© BR nautilusfilm
Wunderschön: Der Watzmann im Sonnenuntergang. Der Berg ist das dominante Bergmassiv in den Berchtesgadener Alpen und das Wahrzeichen der Region.
Wildes Bayern
Berchtesgaden und der Königssee
Mit der Kamera über Gipfel, Grate oder Landschaften zu schweben und spektakuläre Motive in weichem Licht festzuhalten, das ist wohl der Traum eines jeden Naturfilmers. Auch Jan Haft und sein Kamerateam haben sich aufgemacht, die Berchtesgadener Alpen und den Königssee aus einer neuen Perspektive zu zeigen. Herausgekommen ist eine bildgewaltige Hommage an eine der schönsten Regionen Deutschlands.
Von Sandra Demmelhuber

Der frühe Vogel fängt den Wurm, heißt es ja immer so schön. Wenn das Sprüchlein auch für einen Beruf gelten soll, dann sicher für den Tier- und Naturfilmer - und vor allem dann, wenn er in den bayerischen Alpen unterwegs ist. Denn wer in dieser Region die vom Menschen unberührte Landschaft zeigen will, muss schon vor Sonnenaufgang auf dem Gipfel sein, wenn das Licht am schönsten ist.

Will man dabei auch noch scheue, nachtaktive Wildtiere antreffen, dann wird es schnell zu einem Wettlauf gegen die Zeit, gepaart mit einem kräftezehrenden Aufstieg. Jan Haft kennt das, er und sein Team mussten für die Dokumentation teilweise über 100 Kilo schwere Ausrüstung die steilen Wege hinaufschleppen.

Und weil das Wetter in der Wirklichkeit ja auch unbeständig ist, darf natürlich auch im Film nicht immer die Sonne scheinen. So ist ein Gewitter für den Naturfilmer bestimmt kein Grund, den Dreh hoch oben am Berg abzubrechen, es ist trotz der empfindlichen Geräte eine willkommene Herausforderung.


Murmeltiere in den Berchtesgadener Alpen. Wenn es darum geht, scheue Tiere zu filmen, ist es besonders wichtig, dass der Kameramann von den Tieren nicht bemerkt wird. Nur dann zeigen sie ihr natürliches Verhalten.  © SWR/BR/nautilusfilm Murmeltiere in den Berchtesgadener Alpen. Wenn es darum geht, scheue Tiere zu filmen, ist es besonders wichtig, dass der Kameramann von den Tieren nicht bemerkt wird. Nur dann zeigen sie ihr natürliches Verhalten.
Mit faszinierenden Zeitraffer- und Zeitlupen-Aufnahmen zeigt das Kamerateam, wie sich Pflanzen und Tieren bewegen. Diese Bilder eröffnen eine vollkommen neue Wahrnehmung.  © SWR/BR/nautilusfilm Mit faszinierenden Zeitraffer- und Zeitlupen-Aufnahmen zeigt das Kamerateam, wie sich Pflanzen und Tieren bewegen. Diese Bilder eröffnen eine vollkommen neue Wahrnehmung.

Wer Tiere filmen will, braucht Zeit

© BR/nautilusfilm
Ein Bild von den Dreharbeiten: Murmeltiere sind manchmal ganz schön neugierig.
Besonders beeindruckend sind Bilder von oben, doch natürlich darf im Nationalpark Berchtesgaden nicht jeder einfach so herumfliegen wie er will. Da heißt es: erst gute Kontakte mit den Behörden knüpfen. Aufgrund einer jahrelangen vertrauensvollen Zusammenarbeit mit den Ämtern hat das Team von Jan Haft, das insgesamt vier Jahre lang in den Berchtesgadener Alpen gedreht hat, alle nötigen Dreh- und Fahrgenehmigungen erhalten. Außerdem durften die Tierfilmer Tarnzelte aufstellen, ein großer Vorteil, denn nur so konnten sie diese außergewöhnlichen Bilder einfangen.

Die größte Herausforderung beim Tierfilmen sind aber die Protagonisten selbst, das weiß jeder, der schon einmal versucht hat, ein neugieriges Murmeltier in den Bergen zu fotografieren. Wildtiere machen grundsätzlich nie das, was sie sollen. Wer wilde Tiere in ihrem natürlichen Verhalten zeigen will, muss viel Zeit verbringen - und oft tagelang warten.


Beeindruckende Bilder dank moderner Kameratechnik

Für die Dokumentations-Reihe "Wildes Bayern" haben Jan Haft und sein Team alle Möglichkeiten genutzt, die eine professionelle Kameraausrüstung mittlerweile bietet. Dazu gehören natürlich auch Zeitraffer und Zeitlupen.

Von Sportaufnahmen weiß man schon länger, dass kein filmerisches Mittel die Kraft des Augenblicks besser einfangen kann als die Zeitlupe. Mit ihr lässt sich auch aus scheinbar unspektakulären Motiven, wie dem Flug eines Schmetterlings, viel abgewinnen. Die Hochgeschwindigkeits-Kamera macht sichtbar, was dem menschlichen Auge sonst verborgen bliebe, mit 40-facher Zeitdehnung.

Der Zeitraffer hingegen ist eine fotografische Methode zur beschleunigten Wiedergabe von Bewegungsabläufen. Dabei werden einzelne Bilder (Fotografien) schnell abgespielt. Dabei werden Bewegungen sichtbar, die aufgrund ihrer natürlichen langsameren Natur vom Menschen nicht oder kaum wahrnehmbar sind. Das Kamerateam zeigt in dem Film beispielsweise Bilder von Wolkenformationen, die sich wie Wellen im Meer vorwärts bewegen.


Vier Jahre Drehzeit

Vier Jahre lang haben Jan Haft und sein Team für die Dokumentations-Reihe "Wildes Bayern" gedreht. Vier Jahre ging es mal bergauf, mal bergab - aber immer mit schwerem Gepäck.

Unzählige Tage und Nächte haben die Kameraleute im engen Tarnzelt verbracht, in oft unwegsamem Gelände. Doch es hat sich gelohnt, der Film zeigt eine der schönsten Naturlandschaften Deutschlands in einem vollkommen neuen Licht.


Sendedaten
Montag, 13. August 2018:

20.15 Uhr: Wildes Bayern (1/2): Berchtesgaden im Sternenlicht

21.00 Uhr: Wildes Bayern (2/2): Das erste Licht am Königssee

Eine preisgekrönte Filmreihe von Jan Haft

Mediathek
© SWR  BR nautilusfilmVideoWildes Bayern (Teil 1)
Berchtesgaden im Sternenlicht
© BR nautilusfilmVideoWildes Bayern (Teil 2)
Das erste Licht am Königssee
Info
© nautilusfilmDer Naturfilmer Jan Haft
Wurde 1967 in München geboren und lebt heute im oberbayerischen Isartal. Bereits als Kind war Jan Haft von der heimatlichen Natur fasziniert, später leistete er beim Landesbund für Vogelschutz seinen Zivildienst ab. Nach dem Studium der Geologie, Paläontologie und Biologie begann er als Assistent bei Tierfilm-Produktionen.
1996 gründete er seine eigene Produktionsfirma, seit 2001 unter dem Namen "nautilusfilm". Viele seiner Dokumentationen erhielten zahlreiche Auszeichnungen. Mittlerweile ist sein Unternehmen eines der erfolgreichsten in der Naturfilm-Branche.
Hintergrund
© Berchtesgadener Land Tourismus GmbHBerchtesgaden
Vor der Kulisse des Wartzmann liegt Berchtesgaden. Die 1102 gegründete Stadt ist das Tor zum Nationalpark und ein Anziehungspunkt für Naturfreunde, Alpinisten und Wintersportler. Der Ort hat nur 7.500 Einwohner und viele Menschen leben vom Tourismus.
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