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Donnerstag, 14. Dezember
© rbb Lupe
Mit den sogenannten Horizontbögen (einer ist noch zu sehen, rechts) lassen sich die Winter- und Sommersonnenwende in der Gegend des Fundorts bestimmen.
Das Geheimnis der Himmelsscheibe
Ein Sensationsfund aus der Bronzezeit
Am 4. Juli 1999 entdeckten zwei Raubgräber in einem Wald bei Nebra in Sachsen-Anhalt eine Bronzeplatte, die einen Nachthimmel mit goldenen Sternen zu zeigen scheint. Sie sollte weltberühmt werden und sie ist auch ein Indiz für die kulturelle Leistung der Menschen zur Bronzezeit.
Archäologisches Artefakt von unglaublichem Wert
Eine ganze Region - vielleicht eine ganze Nation - geriet in Verzückung, als 2004 die Himmelsscheibe von Nebra in Sachsen-Anhalt erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Warum diese Aufregung? Zum einen ist die Himmelscheibe ein einzigartiges archäologisches Artefakt von unglaublichem Wert. Vermutlich wurde sie 2000 bis 1700 vor Christus gefertigt. Die Bronzeplatte, auf der aus Goldblech eingesetzte Himmelskörper zu sehen sind, zeugt zum anderen davon, dass unsere vermeintlichen Vorfahren nicht halbwilde, behaarte Primitivlinge waren, sondern Meister der Bronzeverarbeitung und Menschen mit einem astronomischen Wissen. Sie beobachteten den Himmel kundig und machten sich diese Erkenntnisse zu nutze.

Ringwälle contra Pyramiden?
© dpa Lupe
Seit Juni 2013 gehört die Himmelsscheibe von Nebra zum UNESCO-Weltdokumentenerbe
Es war bis 2004 kaum vorstellbar, dass die bronzezeitlichen Bewohner Europas zu solchen kulturellen Leistungen fähig waren: Das Artefakt ist die älteste konkrete Himmelsdarstellung der Welt. In Mesopotamien und vor allem Ägypten haben die Menschen unübersehbare steinerne Zeugnisse ihrer frühen Hochkultur hinterlassen wie die Cheops-Pyramide (2580 v. Chr.). In Mitteleuropa waren aus der Zeit nur ein paar unschön aufgeschichtete Ringwälle bekannt. Erst die Himmelsscheibe hat einen Einblick in die Fähigkeiten, das Leben und die Denkvorstellungen unserer frühen Vorfahren aus der Bronzezeit ermöglicht. Die Himmelsbeobachtung und der Einfluss von Sonne und Mond sowie der Lauf der Gestirne spielten bereits in den frühen Kulturen in Mitteldeutschland eine große Rolle - so eines der Ergebnisse der Forschung.

Himmelsscheibe: Made in Westeuropa
© dpa Lupe
Das Sonnenobservatorium in Gosek
Die Entdeckung der Scheibe war eine solche Sensation, dass es zuerst viel Zweifel an ihrer Echtheit und ihrer frühen Datierung gab. Nach umfangreichen Untersuchungen war jedoch schnell klar: Die in Nebra gefundene Scheibe wurde zwar mit Metallen aus dem Alpenraum und Rumänien gefertigt, aber in Mitteleuropa hergestellt. Heute geht der Streit nicht mehr um die Echtheit, sondern um die Interpretation der Himmelsscheibe. Gesichert ist, dass auf der Scheibe Sichelmond, Vollmond oder Sonne, das Sternenbild der Plejaden-Gruppe (Siebengestirn) und sogenannte Horizontbögen zu sehen sind. Diese Horizontbögen sollen den Sonnenlauf zwischen Frühling und Herbst am Taghimmel darstellen.

Kannten die Bronzezeitler den Schalttag?
Lupe
Das Kupfer in der Scheibe stammt aus einer Erzmine im heutigen Österreich
Desweiteren sind noch 23 andere, nicht näher zu bestimmende goldene Sterne in die Scheibe eingelassen. Minimalkonsens der Forschung ist, dass die Scheibe zur Bestimmung der für die Aussaat und Ente wichtigen Sonnenwenden und Tag- und Nachtgleichen diente. Die tägliche Wanderung der Sonnenauf- und Sonnenuntergangspunkte am Horizont nahmen die Menschen schon seit der Jungsteinzeit – mit Steinobservatorien - ins Visier.

Mehrere Forscher sehen in der Scheibe auch eine Anweisung zum Synchronisieren des Sonnen- und Mondkalenders - sprich eine Erinnerung an einen Schalttag! Tatsächlich spielt die Stellung des Mondes zu dem Gestirn der Plejaden dabei eine Rolle. Erstmals entdeckten die Babylonier im 6. Jahrhundert vor Christus: Wenn der Mond erst nach 32, anstatt 30 Tagen nach dem Beginn eines Frühlingsmonats bei den Plejaden erscheint, ist ein (halber) Schalttag von Nöten (bzw. ein Monat mit 29,5 Tagen). Die Stellung des Mondes zu den Plejaden und die ursprünglich 32 goldenen Sterne (inklusive der sieben Plejaden) sind dafür ein Anhaltspunkt - und die Theorie findet inzwischen viele Anhänger.


Zentrum des Publikumsinteresses
© dpa Lupe
Die "Arche Nebra"
Doch ob dieses hochastronomische Wissen schon damals erkannt wurde oder ob es sich um eine Überinterpretation handelt, lässt sich nie eindeutig klären. Erstaunlich genug bleibt die Scheibe allemal und zeigt, dass es unsere Vorfahren intellektuell mit den Bewohnern mediterraner Siedlungen aufnehmen konnten.

Auch in Goseck, einige Kilometer weiter, entstand vor 7.000 Jahren ein Sonnenobservatorium. Es ist einer der frühesten archäologischen Belege für eine systematische Himmelsbeobachtung. Erst 1991 wurde das Observatorium entdeckt, Stück für Stück ausgegraben und originalgetreu rekonstruiert. 2007 wurde in der Nähe des Fundortes der Himmelsscheibe das Besucherzentrum "Arche Nebra" eröffnet.


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