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Deutschland, das Land der "OP-Weltmeister", führt vier bis fünf Millionen Bluttransfusionen pro Jahr durch, das ist ein Verbrauch von etwa vier Millionen Liter Blut. Je mehr Beutel gegeben wurden, desto sicherer fühlten sich die meisten Ärzte. Doch eine Studie verweist auf ein hohes Risiko von Nebenwirkungen, die sogar bis zum Tod des Patienten führen können.
Gefährliche Bluttransfusionen
Was hilft gegen das Risiko?
Mit einer Veränderung des Transfusionsverhaltens an Krankenhäusern ließen sich möglicherweise 25.000 Todesfälle jedes Jahr verhindern. Dies ist das Fazit einer groß angelegten Studie von vier deutschen Universitätskliniken, über die die 3sat-Doku "Gefährliche Bluttransfusionen"berichtet. Zudem wäre nach den Erkenntnissen dieser Studie fast jede fünfte Bluttransfusion vermeidbar.
Seit Jahren ist bekannt, dass es nach Operationen, bei denen Blutkonserven gegeben wurden, mehr Komplikationen und sogar Todesfälle gibt. In einer umfangreichen Studie, bei der über 130.000 Patientenverläufe analysiert wurden, konnte dies nun erhärtet werden. Bei den Patienten, die weniger oder keine Bluttransfusionen bekamen, trat zu 40 Prozent weniger Nierenversagen auf – eine Nebenwirkung, die häufig zum Tod führt.

Wenn man die Ergebnisse der Studie auf die 16,2 Millionen jährlichen Operationen in Deutschland hochrechnet, könnten jedes Jahr bis zu 25.000 Menschen weniger an den Operationsfolgen sterben.


17 Prozent aller Transfusionen vermeidbar

Trotz dieser Erkenntnisse ist Deutschland immer noch europäischer Spitzenreiter im Einsatz von Spenderblut. Dabei ließen sich, wie die oben erwähnte Studie zeigt, durch gezielte Maßnahmen vor geplanten Operationen 17 Prozent aller Transfusionen vermeiden, ohne die Patienten zu gefährden.

Ein solches „Patient Blood Management“ setzt sich an deutschen Kliniken bislang allerdings nur zögerlich durch. Warum eigentlich?


Ärzte fordern Umdenken

Eine kleine Gruppe von Ärzten engagiert sich intensiv, ein Umdenken in der Medizinwelt herbeizuführen. Weil sie mit ihren Forderungen nach Schutzmaßnahmen für Patienten in Deutschland zu wenig Gehör gefunden haben, sind Professor Kai Zacharowski und sein Frankfurter Kollege Professor Patrick Meybohm nach Amerika gereist, um die deutschen Studienergebnisse einer internationalen Fachwelt zu präsentieren.

Die Dokumentation von Ulrike Gehring begleitet diese Reise und berichtet über den Kampf der Ärzte, dass diese Fakten anerkannt werden. Außerdem zeigt der Film, was einige Mediziner hier in Deutschland bereits tun, um ihre Patienten vor den Risiken zu schützen - er zeigt aber auch Situationen, in denen Fremdblut weiterhin unerlässlich ist.


Sendedaten
Freitag, 20. Juli 2018, 20.15 Uhr

Gefährliche Bluttransfusionen -Was hilft gegen das Risiko?

Ein Film von Ulrike Gehring

Hintergrund
© SWRWas ist eine Bluttransfusion?
Darunter versteht man die Übertragung (Infusion) von roten Blutzellen oder (mittlerweile eher selten) von Vollblut. Stammen das Blut bzw. die Blutbestandteile von einem fremden Blutspender, handelt es sich um eine "Fremdblutspende". Sind Blutspender und Blutempfänger dieselbe Person, spricht man von einer "Eigenblutspende".
Voraussetzung für eine erfolgreiche Bluttransfusion ist, dass die Blutbestandteile Blutgruppenkompatibel sind. Jede Bluttransfusion erfordert deshalb die Einwilligung des Patienten nach entsprechender Aufklärung durch einen Arzt, wovon nur in begründeten Notsituationen abgewichen werden darf, etwa nach einem schweren Unfall.
Risiko Bluttransfusion
© SWRNebenwirkungen
Eine Studie mit über 10.000 Patienten bei Operationen verschiedenster Art hat gezeigt:

Bei nur ein bis zwei Beuteln Fremdblut gab es:

76 Prozent mehr Lungenkomplikationen
87 Prozent mehr Wundentzündungen
77 Prozent mehr Thrombosen
als bei Patienten ohne Bluttransfusion.

Zusätzlich war die Todesrate um 29 Prozent höher.

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