Doch über seinen Schreibtisch gingen streng geheime Papiere über Flugzeug- und Raketenmotoren, erwartete Invasionen und Abwehrstellungen, einen Doppelagenten in der britischen Botschaft in Ankara, sowie eine Liste aller Militärbasen der Japaner. Er lieferte den Alliierten ferner den geheimen Lageplan von Hitlers Hauptquartier und den Angriffsbefehl auf einen amerikanischen Schiffskonvoi im Atlantik. Kolbes Warnung vor der Liquidation der Juden in Rom blieben ebenso ohne Konsequenzen wie die Informationen über die Deportation der ungarischen Juden.
Doch dieser mutige Einsatz wurde nicht belohnt. Obwohl Kolbe das NS-Regime überlebte, wurde ihm die Anerkennung als Widerstandskämpfer lange verweigert. In den Augen seiner Diplomatenkollegen hatte er "das Vaterland verraten." Das Auswärtige Amt wurde nie "entnazifiziert" und beschäftigte hauptsächlich Beamte, die dort bereits in der Zeit des Nationalsozialismus ihren Dienst versahen. Laut einer Untersuchung des Auswärtigen Amtes aus dem Jahr 2005 waren im Jahr 1952 zwei Drittel der leitenden Beamten und vier Fünftel der Referatsleiter ehemalige Mitglieder der NSDAP.