© SWR/Dirk Patschkowski
Jaguar E-Type: Autotraum der Swinging Sixties.
Auto-Ikonen
Was macht einen Oldtimer zur Ikone?
Laut Kraftfahrtbundesamt fahren derzeit rund eine halbe Million Fahrzeuge mit einem H-Kennzeichen ("Historisches Kraftfahrzeug") auf deutschen Straßen, Tendenz steigend: Allein 2017 hat die Statistik des KBA zehn Prozent mehr Anmeldungen verzeichnet. Warum sind die Deutschen so fasziniert von Oldtimer-Autos?
Von Alexia Späth

Große Heckflossen wie ein Chevrolet oder ganz klein wie eine BMW Isetta – Was gibt einem Auto den Status einer Ikone? Der Duden meint dazu: "Ikone ist eine Sache als Verkörperung bestimmter Werte, Vorstellungen, eines bestimmten Lebensgefühls." Da können Autohersteller nur zustimmen.


Das Lebensgefühl der Prominenten

Der "Adenauer-Mercedes": Bundeskanzler Konrad Adenauer (Mitte) steigt in einen Mercedes 300. Der "Alte" hat immer hinten rechts gesessen.  © pa/dpa/Ino Der "Adenauer-Mercedes": Bundeskanzler Konrad Adenauer (Mitte) steigt in einen Mercedes 300. Der "Alte" hat immer hinten rechts gesessen.
Elvis Presley kauft sich als Soldat in Deutschland 1958 einen BMW 507 Roadster.  © pa/dpa/Keystone Elvis Presley kauft sich als Soldat in Deutschland 1958 einen BMW 507 Roadster.
Schauspieler Steve McQueen in seinem Ford-Cobra Roadster 1963.  © pa/dpa/Dick Stoebel Schauspieler Steve McQueen in seinem Ford-Cobra Roadster 1963.

Das Lebensgefühl aus den USA

Die Welt in den 50er: Die Wirtschaft brummte in den USA, Gehälter waren gut und Konsum beherrschte den Alltag. Außerdem: der Fortschritt kannte keine Grenzen. Viele Auto-Ikonen sind damals entstanden und haben auch deutsche Autobauer inspiriert. Marktführend in den USA war damals General Motors, allen voran ihr Designboss Harley Earl.

Der Vater der Heckflosse

© padpa
The "Big Earl": Harley Earl (links) 1956 im General Motors Technical Center .
Harley Earl arbeitete von 1927 bis 1959 bei General Motors als Chefdesigner. Seine Ideen waren futuristisch und Vorbild für die führenden europäischen Autokonzerne. Er gilt als Erfinder der Panoramascheibe, des Hardtop-Coupés und der Hardtop-Limousine, der Zweifarbenlackierung und der Heckflossen.

Zuvor legten die Automobilhersteller wenig Wert auf Autodesign. Funktionelle und wirtschaftliche Faktoren waren wichtiger.


Einfluss auf Europa

Zum direkten Abbild des 57er Chevy von General Motors wurde der Opel Olympia Rekord P1. Ihn gab es ebenfalls zweifarbig, sowohl außen als auch innen. Der P1 war für die Rüsselsheimer ein riesiger Verkaufserfolg. Er galt als der Straßenkreuzer des kleinen Mannes.

Mercedes Benz zog mit Heckflossen-Modellen und dem Flügeltürer 300 SL nach. BMW baute seinen legendären BMW 507 Roadster.

Auch die Italiener ließen sich von Earls Modellen inspirieren: Der Maserati 3500 GT oder der Ferrari 250 GT Spyder California kamen 1957 in die Verkaufsräume.


Wenig Chancen für neue Ikonen?

Durch die Modellvielfalt und den schnellen Wechsel der Modelle zweifelt der Kölner Design-Professor Paolo Tumminelli an großen Chancen für neue Ikonen. Der "Welt" sagt er, dieser Trend führe "zu Markenchaos, Flops, Wertverlust – und letztlich vielleicht zur Rückbesinnung".

Vielleicht erklärt sich dadurch die ansteigende Zahl für Oldtimer-Neuanmeldungen.


Die Filme im Überblick:

Goggo, Lloyd und andere Minis (15.15 Uhr)

© swr
Das Goggomobil war ein Kleinstwagen aus Dingolfing.
Sie waren praktisch, sympathisch, manchmal auch lustig - und immer mit großem Ernst konstruiert. Die einen wurden als "Versehrten-Fahrzeuge" entworfen, die anderen läuteten schon die Wirtschaftswunder-Zeiten ein, wie das Goggomobil.

Der Film erzählt die Geschichten der kleinen Autos im Südwesten und ihrer Besitzer. Auch Raritäten wie der Kleinschnittger, der Champion oder der Janus, der hinten wie vorne gleich aussieht und einst von Dornier am Bodensee konstruiert wurde, sind zu sehen.


 

Auto-Ikonen: Der Opel Kapitän (16.00 Uhr)

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Der Opel Kapitän: ein Statussymbol der Wirtschaftswunderjahre.
Der Opel Kapitän stand einst für das Wirtschaftswunder. Er war ein Wagen für die Oberklasse. Viel Chrom, Panoramafenster und die amerikanische Anmutung sorgten für Zuspruch bei den Käufern.
Was macht den Reiz dieses Autos aus? Verlor es wegen zu vieler Vorgaben des Opel-Mutterkonzerns General Motors seine Anziehungskraft?

 

Auto-Ikonen: Jeep (16.30 Uhr)

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Für die Deutschen steht der Jeep außerdem für die Befreiung von der Nazi-Herrschaft.
Der Jeep ist der Urahn einer ganzen Autogattung von Allradfahrzeugen. Er gilt als Synonym für all jene Geländewagen, die man heute "Sport Utility Vehicle", kurz "SUV", nennt.

 

Scheunenschätze (17.00 Uhr)

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Viele Unikate sind im Südwesten noch im Einsatz.
Rentner Hermann Unfried aus Stuttgart-Zuffenhausen und der 18-jährige Lehrling David Graser aus Aalen-Ebnat haben eine gemeinsame Leidenschaft: Sie sind Besitzer und Sammler alter Traktoren.

 

Die verrücktesten Autoliebhaber im Südwesten (17.45 Uhr)

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Manche nachgebauten Filmautoklassiker fahren nicht nur, sondern können sogar sprechen.
Die verrücktesten Autoliebhaber im Südwesten zeigen ihre automobilen Kulturschätze, die oft einzigartig sind und in ihrer Vielfalt beeindruckend.

Sendedaten
Montag, 14. Januar 2019,
ab 15.15 Uhr

Auto-Ikonen

Ein 3sat-Themennachmittag

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Hintergrund
© padpaPKW-Zulassungen mit H-Kennzeichen
Seit Jahren ist die Reihenfolge der Hersteller auf den Spitzenplätzen unverändert: Daimler führt vor Volkswagen und Porsche. In der Rangliste der beliebtesten Oldtimer liegt seit vielenJahren der VW Käfer vorn.

Quelle: Kraftfahrtbundesamt 2018

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