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Der lettische Stardirigent Mariss Jansons wird 75.
Der lettische Stardirigent Mariss Jansons wird 75.
Mariss Jansons dirigiert
Ein Porträt
"Ich bin mit Musik verbunden, seit ich geboren bin", so Mariss Jansons. Der Chefdirigent des Symphonieorchesters und Chors des Bayerischen Rundfunks kann auf mehr als sieben Jahrzehnte Musik zurückblicken: Am 14. Januar feiert er seinen 75. Geburtstag. Aus diesem Anlass zeigt 3sat eine Auswahl der schönsten Konzerte des Weltstars.
Arvids Jansons arbeitet als Dirigent, seine Mutter Iraida ist Opernsängerin, als Mariss am 14. Januar 1943 in Riga zur Welt kommt. Eine dramatische Zeit: Die deutsche Wehrmacht hat zwei Jahre zuvor Riga besetzt. Deshalb bringt seine Mutter ihn in einem Versteck zur Welt, in das sie sich geflüchtet hat. Zuvor sind ihr Vater und Bruder im Rigaer Ghetto umgekommen.

Nach dem Krieg bekommt sein Vater eine Anstellung bei den Leningrader Philharmonikern. 1956 folgte ihm seine Familie nach Leningrad, dem heutigen Sankt Petersburg nach.


Lehrjahre in Leningrad

© BR Der junge Jansons mit seinem großen Förderer: Herbert von Karajan
Der junge Jansons mit seinem großen Förderer: Herbert von Karajan
Jansons studiert Violine, Klavier und Dirigieren am Leningrader Konservatorium. Als der Stardirigent Herbert von Karajan Leningrad besucht und einen Meisterkurs gibt, wird er auf den jungen Studenten aufmerksam.

"Ich habe Karajan 1968 zum ersten Mal getroffen, als er mit den Berliner Philharmonikern in der Sowjetunion gastierte. Das Kultusministerium hatte einen Meisterkurs mit ihm organisiert. Ich war unter den zwölf Dirigenten, die ihm vordirigiert haben, der jüngste. Nach dem Kurs hat er mich zum Studium bei ihm eingeladen." Mariss Jansons

Trotz Reiseverbot im Jahr 1969 findet er einen Weg, seine Ausbildung bei Herbert von Karajan in Wien fortzusetzen - die Russen bieten den Österreichern einen Tausch an: Ballerinen gegen Dirigenten.

1979 macht ihn das Oslo Philharmonic Orchestra im Alter von nur 36 Jahren zum Chefdirigenten.

Seit Herbst 2003 ist er Chefdirigent beim Chor des Bayerischen Rundfunks und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.

Im Jahr 2006 leitet Jansons erstmals das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker.


Eine glückliche Kindheit: Mariss Jansons Vater arbeitet als Dirigent in Riga. © Yamaha Eine glückliche Kindheit: Mariss Jansons Vater arbeitet als Dirigent in Riga.
Seine Mutter Iraida bringt ihn versteckt zur Welt.  © BR Seine Mutter Iraida bringt ihn versteckt zur Welt.
Eine Musikerfamilie: Der Vater Dirigent, die Mutter Opernsängerin.  © BR Eine Musikerfamilie: Der Vater Dirigent, die Mutter Opernsängerin.

Japan, Beethoven und Jansons

Im Herbst 2012 haben Symphonieorchester und Chor des Bayerischen Rundfunks unter Mariss Jansons in Tokio den Zyklus aller neun Beethoven-Symphonien verteilt auf fünf Abende aufgeführt.Die Aufführungen in der berühmten Suntory Hall in Tokio - laut Jansons mit der weltbesten Akustik - sind der Maßstab des Klassik-begeisterten japanischen Publikums. Ein Gastspiel in diesem Konzertsaal ist für jedes bedeutende Orchester der Welt eine besondere Ehre. Dort gleich eine ganze Konzertreihe anbieten zu dürfen, ist sehr ungewöhnlich. Mariss Jansons über die Japaner und ihre Liebe zur klassischen Musik:

"Dieses Volk ist ein sentimentales Volk. Sie weinen sehr schnell. Am Anfang ist bei Japanern Distanz. Aber wenn man sie näher kennenlernt, stellt man fest, sie haben ein sehr starkes Herz haben und eine unglaubliche Liebe zur klassischer Musik." Mariss Jansons


Seit 2006 leitet Jansons das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker. © dpa Seit 2006 leitet Jansons das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker.
Mariss Jansons und Ehefrau Irina im Jahr 2003. © dpa Mariss Jansons und Ehefrau Irina im Jahr 2003.

Die Suntory Hall in Tokio

© BR Mariss Jansons mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks in der "Suntory Hall".
Mariss Jansons mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks in der "Suntory Hall".
Die Suntory Hall gilt als eine der bekanntesten Konzertsäle der Welt, vergleichbar mit der Boston Symphony Hall oder der Berliner Philharmonie. In den 70-iger Jahren war Baubeginn und öffnete 1986 für den Konzertbetrieb. Sie war damit das erste Gebäude in Tokio, das ausschließlich für Konzertaufführungen verwendet wurde.

Die Suntory Hall bot die Kulisse für ein Beethoven-Fest ganz besonderer Klasse, das am letzten Abend in der Aufführung der "Neunten" unter Mitwirkung des Chors des Bayerischen Rundfunks und vier Solisten gipfelte.

Deshalb hat der "Music Pen Club Japan", die Vereinigung japanischer Musikjournalisten, eine Auszeichnung verliehen. Die Jury wählte den Zyklus der Beethoven-Symphonien zu den besten Konzerten ausländischer Künstler in Japan im Jahr 2012.


Sendedaten
Samstag, 13. Januar 2018, 20.15 Uhr: Mariss Jansons dirigiert Dvorák

Samstag, 13. Januar 2018, 21.05 Uhr: Jansons und Barenboim mit BeethovensKlavierkonzert Nr. 5

Samstag, 13. Januar 2018, 22.40 Uhr: Der Dirigent Mariss Jansons; Porträt zum 75. Geburtstag

Samstag, 13. Januar 2018, 23.25 Uhr: Jansons in Tokio. Der Beethoven-Zyklus (1/9)

Samstag, 13. Januar 2018, 23.55 Uhr: Der Beethoven-Zyklus (2/9)

Sonntag, 14. Januar 2018, ab 11.20 Uhr: Der Beethoven-Zyklus (3/9) - (9/9)

Kultur in Japan
Die Leidenschaft der Japaner zur klassischen Musik
Wer an Japan und seine Musik denkt, denkt vielleicht an die großen Taiko-Trommeln oder die zarte Langhalslaute "Shamisen". Doch Fakt ist, dass seit mehr als 150 Jahren die Werke von Beethoven, Bach, Schubert oder Brahms wesentlich gegenwärtiger sind, als die japanische Tradition. Der Grund dafür ist in seiner Geschichte zu finden. Von Alexia Späth
Mediathek
© BR VideoDer Dirigent Mariss Jansons: Porträt zum 75. Geburtstag
Das Porträt ist ab dem 13. Januar um 22.30 Uhr für 30 Tage in der Mediathek abrufbar.
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© BRVideoJansons in Tokio: Der Beethoven-Zyklus (1/9)
© BR VideoJansons in Tokio: Der Beethoven-Zyklus (2/9)
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© BR VideoMariss Jansons dirigiert Dvorák