© pa/dpa/Rodong Sinmun
Kim Jong-un besichtigt ein U-Boot der nordkoreanischen Marineeinheit 167. Das Foto erschien in der nordkoreanischen Zeitung "Rodong Sinmun", dem Propagandaorgan der Partei.
Wer ist Kim Jong-un?
2011 übernimmt Kim Jong-un als "Oberster Führer" die Regierungsgeschäfte Nordkoreas von seinem Vater Kim Jong-il. Damit ist er der dritte nordkoreanische Machthaber der Kim-Dynastie. Viel Persönliches ist trotz des inszenierten Personenkults über ihn nicht bekannt.
Von Alexia Späth

Kim Jong-un wird am 8. Januar 1982 oder 1983 in der Hauptstadt Pjöngjang als dritter Sohn des nordkoreanischen Herrschers Kim Jong-il geboren. Anfangs wird sein Geburtsdatum am 8. Januar 1983 angegeben. Als sein Vater ihn dann zu seinem Nachfolger aufbaut, wird das Geburtsjahr auf 1982 festgelegt. So passt es besser mit dem Geburtsjahr des Republikgründers Kim Il-sung - 1912 - zusammen.


Schulzeit in der Schweiz

© pa/dpa/Berne International School Klassenfoto aus Kim Jong-uns Schulzeit in der Schweiz.
Klassenfoto aus Kim Jong-uns Schulzeit in der Schweiz.
Mehreren Medienberichten zufolge verbringt er zwischen 1998 und 2001 seine Schulzeit unter falschen Namen als Sohn eines nordkoreanischen Botschaftsangehörigen auf einer Privatschule in der Nähe von Bern.

Ein ehemaliger Mitschüler, der Portugiese João Micaelo, berichtet in der "Berner Zeitung" vom 17. Juni 2009 über seine Zeit als Schulfreund des Diktatorensohns. Demnach spielten sie gemeinsam viel Basketball und sahen sich in der Freizeit auch Jackie-Chan-Filme an. Kim Jong-un sei ein "sehr netter, normaler Junge" gewesen.

Eine weitere Mitschülerin erinnert sich, dass er "fast immer Adidas-Trainingsanzüge und Nike-Air-Turnschuhe" trug.

In der Zeit von 2002 bis 2007 studiert er an der Kim-Il-Sung-Universität in Nordkorea, einer militärisch ausgerichteten Eliteeinrichtung. Es folgt eine Parteikarriere in einer Abteilung für Führungsaufgaben.


Aufbau zum Nachfolger von Kim Jong-il

© pa/dpa
Vater Kim Jong-il (links) und Kim Jong-un bei einer Militärparade im April 2009.
Sein Vater, Kim Jong-il, bereitet seinen jüngsten Sohn noch zu Lebzeiten gezielt auf die Nachfolge vor: Er holt ihn 2010 in die Führungsebene der Staatspartei und macht ihn zum Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Arbeit. Nachdem sein Vater am 17. Dezember 2011 verstorben ist, wird Kim Jong-un offiziell zum "Führer von Partei, Volk und Armee" ernannt.

Seit Anfang seiner Regierungszeit verlässt sich der neue Machthaber wie sein Vater auf die kommunistische Staatspartei und das Militär.


Isolation, Hungersnot und Menschenrechtsverletzungen

© pa/dpa/Yonhap
Ein Besuch bei der Grenzkontrolle im März 2013.
Doch Kim Jong-un setzt den restriktiven politischen Kurs seiner Vorgänger fort. Auch unter ihm ist das Land weiterhin international isoliert und der Großteil der Bevölkerung völlig verarmt.

Beobachter beklagen den luxuriösen und sehr aufwendigen Lebensstil der Kim-Familie, während das nordkoreanische Volk größtenteils an Hunger leidet und auf ausländische Hilfe angewiesen ist.

Die Menschen werden massiv überwacht. Die Menschenrechte sind stark eingeschränkt, insbesondere politische Gegner und Deserteure werden strengstens bestraft. Eine politische Opposition gibt es nicht.

Im Jahresbericht 2017 von "Amnesty International" heißt es: "In den vier bekannten Straflagern für politische Gefangene waren 2016 weiterhin bis zu 120.000 Personen inhaftiert. Sie waren dort systematischen, weitverbreiteten und schweren Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt, wie Zwangsarbeit, Folter und anderen Misshandlungen, die teilweise Verbrechen gegen die Menschlichkeit gleichkamen."


Brutaler Machterhalt

© pa/dpa/Shizuo Kambayash
Dieses Foto von 2001 soll den inzwischen getöteten Halbbruder von Kim Jong-un, Kim Jong-nam, zeigen.
Auch im familiären Umfeld geht Kim Jong-un mit harter Hand gegen Kritiker vor. So ließ er 2013 seinen Onkel Jang Song-thaek wegen angeblicher Umsturzversuche hinrichten. Auch seine Tante verschwand - unklar ist, ob sie das Schicksal ihres Mannes teilt oder Selbstmord beging. Desweiteren soll er für das Gift-Attentat auf seinen Halbbruder Kim Jong-nam in Malaysia verantwortlich sein.

Seit vermutlich 2010 ist der Diktator mit der Sängerin Ri Sol-ju verheiratet. Ende des Jahres 2012 soll das Paar eine Tochter bekommen haben. Einige Medien sprechen allerdings von einer Propaganda-Ehe.


Olympia 2018: Politische Entspannung?

Nach all den Drohungen: seit knapp zwei Wochen setzt Kim Jong-un plötzlich auf Diplomatie: Er schickt seine Schwester Kim Yo-jong zur Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele nach Pyeongchang in Südkorea. Und er lädt den südkoreanischen Präsidenten Moon sogar nach Pjöngjang ein.

Viele Beobachter sehen allerdings diese nordkoreanische "Charme-Offensive" mit großer Skepsis. Sie halten die diplomatische Initiative für einen Versuch Nordkoreas, die verhängten Sanktionen abzuschwächen.


Sendungsbezug
Freitag, 9. Februar 2018, 20.15 Uhr

Nervenkrieg um Nordkorea

Ein Film von Klaus Scherer

Infos zur Sendung
© ndrNordkoreas Machthaber provoziert die Welt. Was motiviert diesen Despoten der letzten stalinistischen Familien-Dynastie der Welt, was ist sein Ziel, was seine Strategie?
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Kims Raketen
Nordkoreas Raketen sind vor allem für Südkorea und Japan eine Bedrohung. Ein Angriff auf Washington oder London ist dagegen noch keine realistische Gefahr.
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Undercover in Nordkorea
Er ist der unheimlichste und gefährlichste Diktator der Welt: Kim Jong-un. Der "Oberste Führer" Nordkoreas provoziert die internationale Öffentlichkeit regelmäßig mit neuen Atomtests und Raketenabschüssen. Doch wie geht es den Menschen in seinem Land?
Filmtipp
Gold für Kim - ein Leben für Nordkoreas Führer
Raketentests, Kriegsdrohungen, Menschenrechtsverletzungen - und plötzlich Signale der Dialogbereitschaft: Staatsführer Kim Jong-un hält die Welt in Atem. Nordkorea bestimmt auch 2018 die Schlagzeilen. Doch was spielt sich in dem abgeschotteten Land ab?
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"Diese Menschen sind Opfer"
Ein Jahr lang hat der russisch-ukrainische Dokumentarfilmer Vitali Manskiy die achtjährige, nordkoreanische Zin-mi mit der Kamera begleitet, durfte nur unter Aufsicht drehen. Trotzdem gelang es ihm, seltene Einblicke in ein Land zu bekommen, das sonst verschlossen ist. Wie er das geschafft hat, erzählt er im "Kulturzeit"-Interview: