von Aleppo in Syrien (Oktober 2012). © DPA/EPA/MAYSUNLupe
Das Flüchtlingslager Azaz auf syrischem Gebiet am 2013 nahe dem Bab Al-Salama Grenzübergang an der türkisch - syrischen Grenze.  © DPA/Thomas RassloffLupe

Eine ganze Generation wird traumatisiert
Auch für die Kinder, die nur Zeugen von Gräuel sind, hat der Krieg weitreichende psychische Folgen. Der Bürgerkrieg in Syrien und in der Ukraine traumatisiert eine ganze Generation: "Für die kleinsten Kinder ist Krieg das Einzige, was sie kennen", beschreibt der Unicef-Chef Anthony Lake die Lage in Syrien. "Die Heranwachsenden, deren prägende Jahre gerade vor ihnen liegen, sind nicht nur traumatisiert. Die Vergangenheit, die Gewalt und das Leid haben auch ihre Zukunft geprägt."

Die Beauftragte des UN-Kinderhilfswerks Unicef für Syrien, Hanaa Singer, berichtet schreckliches aus dem Land. Sie habe nahe Damaskus eine Mutter getroffen, die ihr Kind durch einen Mörserbeschuss verloren habe. "Der Kopf des Mädchens war abgetrennt worden, die Mutter redete mit mir, sie hatte keine Tränen mehr, sie war wie viele Menschen in Syrien, sie hatte einfach schon zu viel Schreckliches erlebt." Hanaa Singer sprach auch mit anderen Opfern desselben Angriffs "Dem einen Jungen, er war sieben oder acht Jahre alt, ihm fehlte ein Auge, mit dem anderen Auge sah er mich an, sein Blick war wie tot und voller Bitterkeit."


Bilder: Kinder im Krieg
Ein Kindergarten in der Region Donezk im Januar 2015 © DPA/EPA/ANASTASIA VLASOVALupe
Ein Junge in einem Bus mit Flüchtlingen aus der Region Donezk © DPA/Mikhail Voskresenskiy/RIA NovostiLupe
Die Schuluniformen von drei verschleppten Kindern in Nordnigeria. Die Terrororganisation  Boko Haram macht gezielt Kinder zum Ziel ihrer Angriffe.  Das Bild von Glenna Gordon gewann der zweiten Platz des  "World Press Photos 2015" © DPA/EPA/Glenna Gordon Lupe
 Ein neunjähriger Kindersoldat schießt am  mit seiner Waffe während des Bürgerkrieges in Monrovia, Liberia, in Afrika. (2003) © DPA/Nic Bothma/EPALupe

Kinder in den Kriegsjahren 1939 - 1945
In Deutschland erscheint der Krieg angesichts solcher Schilderungen weit entfernt. Doch die Generation, die den Zweiten Weltkrieg als Kinder mitbekommen hat, ist heute um die 80 Jahre. Auch sie haben Grausames erlebt und erst in den letzten Jahren beschäftigt sich die Öffentlichkeit mit dem Thema Kriegskinder.

Anlässlich des 70. Jahrestages zum Ende des Zweiten Weltkrieges am 8. Mai sind von Sonntag, 26. bis zum Donnerstag, 30. April Dokumentationen und Spielfilme über Kinder und ihre Erlebnisse in den Kriegsjahren zu sehen.

Auftakt der Woche ist die Dokumentation "Die Ängste bleiben lebenslang - Kriegskinder erinnern sich" (Sonntag, 26. April, 21.45 Uhr). 1,8 Millionen Menschen, die in der heutigen Bundesrepublik leben, haben ihre Kindheit im Zweiten Weltkrieg erlebt. Sie mussten früh erwachsen werden und hätten allen Grund gehabt, um über ihre verpasste Kindheit und Jugend zu weinen. Viele haben es nicht getan. Sie haben sich das Recht dazu nicht zugestanden. "Den von den Nazis verfolgten und umgebrachten jüdischen Kindern ging es doch viel schlimmer als uns" - also beklagten sie sich nicht, sprachen nicht über das erlebte Grauen. Doch die Bilder, Geräusche und Gerüche begleiten sie ein Leben lang.



Die Themenwoche vom 26. - 30. April 2015:
So. 26.4., 21.45 Uhr: Die Ängste bleiben lebenslang - Kriegskinder erinnern sich
So., 26.4. 22.30 Uhr: Verbotene Spiele (Spielfilm)
Mo., 27. April, 22.30 Uhr: Hitlers betrogene Generation (1) - Kriegskinder in Bayern
Mo., 27. April, 23.05 Uhr: Hitlers betrogene Generation (2) - Kriegskinder in Bayern
Di., 28. April, 20.15 Uhr: Wunderkinder (Spielfilm)
Di., 28. April, 22.25 Uhr: Wolfskinder (Dokumentarfilm)
Mi., 29. April, 20.15 Uhr: Vater blieb im Krieg - Kindheit ohne Vater nach dem Zweiten Weltkrieg
Mi., 29. April, 21.00 Uhr: Die Odyssee der Kinder ("ZDF-History")
Mi., 29. April, 22.25 Uhr: Mein Kriegswinter (Spielfilm)
Do., 30. April, 22.25 Uhr: Die letzten Glühwürmchen (Zeichentrickfilm)

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Sendedaten
Themenwoche vom 26. - 30. April 2015
Dokumentation
Die Kinder von der Front
Viele Kinder leben noch immer in der umkämpften syrischen Stadt Aleppo in ständiger Gefahr, selbst Opfer des Bürgerkrieges ihrer Eltern zu werden.
nano
Ins Hirn eingebrannt
Einen dauerhaften Frieden zwischen Israel und den Palastinensern könne es nur geben, wenn beide Parteien die Traumata loswürden, die sie an die nächste Generation weitergeben.
nano
Kindersoldaten: Fasziniert von Gewalt
Bei der Therapie ehemaliger Kindersoldaten ist übersehen worden, dass einige Kinder das Ausüben von Gewalt genießen, so der Konstanzer Psychologe Tobias Hecker.