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Mittwoch, 24. Juni
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Sarajewo, die Erschießung Franz Ferdinands (Spielzene). Sehen Sie die ganze Sendung als Video (90 Minuten)
Europas letzter Sommer
Die Julikrise
Am 28. Juni 1914 wird in Sarajewo der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand ermordet. Nur noch fünf Wochen trennen den europäischen Kontinent vom Wahnsinn eines mechanisierten, industrialisierten und mit allen verfügbaren Mitteln geführten Krieg.
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Wilhelm II. (Hubertus Hartmann, Mitte) hält seine Rede an das Volk am Berliner Stadtschloss. Tirpitz (Rudolf Trommer, rechts) und Waldersee (Sebastian Hubel).
In der ersten Hälfte des Jahres 1914 herrschte in Europa noch Frieden. Doch es ist die Ruhe vor dem Sturm: Deutschland ist seit der Reichsgründung 1871 in beispielloser Schnelle zur Großmacht aufgestiegen. Die alten imperialen Mächte in Europa fühlen sich bedroht. Die Feindschaft zwischen Deutschland und Frankreich ist ungebrochen. Durch den Zerfall des Osmanischen Reiches kommt es auf dem Balken zum Streit über die Ansprüche auf diese vormals von den Muslimen bewohnten oder besetzen Gebiete.

Der Mord sorgt zunächst nicht für Aufregung
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Sarajewo, die Erschießung Franz Ferdinands. Princip (Cerda Roma Alkos, Mitte) ist der Attentäter.
Als der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 in Sarajewo ermordet wird, sorgt dies jedoch zunächst nicht für sonderliche Aufregung, denn Ferdinand war sogar im eigenen Land nicht sehr beliebt. Außerdem befinden sich die meisten Machträger in Europa gerade im Urlaub oder auf Kur. Niemand glaubt zu diesem Zeitpunkt, dass diese Tat einen Weltenbrand auslösen könnte. Das politisch motivierte Attentat auf den ungeliebten Thronfolger bezieht sich lediglich auf den lokalen Balkankonflikt, während die "großen" defensiven Militärbündnisse auf dem Kontinent dagegen zwischen England, Frankreich und Russland auf der einen Seite und Deutschland, Österreich-Ungarn und Italien auf der anderen Seite bestehen.

Österreich wollte ein Exempel statuieren
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Delbrück (Eric P. Caspar), Bethmann Hollweg (Frank Roth) und Riezler (Lars Rudolph).
Im Jahr 1908 annektierte die österreichisch-ungarische Monarchie das heutige Bosnien-Herzegowina. Der Berliner Kongress hatte zwar nach dem Sieg der Russen über die Osmanen die Provinzen Bosnien und Herzegowina unter österreichisch-ungarische Verwaltung gestellt und Österreich-Ungarn auch das Recht zugestanden, dort Soldaten zu stationieren, doch die formale Einverleibung löste eine politische Krise aus. Die benachbarten Serben reagierten mit der Bildung des "Balkanbundes", einem internationalen, defensiven Militärbündnis unter Patronage des russischen Kaiserreichs.

Nun fürchtet man sich in Österreich-Ungarn vor den aufstrebenden Nationalbewegungen auf dem Balkan. Als nach dem Attentat in Sarajewo eine vage Verbindung des Täters zur serbischen Geheimorganisation "Schwarze Hand" bekannt wird, nimmt man dies in der Doppelmonarchie zum Anlass, an Serbien ein Exempel zu statuieren. Damit nimmt das Unglück seinen Lauf. Man wirft der serbischen Regierung vor, vom Attentat gewusst zu haben und droht dem Land mit Krieg. Diese Vorgehensweise wird gerade auch vom Deutschen Reich forciert, das mit der österreichisch-ungarischen Monarchie verbündet ist.


Die Deutschen nahmen einen Weltkrieg in Kauf
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Volker Ranisch (l. als Wilhelm Prinz zu Stolberg-Wernigerode) und André Röhner (als Karl Graf von Kageneck).
In Deutschland ist man - gestärkt durch militärische Aufrüstung und wirtschaftlichen Aufschwung - sogar bereit, bei einer möglichen internationalen Eskalation des Streits gegen das mächtige Russland in den Krieg zu ziehen, das bei einem Angriff auf Serbien zweifellos aktiv werden würde. Auf deutscher Seite nehmen dieses Risiko nicht nur der oberste Militär, General Moltke (Volker Spahr) und der Kriegsminister Falkenhayn (Klaus Guth), sondern auch Kaiser Wilhelm II. (Hubertus Hartmann), Reichskanzler Bethmann-Hollweg (Frank Röth) und sein Berater Kurt Riezler (Lars Rudolph) wissend in Kauf.

Doch nicht nur gegen Russland möchte man losschlagen. Da das russische Zarenreich mit Frankreich verbündet ist und letzteres im Falle einer Eskalation voraussichtlich das Deutsche Reich ebenfalls attackieren würde, kalkuliert die überhebliche deutsche Führung schlicht auch mit einem schnellen Präventivschlag gegen den französischen Nachbarn. Aber Frankreich wiederum ist auch mit England verbündet, der damaligen Weltmacht Nr. 1. Diese komplexen, internationalen Verbindungen sind es, die aus dem lokalen Balkankonflikt innerhalb weniger Wochen einen kontinentalen, später sogar weltweiten Krieg werden lassen. In diesem Sommer scheint die Sonne in Europa zum letzten Mal für viele Jahre.


Dokudrama über dramatische fünf Wochen
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Gute Stimmung im Hause Baltazzi. Man feiert die Übergabe der Note an Serbien.
Das Dokudrama "Europas letzter Sommer" schildert die dramatischen fünf Wochen zwischen dem Attentat und dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges.Im Fokus stehen dabei die komplexen Motivationen und Entscheidungsfindungen der Staatslenker und Diplomaten Europas. Basierend auf Originaldokumenten führt der Film die Zuschauer durch die Arbeits- und Konferenzzimmer der verschiedenen Machtzentren des Kontinents sowie durch die Clubs und Cafés der Hauptstädte, in denen die Gespräche zwischen den beteiligten Diplomaten stattfanden.

Sendedaten
Sonntag, 26. Januar 2014, 18.45 Uhr
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Europa am Abgrund
18. bis 26. Januar 2014
Herfried Münkler
Erster Weltkrieg - wer war schuld?
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