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Dienstag, 20. April
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Der Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer wurde wochenlang als Geisel gehalten und schließlich ermordet.
Die RAF - Der Herbst des Terrors
Zweiter Teil der Dokumentation von Aust und Büchel
Am 5. September 1977 wurde der Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer entführt. Es war der Auftakt zu einem 44 Tage dauernden Drama, das die Bundesrepublik Deutschland in seine tiefste Krise stürzte. Dieser Herbst 1977 ging in die Geschichte der Bundesrepublik ein.
Mindestens 119 Schüsse auf die fünf Begleiter
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Der Tatort in Köln: Terroristen der RAF haben Hanns Martin Schleyer entführt und vier Menschen ermordet.
Am Abend des 5. September 1977, kurz vor 17.30 Uhr, schießt ein gelber Mercedes rückwärts aus einer Einfahrt in die Kölner Vincent-Staatz-Straße und blockiert die Fahrbahn. Der Wagen des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer kann gerade noch eine Notbremsung machen. Die drei Personenschützer im nachfolgenden Mercedes fahren auf das Fahrzeug auf. Zeitgleich ziehen Peter-Jürgen Boock, Sieglinde Hofmann, Willi-Peter Stoll und Stefan Wisniewski Maschinenpistolen aus einem Kinderwagen und eröffnen das Feuer auf die beiden ungepanzerten Autos. Die "Aktion Spindy" der RAF war in vollem Gange. Die Polizisten Brändle, Ulmer, Pieler und Schleyers Fahrer Marcisz sind nach wenigen Sekunden tot. Mindestens 119 Schüsse werden abgegeben. Hanns Martin Schleyer blieb unverletzt und wird entführt.

Groß- und Rasterfahndung bleibt erfolglos
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Bild vom entführten Hanns Martin Schleyer in der Gewalt der RAF
Schleyer wird in einem weißen VW-Bus vom Tatort gebracht und in einer Wohnung in einem Hochhaus "Zum Renngraben 8" in Erftstadt-Liblar bei Köln verschleppt. Die Polizei, die mit einer Groß- und Rasterfahndung nach den Entführern sucht, tappt im Dunklen weil den Behörden ein gravierender Fehler unterläuft: Hinweise eines Hausmeisters auf eine verdächtige Frau, die ihre Rechnungen bar bezahlte, sowie Hinweise der örtlichen Polizei gehen in der Einsatzleitung durch einen Bearbeitungsfehler verloren. Beide hätten in die Wohnung "Zum Renngraben 8" geführt.

Die Bundesregierung bleibt im Fall Schleyer hart
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Peter-Jürgen Boock am Grab von Baader, Ensslin und Raspe in Stuttgart-Degerloch
Die Terroristengruppe hinterlässt im Fluchtfahrzeug ein Bekennerschreiben mit ihren Forderungen: die Freilassung von elf Gesinnungsgenossen aus den Gefängnissen. Obwohl der 1975 entführte Peter Lorenz, der CDU-Spitzenkandidat für das Amt des Regierenden Bürgermeisters in Berlin, gegen sechs Terroristen ausgetauscht wurde, bleibt die Bundesregierung im Fall Schleyer hart. Die Familie Schleyer wendet sich in ihrer Verzweiflung am 35. Tag der Geiselnahme an das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Sie will erreichen, dass die RAF-Oberhäupter Andreas Baader und Gudrun Ensslin entlassen werden, um damit das Leben des Entführten zu retten. Das Gericht verwirft den Antrag, der Staat dürfe nicht erpressbar sein, so der Tenor der Begründung.

In den folgenden Tagen überschlagen sich die Ereignisse. Die Elite-Einheit GSG 9 befreit in der Nacht auf den 18. Oktober das fünf Tage zuvor entführte Flugzeug "Landshut". Wenige Stunden später begehen Baader, Ensslin und Raspe im Gefängnis Stuttgart-Stammheim Selbstmord. Die RAF-Entführer reagierten prompt: Sie erschießen Hanns Martin Schleyer. Die schrecklichen Ereignisse dieses Herbstes 1977 stellen den Höhepunkt der Terrorwelle in Deutschland dar und gehen in die Geschichte der Bundesrepublik ein.


Blutige Geschichte von 62 Toten und 230 Verletzten
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Die entführte Lufthansa-Maschine "Landshut"
Sehen Sie am Montag, 15. Oktober 2012, 20.15 Uhr den zweiten Teil der RAF-Dokumentation "Der Herbst des Terrors". Der Film konzentriert sich auf die Entführung Schleyers, die Kaperung der Lufthansa-Maschine "Landshut" durch ein verbündetes Palästinenser-Kommando, die scheinbare "Kontaktsperre" der in Stammheim inhaftierten Führungskader, den Schmuggel von Waffen und Sprengstoff in den Hochsicherheitstrakt und den konspirativen Lauschangriffen von Polizei und Geheimdiensten auf den Zellentrakt der Terroristen.

Der zuständige Redakteur Thomas Schreiber vom NDR über den Film: Die Geschichte der RAF ist eine blutige Geschichte von 62 Toten und 230 Verletzten und von Tätern, die noch heute unerkannt in Freiheit leben; eine Geschichte von jungen Deutschen, die sich zu den Herrschern über Leben und Tod erheben. Aber die Geschichte der RAF ist auch eine Geschichte staatlichen Handelns, das Gesetze umgeht, von bis heute unbekannten Dokumenten und Aktionen. Zuwenig wurde auch der Opfer und ihrer Leiden gedacht. Seit zweieinhalb Jahren arbeiten die Spiegel TV-Autoren Stefan Aust und Helmar Büchel im Auftrag des Norddeutschen Rundfunks an der Dokumentation "Die RAF".

Die Rechercheergebnisse zu bislang unbekannten Tatsachen, an Bildmaterial und an Tondokumenten zeigen, dass noch längst nicht alles über dieses blutige Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte bekannt ist. Manche, die damals Sympathie für die Taten der Mörder hatten, wollen heute nicht daran erinnert werden. Und manche, die damals auf staatlicher Seite die Gesetze umgingen, haben nie Rechenschaft über ihr Tun abgelegt. Auch daran wollen wir erinnern.


Buchtipp
Literatur: Stefan Aust: Der Baader-Meinhof-Komplex. Hoffmann & Campe, Hamburg 2005, ISBN 3-455-09516-X.

Sendedaten
Montag, 15. Oktober 2012, 20.15 Uhr
Themenwoche
Der Deutsche Herbst
Vom 14. bis 17. Oktober 2012
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