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© rbb Lupe
Dirk Schneider (21.4.1939 - 4.11.2001), Bundestagsabgeordneter der Grünen und Inoffizieller Mitarbeiter der Stasi
Die Stasi in West-Berlin
Geschichten aus dem Kalten Kreig
Berlin war jahrzehntelang ein Tummelplatz für Agenten aus allen politischen Lagern. Besonders gründlich hat das Ministerium für Staatssicherheit der DDR West-Berlin unterwandert. 700 bis 1.000 Menschen sollen Ende der 1980er Jahre im Dienst der DDR gestanden haben.
Der Osten war gut über West-Berlin informiert
© rbb Lupe
Allein der Auslandsnachrichtendienst der DDR hatte etwa 345 Agenten in Westberlin. Dazu kamen alle möglichen anderen Stasiabteilungen, die mindestens noch mal die gleiche Anzahl Agenten in Westberlin geführt haben. Ein Viertel aller Agenten und Inoffiziellen Mitarbeiter, die in Westdeutschland für die Stasi spionierten, saßen schätzungsweise in West-Berlin. An vielen wichtigen politischen und gesellschaftlichenStellen im Westen saßen Spitzel der Staatssicherheit. So gingen Meldungen aus Verwaltung und politischen Parteien, aus Hochschulen und der Wirtschaft an die Stasi-Zentrale in der Normannenstraße. Viele der Agenten waren Überzeugungstäter, sie handelten im Glauben, die DDR sei der bessere deutsche Staat und verdiene Unterstützung.

Die Stasi unterhielt auch mehrere Wohnungen in West-Berlin. Damit konnten häufige Grenzübertritte von Agenten aus Ost-Berlin bei ihren Einsätzen im Westen vermieden werden, denn die Spionageabwehr des Westen kontrollierte die Sektorengrenze ebenfalls. Viele Unterlagen wurden vor der Wende vernichtet. Nur die Kartei F 78 über West-Berliner Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit hat überlebt. Rund 1350 Karteikarten aus den Jahren 1960 bis 1989 sind noch vorhanden. Jede von ihnen steht für eine Spitzelakte beziehungsweise für eine konspirative Adresse. Die Auswertung der Kartei zeigt, dass das MfS in allen Bezirken über Informanten verfügte, am meisten mit 188 in Neukölln, am wenigsten mit 42 in Zehlendorf. Aber auch viele einmalige Andienungen von Bundesbürgern wurden registriert, die von der Stasi als unzuverlässig abgewiesen wurden.


Unterwanderungsversuche und verwanzte Telefone
© rbb Lupe
Der Film von Ute Bönnen und Gerald Endres, den Sie am Donnerstag, 1. November 2012, 14.25 Uhr sehen können, zeigt, wie die Stasi in West-Berlin agierte. Er erzählt von den Versuchen, die Stadt nach dem Mauerbau zu unterwandern, von den Methoden zur Anwerbung der Agenten und den Motiven, aus denen sich diese anwerben ließen.

Bernd-Jürgen Runge erzählt vom "Arbeitsalltag" eines IM im Westen und von seinen Gründen, für die Stasi Informationen zu sammeln. Renate Künast und Antje Vollmer erinnern sich an die Unterwanderung der Alternativen Liste (Die Grünen), Hannes Schwenger an die Zersetzungsbemühungen der Stasi, und der damalige Landesbischof Bischof Matrin Kruse berichtet von verwanzten Telefonen in seiner Wohnung.

Die Dokumentation stellt auch die Frage: Welchen Schaden hat die Stasi in West-Berlin wirklich angerichtet? Konnte der Geheimdienst überhaupt verstehen, was in dieser besonderen kulturellen Einheit West-Berlin vor sich ging? Was hat es genützt, so gut über alle Vorgänge in der Teilstadt unterrichtet zu sein?


Sendedaten
Donnerstag, 1. November 2012, 14.25 Uhr
Thementag
Spielfilme und Dokumentationen aus der Welt der Geheimdienste

Donnerstag, 1. November 2012
von 5.45 Uhr an
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