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Mittwoch, 24. Juni
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Elektromeister Karl Lorenz kritisiert, dass die Industrie nur noch auf ihren Absatz schaut. Sehen Sie die ganze Sendung (44 Minuten)
Schmeiß weg, kauf neu!
Warum nicht mehr repariert wird
In Deutschland fallen jedes Jahr 700.000 Tonnen Elektroschrott an, ein gigantischer Müllberg. Verbraucherschützer vermuten, dass Hersteller bewusst Schwachstellen und Material minderer Qualität einbauen, damit ihre Produkte schneller verschleißen oder kaputtgehen.
Fest eingebaute Akkus, die bald erschöpft sind
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Röhrenfernseher auf dem Müll: Verbraucher wollen Flachbild. Doch deren Lebensdauer ist deutlich geringer.
Die Firma Apple produzierte Anfang 2001 die erste Generation der iPods. Sie besaßen einen eingebauten, nicht austauschbaren Akku, der nach kurzer Zeit nur noch Strom für ein paar Minuten speicherte. Die Verbraucher beschwerten sich massenhaft. Viele warfen dem Konzern vor, wissentlich Akkus verbaut zu haben, die eine begrenzte Lebensdauer von nur 18 Monaten hatten. In den USA kam es zu einer Sammelklage und einer außergerichtlichen Einigung, bei der sich Apple verpflichtete statt einer Garantie von 18 Monaten nun 24 Monate lang den Akku zu tauschen.

Auch bei elektrischen Zahnbürsten beschweren sich Verbraucher immer öfter: Der fest eingebaute Akku habe nach zweieinhalb Jahren nur noch eine sehr geringe Leistung. Dem Premiumgerät für 100 Euro ist zwar eine Anleitung beigefügt, wie man den Akku umweltgerecht entsorgt, dabei aber die Zahnbürste zerstört. Den Materialwert des Akkus schätzen Fachleute auf fünf Euro. Sind das Einzelfälle, oder steckt ein System dahinter?


Eine Reparatur ist nicht vorgesehen
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Millionen von Auto-Ersatzteilen stapeln sich im Lager, ein Geschäft, das boomt.
Warum hielten früher Elektroprodukte länger? Werden diese heute so gefertigt, dass sie nach wenigen Jahren, meist nach Ablauf der Garantie, den Geist aufgeben? "Ja, so ist es," sagen Elektromeister wie Dieter Knierim oder Karl Lorenz, die sich der Reparatur von Haushaltsgeräten wie Spül- oder Waschmaschine verschrieben haben. Die Bauteile seien heute oft so dimensioniert, dass die Lebensdauer gering sei. Eine Reparatur sei außerdem bei Billiggeräten nicht vorgesehen, da die gesamte Elektronik eines Haushaltsgerätes in Kunststoff eingegossen sei. Nur die ganze Baugruppe könne für viel Geld gewechselt werden - auch wenn nur ein Kondensator für wenige Cent defekt sei. Die Material- und Herstellungskosten eines Spülkorbs für einen Geschirrspüler belaufen sich auf wenige Euro – doch als Ersatzteil kostet er um die 100 Euro - ist das noch verhältnismäßig oder ein Kaufanreiz für ein Neugerät? Auch bei vielen Komponenten für Autos sind - im Gegensatz zu früher - nur noch komplette Pakete austauschbar, berichten Autoschrauber.

Studie: Hersteller bauen Schwachstellen bewusst ein
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Viele Elektrogeräte ließen sich reparieren, doch das lohnt sich schlicht nicht.
Eine Studie im Auftrag der Partei "Die Grünen", die Ende März 2013 veröffentlicht wurde, gibt den Elektromeistern recht: Immer häufiger würden Hersteller bewusst Schwachstellen und Material minderer Qualität einbauen, damit ihre Produkte schneller verschleißen oder kaputtgehen, so das Fazit der Studie. Einer der Autoren der Studie, der Verbraucherexperte Stefan Schridde, hat in den letzten Jahren etwa 2000 Hinweise auf verdächtige Produkte ausgewertet.

Ein eingängiges Beispiel für Elektronik-Wegwerfartikel sind Drucker. Ihre durchschnittliche Lebenserwartung beträgt wenige Jahre. Danach werden sie entsorgt und durch ein neues Modell ersetzt. Eine Reparatur sei nicht vorgesehen, geben die Hersteller zu. Auch im Garantiefall wird das Gerät einfach ersetzt. Andreas Gerber von der Computerfachzeitschrift ct bestätigt, dass in Druckern bestimmte Fehlerquellen regelmäßig auftreten: In einigen Modellen gibt es ein Fließ, das überschüssige Tinte aufsauge. Sei das Fließ voll, dann schalte sich das Gerät ab, ohne dass man es reparieren könne. Das sei im Prinzip wie ein Staubsauger, bei dem der Beutel voll sei. Bei Druckern kommen solche Probleme häufig vor - doch der Markt sei unter so wenigen Herstellern aufgeteilt, so dass keinen Wettbewerb stattfindet. Es gebe auf dem gesamten Markt kein nachhaltiges Produkt, so Gerber.


Auch Werbung lässt Produkte altern
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Auto-Experte Andreas Keßler berät entnervte PKW-Besitzer.
Professor Frank Georg Zebner aus Offenbach ergänzt, nicht nur technisch veralte ein Artikel, auch die Werbung hat am gefühlten Alter einen großen Anteil: Ein Produkt ist nur so lange neu, bis ein Nachfolger deklariert ist. Durch Werbemaßnahmen für die neue Version können die Hersteller das ältere Modell "altern" lassen. Doch das ist nicht alles. Eigentlich ist die Materialwissenschaft der Industrie durchaus in der Lage, die exakte Haltbarkeit eines Kunststoffs zu bestimmen. Für wenige Cent mehr könne ein Kunststoff mit einer längeren Haltbarkeit verwendet werden. Doch das sei oft gar nicht gewollt.

Vielleicht ist es auch der Preisdruck, der minimale Materialeinsparungen auf Kosten der Qualität und der Langlebigkeit attraktiv macht? Sinnvoll ist es sicherlich nicht, dass die Geräte, die irgendwo auf der Welt mühsam teils zu Billiglöhnen und unter erheblicher Belastung der Umwelt hergestellt wurden, nach dem Ablauf der Garantie gleich auf dem Müll landen, weil eine Instandsetzung vom Hersteller nicht mal vorgesehen ist. Für ihre Dokumentation "Schmeiß' weg - kauf neu!", die Sie am Freitag, 12. April 2013 um 20.15 Uhr sehen können, sind die Reporter Carsten Rau und Hauke Wendler quer durch Deutschland gereist. Sie haben Menschen getroffen, die Tag für Tag am Wegwerfwahn verzweifeln: den Elektromeister aus Pirmasens und den Manager aus der Autobranche, der offen zugibt, dass neue Modelle oft nicht zu Ende entwickelt sind. Die Reporter haken nach, vergleichen Fertigungskosten und Ladenpreise, stellen die Hersteller zur Rede. Anhand von drei Beispielen - Spülmaschine, Drucker, Auto - decken sie Hintergründe auf und stoßen dabei auf das immer gleiche Problem: Für die Industrie lohnt sich Reparieren heute kaum noch. Im gnadenlosen Preiskampf nehmen viele Konzerne sogar in Kauf, dass ihre Produkte gerade mal die Mindeststandards erfüllen. Fällt das Gerät nach Ablauf der Garantie aus, ist das Pech für den Kunden.


Sendedaten
Freitag, 12. April 2013, 20.15 Uhr
Themenwoche
Hauptsache Konsum?
Unsere moderne Lebensweise bedeutet für viele Menschen ein Leben im materiellen Überfluss: Sie konsumieren andauernd. Nur wenige suchen nach Gegenentwürfen. Vom 8. bis 14. April 2013 geht es bei uns um das Thema "Hauptsache Konsum?"
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Murks - nein danke!
Vom Auto bis zur Zahnbürste - immer mehr Dinge werden so hergestellt, dass sie schneller kaputtgehen...
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